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Armformer für Zürich

Rintelner Künstler auf internationaler Bühne angekommen Armformer für Zürich

Für den Eg Witt ist es wie ein Ritterschlag. Die Galerie Thalberg in Zürich, die Werke von international anerkannten Künstler wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, dem Bildhauer Richard Serra, der US-Pop-Art-Ikone Tom Wesselmann und Klassiker wie dem französischen Expressionisten Henri Matisse ausstellt, hat beim Rintelner Künstler neun Plastiken angefordert, darunter auch den Armformer.

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Eg Witt präsentiert seine bekannte Skulptur „Armformer“, die es in unterschiedlichen Größen gibt.

Quelle: pr

RINTELN. Damit spielt Witt, um einen Begriff aus dem Sport zu bemühen, jetzt in einer neuen, höheren Liga. Die Galerie Thalberg liegt an der Züricher Kunstmeile zwischen Schauspielhaus und Kunsthaus.

Witt sagt, er sei selbst von der Anfrage überrascht gewesen. Erstaunt habe ihn auch, dass die jungen Schweizer Galeristen ausgerechnet seinen Armformer haben wollten. Eine Eisenschnitt-Stele, entstanden vor 30 Jahren unter dem Eindruck der Katastrophe von Tschernobyl. Ein Mensch, der schützend den Arm um sich legt. „Heute“ sagt Witt, „ist es für mich ein Mensch, der sich ein Fenster baut, von dem er aus in die Welt blickt.“ Man muss kein Kunstinterpret sein, um dieses Motiv zu verstehen. Und es enthält Witts vielfach variierte Botschaft über den Menschen, der Teil der Natur ist, sich aber mit seiner Technik immer weiter von ihr entfernt. Kinder erkennen übrigens am Armformer den Übergang vom Arm in eine Schlange, das angedeutete Auge und Schlangenmaul, sofort.

Den Armformer gibt es in diversen Größen. Von einer Plastik, die man sich auf den Schreibtisch stellen kann bis zu drei Meter großen Exemplaren. Einer davon steht vor der Feuerwehrzentrale am Seetor.

"Alles Tarnung"

Verblüfft habe ihn die Spedition, die vor seinem Haus gehalten habe, um die Plastiken abzuholen, erzählt Witt. Der Lastwagen sah aus, als hätte er es gerade noch durch den TÜV geschafft, verrostet, verbeult. „Alles Tarnung“, hätten ihn die beiden Fahrer aufgeklärt. Sie transportierten auch schon mal Millionenwerte. „Da schreibt man nicht in großen Lettern an die Bordwand: Spezialspedition für Kunst. Das wäre wie eine Einladung zum Kunstraub“, so Witt. Die Plastiken des Rintelners sind inzwischen – in Blasenfolie verpackt – wohlbehalten in Zürich angekommen.

Witt hat die 70 überschritten, arbeitet aber weiter. Nach Zeichnung, Malerei, Grafik, Plastik, Fotos und Performance hat er ein weiteres Medium entdeckt, das ihn fasziniert: Bücher, das Wort, Schreiben.

„Glutofen“ war sein Erstling, Erinnerungen an die Kindheit im Hüttenviertel. In und um die Glashütte spielt auch der Krimi, den er jetzt abgeschlossen hat – mit dem Titel „Schweinekassierer“. Diese liefen nach Kriegsende von Haus zu Haus, kassierten für die Schweinekasse bei Schweinehaltern eine Versicherungsprämie, 40 Pfennig alle zwei Monate.

Schweine waren bei Witt schon mal Thema. Er hatte sich die Türen von Schweinekoben besorgt und in Plastiken umgearbeitet. Die stehen jetzt in seinem Magazin, sollen aber noch einmal ausgestellt werden. „Kaufen“, sagt Witt, „wollte sie bisher kein Kunstsammler.“

Viele Materialien wurden verbaut

Kunstsammler, Unternehmen und Kommunen kaufen dafür seine Skulpturen aus Eisen, die Stelen. 120 hat er erschaffen. Sie sind seine Bestseller.

Nur im Internet ist Witt nur spärlich vertreten. Man findet, was über ihn geschrieben worden ist, aber keine Biografie, kein Werkverzeichnis. Das soll sich ändern. Was man demnächst bei Wikipedia nachlesen können soll, hat Witt schon mal auf Papier zusammengestellt. Es ist ein beeindruckendes Œuvre, das Witt vorweisen kann. Kaum eine moderne Kunstströmung in die er sich nicht gewagt hat. Kleiderbügel, Schulterpolster, Bierdeckel, Plastikkrokodile, DDR-Bücher, kaum ein Material, mit dem er sich nicht versucht hat.

In seinem Magazin wartet noch manches, was wert wäre, ausgestellt zu werden: Wie seine Fotos vom G8-Gipfel. Witt ist 2007 nach Heiligendamm gereist, um selbst zu sehen, was die Mächtigen der Welt und die Demonstranten so treiben und hat teils bizarre Szenen mit der Kamera festgehalten.

Bei dem Crossover durch alle Kunststile drängt sich eine letzte Frage auf: „Herr Witt, was macht eigentlich einen Künstler aus?“ „Nur die Idee“, sagt Witt, „alles andere ist Handwerk.“ we

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