Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Amtlich beglaubigt: Ein wahrer Christ

Rinteln / Zuwanderer Amtlich beglaubigt: Ein wahrer Christ

Beinahe wären sie zu spät zum wichtigen Gerichtstermin gekommen. Sie, das sind der Iraner Hosein Samawii (32) und sein Dolmetscher Ebi, Prediger in der Rintelner Stadtmissionsgemeinde.

Voriger Artikel
Priemer treibt die Preise hoch
Nächster Artikel
Regen spült Beton unter Bordsteinen weg

Zufrieden mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichts: Joachim Rebuschat (v. l.), Hosein Samawii und dessen Dolmetscher.

Quelle: cok

Rinteln. Ihr Auto blieb auf der Autobahn liegen, und erst in letzter Sekunde erreichten sie das Verwaltungsgericht Hannover, wo über den Asylantrag des Iraners entschieden werden sollte. Und dann war innerhalb von fünf Minuten klar: Samawii darf in Deutschland bleiben.

 Dem vorausgegangen war eine dramatische Geschichte von Flucht und drohender Abschiebung, von zwei Jahren existenzieller Ungewissheit, aber auch treuer Unterstützung durch den engagierten Rechtsanwalt Heinrich Freckmann aus Hannover und durch die Mitglieder der Stadtmission, denen Samawii sich angeschlossen hat (wir berichteten). „Mani“, wie ihn hier alle nennen, musste das Gericht von seinem wahren Glauben als Christ überzeugen.

 In die moslemische Religion hineingeboren, hatte sich der junge Textilhändler im Iran einer Gruppe von heimlichen Christen angeschlossen, eine lebensgefährliche Entscheidung in einem Land, wo im Jahr 2008 ein Gesetz verabschiedet wurde, das auf die sogenannte „Apostasie“, den „Abfall“ vom Islam, die Todesstrafe zwingend vorsieht. Auf einer geschäftlichen Auslandsreise erfuhr Samawii, dass einige seiner christlichen Freunde verhaftet worden waren. Daraufhin beschloss er, nicht zurückzukehren, sondern in Deutschland Asyl zu suchen.

 Ein erster Asylantrag war vor zwei Jahren allerdings abgelehnt worden. Da Samawii nicht offiziell konvertiert war – fast alle iranischen Konvertiten lassen sich erst in Deutschland taufen –, glaubte man ihm sein neues Christentum nicht. Auch eine Klage führte zu keinem anderen Ergebnis. Durch den Folgeantrag gewann er eine Gnadenfrist, die vor drei Wochen zu der Anhörung in Hannover führte. Hätte er da nicht überzeugen können, wäre er wohl sofort abgeschoben worden.

 „Es war unheimlich und bedrückend für mich, dass man mir nicht glaubte“, sagt er. „Das Christentum hat mich schon in meiner Schulzeit fasziniert. Ich war nie ein praktizierender Moslem, ich empfinde die Shia als einen Trauer-Glauben. Im Christentum dagegen steht die Freude über die Liebe Gottes im Mittelpunkt.“ Er formuliert das mithilfe des Dolmetschers Ebi, auch wenn er inzwischen schon ganz gut Deutsch spricht, dessen Anfänge er in der Stadtmission in den Kursen von Gerta Kanitz lernte. „Seit ich an Gott glaube, habe ich meine innere Ruhe gefunden.“

 Solche Sätze allein hätten bei der Anhörung wohl kaum genügt. Sein Rechtsanwalt aber konnte anführen, dass Samawii rundherum integriert ist in der Stadtmissionsgemeinde. Er nimmt an den persischen Gottesdiensten und Bibelkursen teil, engagiert sich hilfreich, wenn es handwerkliche Dinge zu erledigen gilt, und – das nehmen die Gläubigen in der Gemeinde wichtig, sagt Mitglied Joachim Rebuschat – er spricht auch mit anderen Iranern über den christlichen Glauben. Außerdem ist er inzwischen getauft – alles gute Gründe, die für seine Aufrichtigkeit sprachen.

 Jetzt wartet „Mani“ noch auf die schriftliche Bestätigung dafür, dass er wirklich einen Pass für vorläufig drei Jahre Deutschlandaufenthalt bekommt. Dann darf er Rinteln verlassen und nach Köln ziehen, wo es viele andere iranische Christen gibt.

 Sein Plan ist, wieder als Kaufmann zu arbeiten. Und außerdem wird er so bald wie möglich in die Türkei reisen, um sich dort mit seiner Familie zu treffen. Auf einen Besuch zurückzukehren in den Iran, das ist für ihn unmöglich.

 Zufrieden mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichts: Joachim Rebuschat (von links), Hosein Samawii und dessen Dolmetscher.

cok

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg