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Auch Flüchtlingskinder müssen zur Schule

Besondere Herausforderung Auch Flüchtlingskinder müssen zur Schule

Rund 250 Flüchtlinge sind derzeit in der Weserstadt untergebracht. Sie leben in den Asylheimen am Bahnhofsweg und am Kerschensteinerweg sowie in Privatwohnungen.

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Die steigende Anzahl an Flüchtlingen stellt die Schulen und Behörden derzeit vor eine Herausforderung. Denn alle schulpflichtigen Kinder müssen zur Schule gehen – auch wenn sie kein Deutsch sprechen.

Quelle: dpa

Rinteln. Während die Erwachsenen zur beruflichen Untätigkeit verdammt sind, solange sie keine Aufenthaltserlaubnis haben, müssen ihre schulpflichtigen Kinder eine Schule besuchen – ungeachtet des Aufenthaltstitels. Dies stellt die zuständigen Behörden und Schulen derzeit vor eine besondere Herausforderung, da die Anzahl der Asylbewerber in den vergangenen Monaten stark gestiegen ist. Allein seit Anfang des Jahres sind im Landkreis 200 Flüchtlinge angekommen, mit 600 weiteren wird noch in diesem Jahr gerechnet, Tendenz steigend (wir berichteten).

 In der Asylunterkunft am Kerschensteinerweg sind derzeit 15 Kinder untergebracht. Sieben sind im Alter von zweieinhalb bis sechs Jahren, acht Kinder sind im Alter von sieben bis 17 Jahren und damit schulpflichtig. Zwei besuchen die Grundschule Nord, zwei die Integrierte Gesamtschule (IGS) Rinteln, teilt die für die Flüchtlinge zuständige Sozialarbeiterin Veronika Matamu von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Schaumburg mit.

 Wie berichtet engagieren sich einige Rintelner ehrenamtlich, um den Flüchtlingen den Alltag zu erleichtern. Nicht gefunden haben sich bislang Bürger, die nicht nur bereit, sondern auch dazu in der Lage sind, Schulkindern beim Deutschlernen zu helfen.

 An der Grundschule Süd sind derzeit zwölf Kinder mit unzureichenden oder ohne Deutschkenntnisse angemeldet. Sie werden seit dem Schuljahr 2014/15 in der deutschen Sprache gefördert, 15 Stunden die Woche, sagt Schulleiter Manfred Asche. Geleistet werde dieser zusätzliche Unterricht vom schuleigenen Personal, allein zusätzliche Arbeitsmaterialien seien dafür extra angeschafft worden.

 Ab dem kommenden Schuljahr wird es an den Berusbildenden Schulen (BBS) ein „Berufsvorbereitungsjahr“ beziehungsweise eine sogenannte Sprachlernklasse für Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse geben. „Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Deutschunterricht“, schildert Günter Potthast, der stellvertretende Schulleiter der BBS. Darüber hinaus hat die BBS eine eigene Stundentafel für Flüchtlingskinder entworfen, die vor allem Fachpraxis zum Inhalt hat, Hauswirtschaft oder Kochen etwa. „Das hat einen schönen Projektcharakter. So können zum Beispiel Gerichte aus anderen Ländern miteinander gekocht werden“, sagt der Konrektor. Ferner gehe es um „Hilfe im Alltag“: Was ist bei Behördengängen zu beachten, was beim Einkaufen oder Arztbesuch?

 Grundsätzlich sollten die Kinder entsprechend der Schulform in ihrer Heimat eingeschult werden. In der Praxis lasse sich das allerdings nicht immer umsetzen, wenn etwa keine Deutschkenntnisse vorhanden sind. Die Ausnahme bestätigt die Regel. So habe die BBS einen Gymnasiasten aus dem Irak aufgenommen, der zwar über etwas Englisch-, aber über keinerlei Deutschkenntnisse verfügte. Man ging davon aus, dass der Oberstufenschüler zumindest das erste Jahr wiederholen müsse. Er sei aber so ehrgeizig gewesen, dass er nun sein Abitur absolvieren und sogar mit „gut“ bestehen werde. „Aber das ist eben die Ausnahme“, merkt Potthast an.

 Zwei Deutschlehrer mit der Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ stellt die BBS aus dem eigenen Personal für die Sprachlernklasse, zwölf bis 14 Stunden die Woche. Dafür hat das Kultusministerium der BBS drei Wochenstunden extra bewilligt. Macht immer noch ein Minus von neun bis elf Stunden. „Aber es ist besser als nichts“, befindet Potthast.

 Problematisch sei die wechselhafte Anzahl der Kinder. Besonders Kinder aus Serbien oder dem Kosovo sind häufig von Abschiebung betroffen. Das bedeutet in der Praxis, dass manche Mädchen und Jungen, die gerade eingeschult worden sind, die Schule schon vier Wochen später wieder verlassen, weil sie in ihre Heimat zurück müssen. „Wir stellen uns deshalb auf eine große Flexibilität ein“, sagt Potthast, der in regem Kontakt mit den drei Sozialarbeitern aus Rinteln und Bückeburg steht. So sei etwa geplant, verstärkt mit den örtlichen Vereinen zu kooperieren, um den Flüchtlingskindern auch nach Schulschluss etwas anzubieten, damit sie ihre Freizeit sinnvoll nutzen können.

 Die Rintelner IGS verfügt mit Heinz Hering über einen pensionierten Förderschullehrer. Sechs Stunden in der Woche gibt er Sprachförderunterricht für Kinder ohne oder mit unzureichenden Deutschkenntnissen. Zu verdanken hat die IGS diese Unterstützung der Bürgerstiftung Schaumburg, die den Sprachförderunterricht finanziert. Sechs Kinder nehmen diesen Unterricht derzeit in Anspruch. Weitere sechs Kinder konnten an der IGS in Obernkirchen untergebracht werden. Außer in der Oberschule in Stadthagen, wo es zwei Sprachlernklassen gibt, besteht seit dem 13. April auch in der Bergstadt eine Sprachlernklasse. Dort werden maximal 16 Schüler im Alter von zehn bis 17 Jahren von montags bis freitags von der ersten bis zur sechsten Stunde von zwei Lehrkräften mit der Zusatzqualifikation „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichtet.

 Wie an der BBS handelt es sich dabei um eine Maßnahme der Landesschulbehörde, um der wachsenden Anzahl von schulpflichtigen Flüchtlingskindern Rechnung zu tragen, bestätigt Ralf Mahnert, Leiter des Amtes für Schule, Sport und Kultur beim Landkreis Schaumburg. „In den Sprachlernklassen werden Schüler aus dem gesamten Landkreis aufgenommen“, sagt Mahnert. „Sind die Deutschkenntnisse nach einiger Zeit ausreichend, kehren sie an ihre Stammschulen zurück.“ Darüber hinaus würden an den Oberschulen in Bückeburg, Lindhorst und Rinteln sowie an den Gymnasien in Stadthagen und Bad Nenndorf Förderstunden für Schüler ohne Deutschkenntnisse angeboten.

 Für das Ernestinum hat sich die Frage nach dem Unterricht für Flüchtlingskinder noch nicht gestellt. Bisher seien keine angemeldet worden, so Schulleiter Reinhold Lüthen. „Aber wenn es Flüchtlingskinder gibt, die das Gymnasium besuchen wollen, nehmen wir sie auch.“  pk

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