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Baum fällt

Josua-Stegmann-Wall in Rinteln Baum fällt

Wenn in der Weserstadt die Motorsägen kreischen, kochen schnell Emotionen hoch. Diesmal sind es zwölf Eschen- und Ahornbäume direkt an der Mühlenexter, die gefällt werden sollen. Wer am Josua-Stegmann-Wall entlang geht, sieht sofort die roten Markierungen an den Stämmen. Alle zwölf gefährden den Straßenbereich.

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Im Juni dieses Jahres sind am Rathausparkplatz einige Bäume gefällt worden, weil die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben gewesen ist.

Quelle: Archiv

RINTELN. Diese Bäume waren Thema in der jüngsten Ortsratssitzung. Matthias Wehrung (CDU), Gert Armin Neuhäuser (WGS) und Gerhard Helmhold (Grüne) stellten aus Anlass der geplanten Fällaktion den Antrag, der Bauhof solle einen Pflegeplan erstellen. Doch so einen „Pflegeplan“ gibt es längst, der nennt sich nur anders: „Baumkataster“. Rund 10000 Bäume gibt es in der Stadt Rinteln.

In der Debatte im Ortsrat einigte man sich dann auf ein Gespräch mit dem Chef des Bauhofes Hans-Ulrich Hartmann. Dieser ist der Mann, der die Argumente liefern muss, warum ein Baum gefällt wird. Und Hartmann kann sich dabei auf ein wissenschaftliches Urteil stützen, auf die Diagnose der Diplom-Ingenieurin und Baumsachverständigen Antje Wiskow. Diese hat nämlich bereits im Jahr 2012 im Auftrag der Stadt ein digitales Baumkataster für Rinteln erstellt, das Jahr für Jahr fortgeschrieben wird.

In ihrem Kataster gibt es ein Datenblatt für jeden Baum, in dem erfasst wird, in welchen Zustand er sich befindet, ob er Stress hat, vielleicht zu wenig Wasser, sein Lebensraum eingeengt ist, er also ein „Patient“ werden könnte.

Denn grundsätzlich gilt: Die Stadt ist zuständig für die Sicherheit „im öffentlichen Verkehrsraum“, also auf Wegen und Plätzen wo Passanten gehen, Kinder spielen, Autos fahren oder parken. Das bedeutet: Erschlägt ein dicker Ast einen Spaziergänger am Blumenwall, oder kippt ein Baum auf einen parkenden Wagen, hat die Stadt ein Problem. Deshalb stehen Bäume, die an Wegen und Plätzen wachsen, unter Kontrolle. Wiskow hat dafür spezielle Werkzeuge wie einen Bohrer, mit dem sie im Zweifel die Restwandstärke eines Baumes prüfen kann und so „Wackelkandidaten“ entdeckt.

Bäume gefährden Straßenbereich

Die insgesamt zwölf Bäume, die am Josua-Stegmann-Wall gefällt werden sollen, stehen auf einem schmalen Streifen zwischen Wall und Exter, wachsen teilweise aus dem Mauerwerk. Und alle zwölf gefährden den Straßenbereich, den Parkplatz Kinderschutzbund oder die Glasfassade der Stadtbücherei. Ahorn bricht schnell, bei Eichen bleibt Totholz oft noch zehn Jahre im Baum hängen.

Die Baumsachverständige Wiskow listete als Schäden auf: Totholz in den Eschen über dem Parkplatz, abgestorben ist auch eine Erle. Bei anderen Bäumen löst sich die Rinde vom Stamm, weil sie zu eng stehen. Dort ist ein Pilz am Werk, es besteht Bruchgefahr. Gefährlich sind auch die Vergabelungen mehrstämmiger Bäume. Hartmann sagt das so: „Da ist nicht die Frage, ob die Gabelung bricht, sondern nur noch wann?“

Für einen Laien sei es ohnehin schwer, Baumschäden richtig einzuschätzen. Am Blumenwall ist beispielsweise ein Ahorn gefällt worden, der vom Hallimaschpilz befallen war. Das sieht harmlos aus, ist aber „wie Krebs im Endstadium“. Da könne ein Stamm kippen, weil die Wurzeln weg sind.

Hartmann betont, selbstverständlich würden für gefällte Bäume neue nachgepflanzt, mehr als 1000 sind es in den vergangenen Jahren gewesen. Das ergebe nur oft an der gleichen Stelle keinen Sinn, an dem ein Baum gefällt worden ist – beispielsweise, wenn Bäume zu eng stehen oder vom Pilz befallen waren. Nachpflanzen im Bestand, wie der Fachmann sagt, sei ohnehin schwierig. Deshalb sehen Bürger oft nur einen Baumstumpf, aber nicht, dass woanders in der Stadt ein neuer Baum nachwächst.

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