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Am Tisch muss die „Ehe“ funktionieren

Bridge spielen in Rinteln Am Tisch muss die „Ehe“ funktionieren

Wer denkt bei „Bundesliga“ und „Weltmeisterschaft“ schon an Bridge? Und doch gibt es sie, die Bridge-Bundesliga, und auch um Weltmeistertitel wird in dieser Sparte gekämpft.

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Für Laien ein Rätsel, für Anfänger nicht ganz schnell zu lernen: das Bridge-Spiel.

Quelle: cm

Rinteln. Sogar die Idee, Bridge zur olympischen Disziplin zu machen, hat es schon gegeben. Aber all das spielt sich weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit ab. Bridge ist ein Nischensport und hat zudem mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Ein bisschen „snobbish“ soll es sein und ein Spiel für ältere Damen.

 Einer, der sich von alldem nicht hat abschrecken lassen, ist Herbert Schlesiger. Seit knapp einem Jahr spielt er im Bridge-Club Rinteln. Aber selbst er muss zugeben, dass er anfangs Vorbehalte gehabt habe: „Als ich zum ersten Klub-Treffen gegangen bin, habe ich ganz vorsichtig die Tür aufgemacht. Ich hatte mir fest vorgenommen, wenn da nur ältere Frauen an den Tischen sitzen, auf dem Absatz wieder kehrt zu machen und zu flüchten.“ Doch Flucht war unnötig. In Rinteln spielen auch eine ganze Reihe Männer mit.

 Der Anfang ist nicht leicht beim Bridge. Von Vorteil sei es, wenn man immer schon gern Karten gespielt habe, meint Schlesiger. Seine Erfahrungen aus Skat und Doppelkopf hätten ihm dabei ganz gut geholfen. Bevor man in die wöchentlich stattfindenden Klub-Turniere einsteigen kann, steht erst mal vorbereitender Unterricht auf dem Programm. Ab drei Interessierten bietet die Vorsitzende Ursula Helmhold ihre Unterstützung an, und man trifft sich bei ihr zu Hause zum Üben.

 Vor allem das Reizen will gelernt sein. Habe ich genug Punkte, um mitzureizen? Was für ein Spiel wäre Erfolg versprechend? Wie zeige ich meinem Partner, was er von mir erwarten kann? Wie schätze ich richtig ein, wie viele Stiche ich machen werde?

 Schlesiger ist von dieser Herausforderung mittlerweile fasziniert. „Beim Bridge sind Denkvermögen, Taktik und Strategie gefragt“, begeistert er sich. „Und es geht weniger um Kartenglück als um Können.“ Da die Karten nur einmal gemischt werden und dann in der gleichen Aufteilung von Tisch zu Tisch gereicht werden, liegt das Spannende darin, wer aus dem jeweiligen Blatt das Meiste herausholt. Da zeigen sich die wahren Könner – und Könnerinnen. „Man gibt es ja nur ungern zu, aber unsere Frauen spielen einfach besser als wir. Wenn Sie die Punkteliste des Klubs anschauen, finden Sie mindestens bis Platz 15 nur Frauennamen. Irgendwie spielen sie mit mehr Leidenschaft. Wir Männer nehmen es etwas lockerer“, sagt Schlesiger schmunzelnd.

 Nach dem Grundlagenunterricht fängt man an, an den Klubturnieren teilzunehmen. „Da habe ich lange gezögert, hatte immer noch das Gefühl, nicht gut genug zu sein.“ Schließlich sei ihm der Zufall zu Hilfe gekommen. Helmhold stand im Stau und konnte nicht rechtzeitig zum Klubabend kommen. Da alle erst anfangen können, wenn sie vollzählig sind, habe Helmhold ihn telefonisch gebeten, doch schon mal ihren Platz einzunehmen und für sie mitzuspielen. Das habe dann erstaunlich gut geklappt, und seitdem spielt Schlesiger jeden Donnerstag mit.

 Bridge spielt man zu viert, paarweise gegeneinander. Da sind gut eingespielte Teams von Vorteil. So sind fast alle Bridgespieler dauerhaft mit ihrem Partner in einer „Bridge-Ehe“ liiert. Auch Schlesiger ist mittlerweile in festen Händen. „Zum Glück hat sich Jürgen Vogt meiner angenommen. Der ist schon ein erfahrener Spieler. Von dem kann ich ordentlich was lernen.“ Was dieses Eingespielt-Sein für Blüten treibt, kann man bei großen internationalen Turnieren sehen: Da werden quer über die Tische Sichtschutzwände aufgebaut, damit sich die Paare nicht durch geheime Zeichen verständigen können. Selbst unter den Tischen sind Sperren, um den Kontakt über die Füße zu verhindern. Trotzdem seien vor einiger Zeit zwei Spieler beim Schummeln erwischt worden, erzählt Schlesiger. „Die haben sich über Hüsteln verständigt.“

 Er könne jetzt einigermaßen vernünftig mitspielen, meint Schlesiger bescheiden, aber er schätzt, dass es wohl zwei Jahre braucht, bis man Bridge in den Grundlagen wirklich beherrscht. Vertiefung höre jedoch nie auf. „Spaß macht es mir jetzt schon“, so der Anfänger. Vor allem, dass die Gegner ständig wechseln – man spielt bei den Turnieren gegen alle teilnehmenden Paarungen – mache die Treffen interessant. Im Spiel gegen erfahrene oder auch nicht so gute Gegner bekomme er so langsam ein Gefühl dafür, wo er selbst leistungsmäßig stehe. Dieses Jahr will sich Schlesiger erstmalig im offenen Wettkampf messen. Die Teilnahme am Rintelner Kneipenturnier steht auf dem Programm.

 Er könne nur alle, die Interesse haben, ermutigen sich beim Bridge-Club zu melden. Als Ansprechpartnerin steht Ursula Helmhold, Telefon (05751) 1304, zur Verfügung.

cm

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