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Bäume gegen Barrierefreiheit

Waldkaterallee in Rinteln Bäume gegen Barrierefreiheit

Die Waldkaterallee in Rinteln, eine Straße mit Charakter: 123 Bäume reihen sich an über einem Kilometer Straße auf. Einige der Kastanien dürften schon seit 100 Jahren dort wachsen.

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„Straßenplanung aus der Vergangenheit“: In der Nordstadt stellt sich die Frage, wie Straßen und Bürgersteige barrierefrei werden können. Die Waldkaterallee ist ein besonderer Problemfall.

Quelle: jan

RINTELN. Doch Alleen sind auch ein Risiko für die Verkehrssicherheit: Muss ein Autofahrer dort plötzlich von der Fahrbahn abweichen, wird er im schlechtesten Fall von einem robusten Baumstamm gestoppt. Alte Bäume machen außerdem Gehwege kaputt, wenn ihre Wurzeln das Pflaster hochdrücken.

Bauamt und Behindertenbeirat der Weserstadt haben sich zusammen Straßen in der Nordstadt angesehen und sich gefragt: Was kann noch für die Barrierefreiheit getan werden?

Im Fokus standen dabei unter anderem der Helene-Brehm-Weg sowie die Kreuzung Kirschenallee und Fontaneweg. Die Probleme: Die Bürgersteige sind oft nicht abgesenkt. Oder: Sie werden auf der anderen Seite einer kreuzenden Straße nicht weitergeführt. Oder weisen extremes Gefälle auf.

„Das geht gar nicht“, sagt Andreas Wendt, Leiter des städtischen Bauamts. Sein Wunsch: „Wir wollen Rinteln barrierefrei kriegen.“ Der Wille ist da, doch: „Es geht nicht alles in einem Jahr.“ Werden neue Straßen gebaut, wird Barrierefreiheit gleich mit berücksichtigt.

Die Nordstadt hat das besondere Problem, dass die Siedlungen dort aus den Siebzigern stammen – und an abgesenkte Bürgersteige hat damals noch niemand gedacht. Viele Bordsteine sind hoch und die Steige viel zu schmal – für Menschen mit Rollatoren genauso wie mit Kinderwagen. „Eine Straßenplanung aus der Vergangenheit“, sagt Wendt.

Besonders im Fokus stand bei der Besichtigung die Waldkaterallee. Der Wunsch des Behindertenbeirates ist es natürlich nicht, alle Bäume an der Waldkaterallee zu fällen. Aber es ist nicht so, dass es dort nichts zu kritisieren gäbe: Zu schmal und zu uneben seien die Bürgersteige oftmals, sagt Manfred Pollmann, Vorsitzender des Behindertenbeirates.

Einige Bäume wurden im Jahr 2013 bereits gefällt; nämlich solche, die zu wenig Lebensraum zwischen Gehweg und Straße hatten oder unter dessen Wurzelwerk Rohre entlanglaufen, sodass die Wurzeln eingeengt werden.

Regelmäßig wird kontrolliert...

Ein paar Bäume fällen – einfach so wird das nicht gemacht, erklärt Wendt: „Sobald man hier Baumaßnahmen durchführt, macht man die Bäume kaputt.“

Bevor Bäume gefällt werden, prüft die Stadt, ob es wirklich so weit kommen muss. Außerdem werden Ersatzpflanzungen vorgenommen. Die neuen Bäume müssen allerdings nicht unbedingt dort hinkommen, wo die alten mal standen.

Die Bäume regelmäßig zu pflegen, ist dauerhafte Aufgabe der Verwaltung. Dazu kontrolliert eine Mitarbeiterin permanent, ob Bäume die Verkehrssicherheit gefährden, erklärt Wendt. Außerdem wird regelmäßig Totholz entfernt. So soll das Risiko minimiert werden, dass Äste auf den Gehweg oder die Straße fallen.

... und das ist wichtig

Diese regelmäßigen Kontrollen sind enorm wichtig für die Stadt – allein, weil von Versicherungen nachgeprüft wird, ob diese auch stattfanden, wenn Autos durch Bäume beschädigt wurden. Die Stadt muss dann nachweisen, dass sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachgekommen ist. Momentan sind keine Maßnahmen an der Waldkaterallee geplant – auch wenn dies durchaus nötig sein könnte. „Eigentlich stehen die Bäume zu eng“, sagt Volker Kierat vom Bauamt. Teilweise hätten sie nicht genügend Lebensraum.

Aus Sicht der Polizei müsste sich jedenfalls nichts ändern: In den vergangenen Jahren seien kaum nennenswerte Unfälle an der Waldkaterallee geschehen, sagt der Rintelner Polizeikommissar Uwe Gels. Auf seinem Schreibtisch landen die Meldungen schwerer Unfälle, also beispielsweise mit Personenschaden.

Und natürlich liegt auch dem Bauamt nichts daran, das Gesicht der Waldkaterallee zu verändern oder ohne triftigen Grund gesunde Bäume fällen zu müssen. Im Gegenteil: „Wir wollen alte Bäume erhalten“, sagt Wendt.

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