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Anhaltende Trockenheit im Wesertal

Boden hart wie Beton Anhaltende Trockenheit im Wesertal

Die anhaltende Trockenheit im Wesertal treibt den Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn. „Der Regen vom Wochenende war doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“, klagt Christian Beißner aus Westendorf.

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 Noch sind die Pflanzen grün wie dieser junge Mais in der Aher Feldmark, aber der Boden trocknet zunehmend aus. Die Hitze am kommenden Wochenende könnte das Grün an manchen Stellen in Gelb verwandeln.

Quelle: tol

Rinteln. Und für das kommende Wochenende ist noch eine Hitzwelle angekündigt. Die Freibäder hoffen endlich auf Besuchermassen, Beißner fürchtet um seine Kartoffeln: „Jetzt entscheidet die Pflanze, wie viele Knollen sie im Boden ausbildet, wie viel ich also später ernte. Und bei der Trockenheit kann das ja nicht viel werden.“

 Beißner trifft es besonders hart, hat er doch noch 4000 Tonnen Kartoffeln im Lager. Gerade sind erst Lieferungen nach Serbien gestoppt worden, weil schon Fäulnis eingesetzt haben soll. Im Lager beginnt die Keimung, und Mitte Juni kommen aus der Pfalz schon wieder frische Kartoffeln zu seinen Hauptkunden, den Kartoffelchipproduzenten.

 „Auch in den Rübenfeldern sind die Böden jetzt zum Teil so hart wie Beton. Da klaffen Risse, in denen könnten Handys verloren gehen“, sagt Beißner. „Käme es jetzt aber zu Gewitterregen, flösse alles auf der harten Erde oberflächig weg.“

 Ein lang anhaltender Landregen, der die Erde erst aufweicht und damit aufnahmefähig macht, das wünscht sich auch Stefan Fitzner, bei Dieckmann Seeds auf der Domäne Coverden für die Landwirtschaft zuständig. Die etwa acht Liter Regen pro Quadratmeter am Wochenende haben nicht viel gebracht, waren aber besser als nichts. „Wir jammern bei unseren guten Böden im Wesertal aber auf hohem Niveau, doch auch hier wird das Wasser jetzt zum begrenzenden Faktor“, so Fitzner. Ausgebrachter Dünger löse sich zum Beispiel nicht mehr auf, liege auf dem Boden und arbeite sich nicht ein. „Sehr tonhaltige Böden halten das wenige Wasser zudem fest, ohne es an die Pflanzen weiterzugeben. Da trocknen die Kulturen bald aus. Der Boden schrumpft, es gibt Risse, da kann man schon die Hand reinstecken“, sagt Fitzner. „Wenn es jetzt ordentlich regnet, wäre es erst eine Minute nach zwölf. Aber wir bräuchten dann auch mindestens 20 bis 30 Liter pro Quadratmeter.“

 Selbst helfen können sich die Landwirte bei Wasserknappheit nicht. Friedhelm Stock vom Landvolk Weserbergland in Hameln erklärt: „Traditionell haben die Landwirte im Weserbergland keine Beregnungsanlagen. Das bisschen Regen am Wochenende hat den Rüben zwar gut getan, denn die sahen oft schon schlecht aus. Aber wenn die Sonne jetzt am Wochenende richtig brennt, dann wird es schlimm.“ Schon zum Wachstumsstart hätten die Ackerpflanzen zu wenig Wasser bekommen, aber das sei bisher noch kompensiert worden. „Die angekündigten Regenfälle der letzten Wochen kamen zumindest im Wesertal nicht an.“

 Stock sorgt sich auch um die Landwirte, die von einer neuen EU-Förderung für Ackerrandstreifen profitieren wollten. Wer dort umpflügte und Blumenmischungen einsäte, bekommt eine Prämie.

 Stock: „Aber noch sieht man nichts von den Blumen, und wir wollten Ende Juni eigentlich den blühenden Erfolg der Öffentlichkeit vorstellen. Wenn aber nichts blüht, bekommt der Landwirt Ärger mit der Landwirtschaftskammer, die es angesichts der in Anspruch genommenen Förderung beim Abrechnen nicht interessiert, ob es trocken war oder nicht.“

 Beißner richtet sich bei den Kartoffeln schon jetzt auf Einbußen ein. Auch wegen der nächtlichen Kälte, die das Wachstum der Frühkulturen bisher stark bremste.

 Der Rintelner Bauhof beginnt heute mit dem Bewässern der neu bepflanzten Beete und gepflanzten Bäume, teilte Heino Stemme mit. Aus einem 11000 Liter fassenden Tank werden per Fahrzeug die Pflanzen versorgt, um nicht zu verdorren.

 Die Baumschulen Wattenberg und Fechner sagen ihren um neue Pflanzen besorgten Kunden das, was sie selbst im Moment mit hohem Zeitaufwand auch vorrangig tun: „Gießen, gießen, gießen, sonst wird das nichts.“

dil

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