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Bald wieder freie Fahrt für „RI“ und „STH“?

Rinteln/Landkreis / Autokennzeichen Bald wieder freie Fahrt für „RI“ und „STH“?

Vielleicht fahren hannoversche Taxifahrer bald nicht mehr nach „Schanghai“. Zum Namen der fernöstlichen Metropole ergänzen die Berufskraftfahrer gern das Autokennzeichen für Schaumburg: „SHG“. 1978 hat das Kürzel die Kennzeichen „RI“ (Rinteln) und „STH“ (Stadthagen) im Zuge der Gebietsreform abgelöst.

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Der Rintelner Theo Milonas ist doppelt stolz auf sein „RI“: Sein Opel Rekord 1700 L von 1969 ist sogar ein Oldtimer mit historischem „RI“-Kennzeichen. © tol

Rinteln/Landkreis (mld, sk). Wer noch eines der alten Kennzeichen am mobilen „Schätzchen“ spazieren fährt, ist also mit einem Stück Nostalgie unterwegs. Das könnte sich ändern: Die Verkehrsminister von Bund und Ländern haben die Möglichkeit der Wiedereinführung alter Kennzeichen aus der Zeit vor der Gebietsreform beschlossen, der Bundesrat muss allerdings noch zustimmen. Befürworter sehen im Gebrauch der alten Nummernschilder Identitätsstiftung und einen Werbeeffekt für betreffende Städte.

Einen Befürworter hätte die neue Regelung schon: „Ein Rintelner Kennzeichen würde die Identifikation mit dem Ort verstärken“, sagt Klaus Wißmann, Fraktionsvorsitzender der SPD. Aktuelles Thema in seiner Partei sei das aber nicht. Eine Einschränkung nennt Wißmann: Die Umstellung dürfe nicht mit weiteren Kosten für den Steuerzahler verbunden sein.

Wie Wißmann erinnert sich auch Ursula Helmhold von der Fraktion der Grünen an die Zeit, als die Wiedereinführung der „RI“- und „STH“-Kennzeichen gefordert wurde – und auch heute zeigt sie sich dem gegenüber nicht abgeneigt: „Warum denn nicht, das war doch ein schönes Kennzeichen!“ Und schließlich sei Rinteln die größte Stadt im Landkreis.

Für „Blödsinn“ hingegen hält Paul-Egon Mense von der FDP diese – noch theoretische – Änderung: „Das wäre sicherlich mit Kosten verbunden und rechnerisch überhaupt nicht sinnvoll.“

Thorsten Kretzer, Fraktionsvorsitzender der Gruppe CDU/FDP, hätte am liebsten ein ganz anderes Kennzeichen an seinem Auto: „EX für Exten!“, sagt der dortige Ortsbürgermeister lachend – sofern die Steuerzahler nicht belastet würden. Die Schaumburger Identität sehe er durch einen theoretischen Wegfall des „SHG“ nicht gefährdet.

„Identität entsteht in einer Kommune nicht über ein Autokennzeichen“, sagt auch WGS-Fraktionsvorsitzender Gert Armin Neuhäuser – zeigt sich aber als Gegner einer Rückkehr zu den alten Kennzeichen: „Dann würden wir im nächsten Schritt ja ‚MÖ‘ für Möllenbeck oder ‚TDM‘ für Todenmann bekommen.“ In Zeiten der Europäischen Union sei eine Rückkehr zu den alten Kennzeichen „zu kleinteilig“ – und zu teuer.

Wäre der Rückgriff auf alte Kennzeichen auf Kreisebene willkommen? „Ich persönlich würde es eher nicht befürworten“, äußerte sich die Leitende Verwaltungsdirektorin des Landkreises, Ursula Müller-Krahtz. Ganz bewusst habe man 1977 das verbindende „SHG“ für Schaumburg gewählt und keine der Städte herausgestellt. Sollte das Land jedoch die Wiedereinführung alter Autokennzeichen ermöglichen, gebe es zwei Varianten, damit umzugehen. Entweder bleibe die Zuständigkeit der Kennzeichenwahl beim Landkreis, oder die Wahl läge für Orte ab 30 .000 Einwohnern (laut niedersächsischer Gemeindeordnung „größere selbstständige Gemeinden“) in deren Händen.

Stadthagen hat diese Einwohnermarke nie erreicht, wohl aber Rinteln. Zwar beträgt dessen Einwohnerzahl derzeit nur noch 28.000. Dennoch gilt laut Krahtz der einmal erworbene Status.

Zu einer eventuellen neuen Chance auf das „RI“-Kennzeichen wollte Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz im Gespräch mit unserer Zeitung nichts sagen. „Ich bin verbrannt“, beschied Buchholz nach erfolglosen Bemühungen in der Kennzeichen-Frage. Immerhin habe man ein Etappenziel erreicht: Vor sechs Jahren hat der Landkreis in Rinteln eine Außenstelle der Fahrzeugzulassung eingerichtet.
Keinerlei Kopfzerbrechen macht die Kennzeichen-Frage Stadthagens Bürgermeister.

Bernd Hellmann: „Ich bin mit SHG zufrieden. Es drückt Schaumburger Identität aus.“
Ablehnend hat der Niedersächsische Landkreistag (NLT) auf den Beschluss der Verkehrsministerkonferenz reagiert. Statt dringende verkehrspolitische Herausforderungen zu lösen, flüchte sich die Verkehrsministerkonferenz „in Sandkastenspiele von gestern“, kritisierte NLT-Geschäftsführer Hubert Meyer.

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