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Auszubildende: Es werden weniger

Neue Konzepte müssen her Auszubildende: Es werden weniger

Der Fachkräftemangel macht auch vor Schaumburg nicht halt: Laut Bundesagentur für Arbeit werden vor allem in den Bereichen Logistik, Metalbearbeitung, Maschinentechnik, Elektronik und Gesundheit Azubis gesucht. Doch viele Stellen bleiben unbesetzt, was die Berufsschulen vor Herausforderungen stellt.

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Im Handwerk werden Auszubildende gesucht.

Quelle: Symbolfoto

RINTELN. Fachkräftemangel – ein gefühlt seit Jahren aktuelles Schlagwort. Laut Bundesagentur für Arbeit werden vor allem Fachkräfte in folgenden Branchen gesucht: Logistik, technische Berufe wie Metallbearbeitung, Maschinentechnik, Elektronik, Gesundheit. Alles Berufe, die auch oder hauptsächlich an Berufsbildenden Schulen (BBS) gelehrt werden. Doch: Lehrstellen bleiben unbesetzt. Das stellt auch die Schaumburger BBS vor Herausforderungen.

Stärkere Spezialisierungen

Zum einen: Ausbildungsgänge werden stärker spezialisiert und dadurch zerfasert. „Das macht es den BBS schwer, zu reagieren“, sagt Ralf Mahnert, beim Landkreis Leiter des Amtes für Schulen, Sport und Kultur. Er erläuterte jüngst dem Kreisschulausschuss die Herausforderungen der BBS. Genau diese Spezialisierung könnten ländliche BBS wie die in Rinteln und Stadthagen nicht mitmachen, so Kreisrätin Katharina Augath: „Sie müssen alles anbieten, vom Online-Verkauf bis zum Fleischer.“

Die beiden Standorte sind eine gewisse Kooperation eingegangen – jede habe für sich „ihr Terrain abgesteckt“, so Augath, und trotzdem sei es „eine harmonische Zusammenarbeit“. In Rinteln gibt es beispielsweise Fluggerätetechnik, in Stadthagen wiederum Fahrzeugtechnik; Rinteln bietet außerdem schwerpunktmäßig Elektrotechnik, Holztechnik, Körperpflege und Glastechnik an.

Demografische Entwicklung

Weitere Herausforderung: die demografische Entwicklung. Derzeit, so Mahnert, befänden sich die geburtenstarken Jahrgänge im Sekundarbereich II und auch in den BBS. „Aber wir müssen uns auf einen Knick einstellen. Es wird weniger Auszubildende geben.“ Das habe natürlich auch Auswirkung auf das Angebot, das eine BBS machen kann. Um eine Klasse aufrechtzuerhalten, müsse eine Zahl von 14 Schülern erreicht werden. So stand in Stadthagen beispielsweise die Maurer-Ausbildung auf der Kippe – doch mit gezielter Ansprache von Betrieben konnte dieser Bereich erhalten bleiben. In Rinteln seien es die Friseure, die immer wieder um Nachfrage kämpften. Die Ausbildung für Fleischer sei bereits nach Hannover abgewandert.

Ein weiteres Problem hat gewissermaßen auch mit Fachkräftemangel zu tun: Es gibt Schwierigkeiten, geeignete Pädagogen für die BBS zu finden. Mit der Lehrerausbildung des Landes Niedersachsen „kämpfen wir manchmal“, so Schulleiter Herbert Habenicht. Das kann auch IGS-Schulleiter Torsten Rudolf bestätigen.

Unterrichtsversorgung bei 81,5 Prozent

Dabei kann der Rintelner Standort zum neuen Schuljahr fünf Lehrerstellen besetzen. Doch die Rückmeldungen seien teilweise mau: Für das Fach Deutsch liege keine einzige Bewerbung vor, für die Stelle eines Sozialpädagogen habe es lediglich Bewerbungen von Quereinsteigern gegeben. Das hat konkrete Konsequenzen: Am Standort Rinteln liegt die Unterrichtsversorgung bei 81,5 Prozent; der Landesschnitt beträgt laut Habenicht immerhin 88 Prozent.

Am Rintelner Standort bestehe zudem eine gewisse Schwierigkeit darin, dass sich die BBS aufteilt: Burgfeldsweide, Dauestraße, Marienschule sowie Jetenburger Straße in Bückeburg. „Der Lehrereinsatz ist daher nicht so flexibel“, so Mahnert. In Stadthagen sitzen die BBS in einem großen Gebäude als selbst ernanntes „Kompetenzzentrum“ an der Jahnstraße.

Zukunftsfähig bleiben mit Netzwerken

Herausforderungen und Problemen wollen sich der Landkreis als Schulträger und die BBS natürlich stellen – und haben deshalb diverse Konzepte erarbeitet. Zuallererst sei ein Netzwerk wichtig, um zukunftsfähig zu bleiben, so Mahnert: Landkreis und BBS stünden daher in enger Absprache mit Schulen, dem Jobcenter, und Berufsverbänden wie Kreishandwerkerschaft und IHK. Weitere Berufsverbände wie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband kommen dazu. Werden Ausbildungsplätze in einem Berufsfeld knapp, „gibt es ein Gespräch zwischen allen Beteiligten“, um die Ausbildung möglichst zu erhalten, so Mahnert. Unterstützung gibt es auch durch das sogenannte Bildungsbüro des Landkreises.

Ein weiteres Konzept sieht vor, stärker auf diejenigen zuzugehen, die ein Studium beginnen möchten. „Ein Drittel aller jungen Menschen brechen das Studium ab“, so Mahnert. Die wollten die BBS „verstärkt ansprechen und beraten“. Auch Zuwanderer seien wichtig; durch spezifische Programme unterstützen die BBS deren Qualifikation.

Im September wollen die BBS außerdem erstmals einen eigenen Berufsinformationstag abhalten. mld

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