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Bei Brandeinsatz wird’s eng

Falschparken Bei Brandeinsatz wird’s eng

In der Weserstadt fehlt zurzeit eine Politesse. Manche Autofahrer freut es, doch die Anwohner in der Rintelner Altstadt, vor allem an der Bäckerstraße, sehen das als Manko. Denn dort wird, beobachten die Anwohner, inzwischen häufiger als sonst außerhalb der Parkboxen geparkt.

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Die Feuerwehr braucht bei einem Einsatz, wie hier bei einem Brand an der Bäckerstraße im Februar 2012 mehr als nur Platz für das Fahrzeug. Die Feuerwehrmänner müssen auch ihre Ausrüstung ein- und ausladen können. Rechts das Auto ist ordnungsgemäß abgestellt, links steht ein Falschparker.

Quelle: tol

Rinteln. Manfred Tiefensee hat das per Fotos dokumentiert: „Manchmal ist die ganze Straße dicht. Jeder stellt sich hin, wo er gerade lustig ist. Mindestens eine Woche hat über die Feiertage ein Firmenwagen außerhalb der Parkflächen gestanden, was wohl niemand interessierte.“

 Bei der Stadtverwaltung ist das Problem bekannt. Wie Bürgermeister Thomas Priemer auf Anfrage schilderte, arbeite eine der Politessen zurzeit als Schwangerschaftsvertretung im Bürgerbüro und kann daher nicht draußen im Einsatz sein. Dadurch sei die Lücke bei der Überwachung des „ruhenden Verkehrs“ entstanden, wie das im Amtsdeutsch so schön heißt. Deshalb soll jetzt eine neue Mitarbeiterin oder ein neuer Mitarbeiter eingestellt werden, was auch Thema der nächsten Verwaltungsausschusssitzung sein wird.

 „Politesse“ will Jörg Schröder, der Erste Stadtrat, diese Position nicht nennen, sondern „Außendienstmitarbeiter/in des Ordnungsamtes“. Denn Priemer stellt sich vor, dass beide nicht nur die Parkzonen kontrollieren, sondern auch andere Ärgernisse aus der Welt schaffen, die man lösen kann, ohne gleich die Verwaltung einzuschalten und die Mühlen der Bürokratie in Gang zu setzen.

 Beispielsweise sofort das Bauamt informieren, wenn in der Altstadt irgendwo größere Mengen Müll herumliegen; rücksichtslose Radfahrer in der Fußgängerzone persönlich ansprechen; Ladenbesitzer bitten, Außenwerbung wegzuräumen, wenn erkennbar Fußgänger – besonders Senioren mit Rollator – behindert werden.

 Einen allgemeinen Ordnungsdienst in diesem Sinn hat es in Rinteln übrigens im Rahmen eines Bundesprogramms „Bürgerarbeit“ schon einmal gegeben. Dieser arbeitete durchaus erfolgreich – ein Modell, das im Jahr 2011 eingerichtet, inzwischen ausgelaufen ist.

 Die Außenmitarbeiter des Ordnungsamtes, werden außerdem, schilderte Schröder nach wie vor bei Geschwindigkeitskontrollen in der Stadt eingesetzt. Dazu mietet die Stadt Fahrzeug und Mitarbeiter eines privaten Anbieters, die durch einen Mitarbeiter der Stadt verstärkt werden. Wie Ordnungsamtsleiter Ulrich Kipp auf Anfrage informierte, sei zuletzt mit diesem Wagen am 3. Dezember in Rinteln „geblitzt“ worden.

 Dass wieder vermehrt an der Bäckerstraße wild geparkt wird, ist ärgerlich, birgt auch Risiken, an die niemand denkt, der mal eben für eine halbe Stunde seinen Wagen zwischen den Eisenpollern abstellt. Stehen dort Autos nämlich außerhalb der eingezeichneten Parkflächen, komme die Feuerwehr nicht mehr durch, schilderte Ortsbrandmeister Thomas Blaue. Die Drehleiter brauche fünf Meter Breite und zehn Meter Länge als „Stell- und Entwicklungsfläche“, wie das im Feuerwehrfachjargon heißt. Gemeint damit: Die Feuerwehrmänner müssen bei einem Brandeinsatz auch um die Leiter und Löschfahrzeuge herumgehen können, Ausrüstung ein- und ausladen.

 Ist Gefahr im Verzug, sind gar Menschenleben bedroht könnte das für Falschparker bedeuten, dass die Feuerwehr so ein Fahrzeug abschleppen lässt, im äußersten Fall selbst aus dem Weg räumt. Das ginge dann möglicherweise nicht ohne Beulen ab. Selbstverständlich, betonte Blaue ausdrücklich, würden solch drastischen Maßnahmen nur im äußersten Notfall und nur in Abstimmung mit der Polizei erfolgen, die bei Brandeinsätzen ohnehin immer mit vor Ort ist.

 Unsere Recherchen zu diesem Thema hatten übrigens konkret bereits eine erste Auswirkung: Am Dienstag und gestern ist an der Bäckerstraße kontrolliert worden. Und Schröder meldete, gestern morgens um 10 Uhr habe es in der Bäckerstraße gezählt zehn freie Parkplätze gegeben. Und er räumte mit dem Gerücht auf, es gebe an der Bäckerstraße mehr Anwohnerparkausweise als Parkplätze. Richtig sei, in der Bäckerstraße gibt es 20 Parkplätze, 19 Anwohnerparkausweise sind dort auf private Haushalte ausgestellt.

 Dabei hat die Diskussion über Parken in der Innenstadt im Grunde wenig mit der realen Situation, aber viel mit der „gefühlten“ zu tun: Denn genau besehen gibt es genug freie Parkflächen für Kunden, die mal kurz in ein Geschäft wollen – genug für Einwohner, genug für Leute, die in der Innenstadt arbeiten und auf ein Auto angewiesen sind. In beiden Parkhäusern (Klosterstraße und Pferdemarkt) stehen immer Parkboxen leer, auch am Ostertor und an der Ritterstraße findet man meist eine Lücke, Weseranger und Steinanger sind in zumutbarer Nähe.

 Warum trotzdem Autofahrer geduldig an der Wallgasse und auf dem Parkplatz am Rathaus ihre Runden drehen, obwohl die elektronische Anzeige des Parkleitsystems verkündet, dass kein Parkplatz frei ist, und glauben, gleich fährt einer weg, hat wohl viel mit dem Lotto-Prinzip zu tun: dem Sieg der Hoffnung über die Vernunft.

wm

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