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Andere in ihrer Verschiedenheit annehmen

Rinteln / Pogromnacht Andere in ihrer Verschiedenheit annehmen

Einbrechen der Dunkelheit, Kerzen auf dem Teppich aus Herbstlaub zwischen den alten Grabsteinen: Es ist wieder 9. November – Gedenken an die Opfer der Pogromnacht 1938 in Rinteln und ganz Deutschland.

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Martina Knöpfel-Lüssem (Mitte) von der katholischen Pfarrgemeinde St. Sturmius gestaltet das Gedenken an die Pogromnacht.

Quelle: tol

Rinteln (dil). Leise Klänge von Blockflöten und Gitarre erleichtern den rund 30 Teilnehmern das Innehalten auf dem kleinen jüdischen Friedhof an der Ostertorstraße. Nur die vorbeifahrenden Autos stören.

 Die katholische Pfarrgemeinde St. Sturmius hat diesmal die Gestaltung des Gedenkens übernommen. Gemeindereferentin Martina Knöpfel-Lüssem erinnert an die Nacht, in der die Deutschen über ihre Nachbarn herfielen. „Wir sind entsetzt, was Menschen anderen Menschen antun können. Brutal und menschenverachtend haben damit Christen ihren Gott und ihren Glauben in den Dreck gezogen. Heute sind wir dankbar, dass wir unsere christlichen Wurzeln wieder im jüdischen Glauben erkennen. In vielen Städten blüht wieder jüdisches Leben, als Beispiel seien Hameln und Bad Nenndorf genannt.“

 Nachdem Wolfgang Giese den Psalm 94 vorgelesen hatte, betete Knöpfel-Lüssem mit den Teilnehmern für eine Festigung des Zusammenhalts zwischen Juden und Deutschen sowie darum, den Gefahren für ein friedliches Zusammenleben durch wieder aufkommende Ausgrenzung Wachsamkeit und Widerstand entgegenzusetzen. „Frieden bedeutet Versöhnung, Sicherheit und Ruhe“, sagte Knöpfel-Lüssem. Diesen Frieden erbat sie auch für die Pogrom-Opfer in Rinteln, deren Namen diesmal nicht verlesen wurden. Dann betete sie darum, „dass wir alle uns in unserer Verschiedenheit annehmen können“.

 Ein Kind verteilte schließlich Kiesel, die nach jüdischem Brauch auf die Grabsteine gelegt werden sollten. Mit einem jüdischen Reisesegen endete die kleine Gedenkveranstaltung.

 Knöpfel-Lüssem dankte Hannah Frick, Charlotte Meier und Karin Dennhardt für die musikalische Umrahmung. Sie kündigte an, dass die Pogromnacht 2013 schon 75 Jahre zurückliegen werde, dann werde das Gedenken größer begangen, vielleicht von mehreren Kirchengemeinden. Anregungen dazu nimmt sie gern entgegen.

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