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Alles andere als einfach

Gildetag in Rinteln Alles andere als einfach

2800 Flüchtlinge leben inzwischen im Landkreis Schaumburg. Mehr als die Hälfte von ihnen sind unter 25 Jahre alt, und davon sind knapp 700 noch nicht volljährig. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt war Thema des diesjährigen „Gildetages“.

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Landesbischof Karl-Hinrich Manzke im Gespräch mit zwei Männern aus Syrien.

Quelle: cok

Rinteln. „Ankunft und Unterbringung der Flüchtlinge, das haben wir gut gemeistert“, meint Landrat Jörg Farr. „Jetzt geht es um die zweite große Herausforderung, die Integration dieser überwiegend jungen Menschen in den Arbeitsmarkt.“

 „Was wäre“, fragte Superintendent Andreas Kühne-Glaser im vorangehenden Nikolaikirchen-Gottesdienst, „wenn wir es mal so sehen? Die Flüchtlinge hat uns Gott geschickt.“ Tatsächlich erwies sich während des angeregten Austausches im Hotel „Stadt Kassel“, dass die Neuankömmlinge durchaus eine Art Prüfung darstellen können, die, wenn der Landkreis sie besteht, positive Konsequenzen haben könnte.

Auf der einen Seite sind fast alle Flüchtlinge „arbeitssuchend“ gemeldet und müssen verstärkt mit Sprachkursen versorgt werden. Auf der anderen Seite, so stellte es Fritz Pape als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft fest, sähen er und seine Kollegen „zahlreiche hoch motivierte junge Leute, die durchaus dazu beitragen könnten, dem Fachkräftemangel in den Betrieben entgegenzuwirken“.

Der Weg ist nicht einfach

Der Weg dahin ist nicht einfach. Das wurde deutlich, als Landesbischof Karl-Hinrich Manzke von der Schaumburg-Lippischen Landeskirche einige Gäste vorstellte, die aus Syrien teils nach Nienstädt, teils nach Bückeburg gekommen waren – geradezu vorbildliche Männer, die in kürzester Zeit die deutsche Sprache lernten, sich sozial engagieren und berufliche Erfahrungen mitbrachten. Selbst in diesen und ähnlichen Fällen, bei denen so mancher Betrieb schon sein Interesse bekundet hatte, könne man nicht einfach sagen: „Den nehme ich“, so Pape. Zu viele rechtliche Dinge stünden dem meist im Weg.

Die älteren Menschen, wie etwa der 60-jährige Ahmad Alfarra aus Nienstädt, erfahrener Metallarbeiter und Kfz-Mechaniker aus dem syrischen Homs, weisen zwar oft ein umfangreiches Können auf, können aber auf keinen Ausbildungsweg verweisen, der in Deutschland anerkannt wäre. So arbeitet er neben seinem Integrationskurs bisher nur ehrenamtlich in einer Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge. Ein anderes Beispiel: Ein syrisches Ehepaar – sie Krankenschwester und er Sanitäter – steht aktuell vor dem Problem, dass ihre Qualifikationen so nicht in ein bestehendes Berufsbild passen.

Hoher Stellenwert von Ausbildungen

Was die begabten jungen Menschen betrifft, da gebe es ein Grundproblem, das man allerdings auch bei vielen deutschen Jugendlichen feststellen müsse: Den meisten sei nicht klar, wie hoch der Stellungswert von Ausbildungen im Dualen System seien. „Berufsausbildung – das ist für sie ein besonders schweres Fremdwort“, meinte dazu Herbert Habenicht, Leiter der Rintelner Berufsausbildenden Schulen (BBS). „Viele wollen studieren und erhoffen sich dadurch bessere Chancen. Dabei ist ihnen nicht klar, wie viel Zeit allein ein entsprechender Spracherwerb in Anspruch nimmt.“ Da sei es besser, ein relativ unkompliziertes Praktikum zu absolvieren und alle weitere Kraft in den Spracherwerb zu stecken, der für eine Ausbildung unabdingbar sei.

Immerhin, 20 junge Leute nehmen aktuell am Projekt der sogenannten „Kompetenzfeststellung“ des Landkreises teil. Dazu gehört das Ausprobieren diverser Handwerksberufe in Modellwerkstätten, eine gute Möglichkeit, Vorurteile gegen echte Erkenntnis einzutauschen und Kontakte zu Handwerksbetrieben zu knüpfen.

Weitere solcher Projekte sind auch für Rinteln geplant, so Bürgermeister Thomas Priemer. Sie sollen dazu beitragen, dass sich unter den Flüchtlingen und deren „Paten“ herumspricht, wie positiv eine solide Ausbildung sei. Wer sich erfolgreich um eine Lehrstelle bewerben kann, dessen Rückführungsverfahren wird für die Ausbildungszeit ausgesetzt.

Ein Appell für alle, die Flüchtlinge dabei unterstützen wollen, einen Arbeitsplatz zu finden: Sie sollen sich bei Fragen entweder an die Arbeiterwohlfahrt in Stadthagen wenden, an Thorsten Bockisch von der Flüchtlingshilfe Nienstädt, Telefon (0173) 6032921, oder an Rintelns Integrationsbeauftragte Veronika Matamu, Telefon (05751) 403165. cok

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