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„Andere haben Oldtimer“

Historischer Schienenbus „Andere haben Oldtimer“

Vor zwei Monaten hat eine betrunkene Autofahrerin den historischen Schienenbus gerammt. Aus eigener Kraft konnte er noch in den denkmalgeschützten Lokschuppen in Rinteln geschleppt werden.

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Der Schienenbus befindet sich im Schuppen.

Quelle: pr.

Rinteln/Stadthagen. Seitdem findet der Fahrbetrieb auf der Strecke Rinteln–Stadthagen nur eingeschränkt statt. Deshalb dürfen sich die Waggonschlosser von Kaminski statt den üblichen Güterwagons nun der dieselbetrieben Museumsbahn widmen.

Zufrieden die Hände in die Seite gestemmt beobachtet Ulrich Van de Weyer den Funkenflug des Schneidbrenners. Ausnahmsweise muss er nicht alleine an „seinem“ Schienenbus schrauben – nachdem eine alkoholisierte Fahrerin an einem Bahnübergang den Schienenbus gerammt hatte, zahlt die Unfallversicherung eine fachmännische Reparatur. So ist es auch für Waggonschlosser Benjamin König von der Hamelner Waggonbaufirma Kaminski eine Premiere geworden. Normalerweise bringt er Güterwaggons wieder in Schuss, heute darf er sich an dem 1960 gebauten historischen Schienenbus versuchen.

Eisenbahnhistorie in der Luft

Im denkmalgeschützten Lokschuppen am Rintelner Bahnübergang könnte die Atmosphäre dafür nicht stimmiger sein: Die Decke ist bis heute schwarz vom Ruß der ehemals hier versorgten Dampflokomotiven. Eisenbahnhistorie liegt in der Luft. Im Schienenbus selber rumpelt heute ein 150 PS starker Dieselmotor. Der könnte die Bahn auf bis zu 90 Stundenkilometer beschleunigen, „wir fahren aber nur 30“, betont van de Weyer. Er ist zwar schon seit Jahren beim Verein, „aber eine Fahrt hat mir gereicht, jetzt kenne ich ja die Strecke“.

Was ihm am Herz liegt, ist „die Technik ohne Computer“. „Hier kann man jedes Kabel, jede Leitung und jeden Schlauch verstehen“, beschreibt van de Weyer seine Faszination. „Andere haben Oldtimer, ich den Schienenbus“. Wobei er nur ein – wenn auch maßgebendes – Rädchen im Getriebe des Förderverein Eisenbahn Rinteln Stadthagen (Ferst) ist. 125 Mitglieder sorgen dafür, dass die Bahnstrecke von Rinteln nach Stadthagen nicht in Vergessenheit gerät. „Unser Satzungsziel ist die Reaktivierung der Strecke“, betont Pressewart Burkhard Rohrsen.

Der ÖPNV-Enthusiast stellt den krassen Gegensatz zu van de Weyer dar. Mit der Technik hat er nichts am Hut – er kämpft in erster Linie für eine Reaktivierung des Schienennahverkehrs auf der Strecke.

Rund 5000 Euro Schaden

Bei dem Unfall im Juni wurde die Vorderseite des Verbrennungssteuerwagens (VS) schwer beschädigt – auf rund 5000 Euro bezifferte die Polizei damals den Schaden. Mehr als 20 Meter schleifte der mehrere Tonnen schwere Zug den Kleinwagen mit, die Fahrerin wurde glücklicherweise nur leicht verletzt. Druckluftschläuche wurden beim Aufprall unter gewaltigem Getöse herausgerissen, die Karosserie sowie die Stoßdämpfer beschädigt. „Ohne Druck fährt hier nichts“, erklärt van de Weyer. Die komplette Steuerung basiert auf dem Druckluftkonzept, dadurch kann der Schienenbus nicht nur vom Triebwagen, sondern auch von dem separaten Steuerungswagen – heute befindet sich darin die Bordgastronomie – bedient werden.

Da für das Modell Baujahr 1960 natürlich keine Ersatzteile von der Stange mehr zu bekommen sind, mussten sie bei Kaminski im Hamelner Werk erst angefertigt werden. „Ist aber alles kein Ding“, sagt Waggonschlosser König.

Die Karosserie zu reparieren war dabei noch vergleichsweise simpel. Um die rund 100 Kilo schweren Stoßdämpfer abmontieren und überprüfen zu können, war dann aber schweres Gerät gefragt. „So eine Hebebank fehlt dem Verein“, so van de Weyer. Da kommt die Hilfe von Kaminski nur recht.

Gleicher Zungenschlag

Ganz fremd sind sich Verein und Firma nicht. Die zahlreichen auf dem Schienennetz in direkter Nachbarschaft zwischengeparkten Güterwaggons werden von Kaminski betreut und repariert. Und Eisenbahner haben sowieso den gleichen Zungenschlag – ob hauptberuflich oder als Hobby ist da zweitrangig.

Nach nur einem Arbeitstag kann van de Weyer die grundsätzliche Fahrbereitschaft verkünden. „Wir machen noch kleinere Nacharbeiten bei einem weiteren Termin“, erklärt er, „aber eigentlich läuft er wieder.“

Die nächste reguläre Fahrt des Ferst findet am Sonntag, 17. September, statt. Um 11.20 Uhr und um 14.10 Uhr startet der Schienenbus in Rinteln Nord, fährt nach Stadthagen (Ankunft 12.15 beziehungsweise 15.05 Uhr) und kehrt dann nach Rinteln zurück. Details zum Fahrplan sind im Internet unter der-schaumburger-ferst.de zu finden. Eine einfache Fahrt kostet sechs Euro für Erwachsene, drei Euro für Kinder von fünf bis 15 Jahren. Teilstrecken sind günstiger. Fahrräder können auf eigene Gefahr für zwei Euro mitgenommen werden. jak

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