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Bei „John Maynard“ fließen sogar Tränen

"Kultur zur Teezeit" in Rinteln Bei „John Maynard“ fließen sogar Tränen

Es soll an dieser Stelle mal als Ganzes zitiert werden: „In Hamburg lebten zwei Ameisen, die wollten nach Australien reisen. Bei Altona, auf der Chaussee, da taten ihnen die Beine weh, und da verzichteten sie weise, dann auf den letzten Teil der Reise.“

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Hinterlassen Eindruck im Prinzenhof: Julia Weber und Peter Reimers.

Quelle: cok

Rinteln. Ob wohl zufällig ein sehr junger Mensch hier liest und das Gedicht von Joachim Ringelnatz wiedererkennt? Die Veranstaltung „Männer, Masten Meere“ im Prinzenhof mit Peter Reimers und der Gitarristin Julia Weber machte nämlich unter anderem auch deshalb so großen Spaß, weil es um Klassiker der gewitzten, rundherum gekonnten Reimkunst ging.

 Wie fast immer bei der vom Rintelner Kulturring organisierten „Kultur zur Teezeit“ war nur die ältere Generation zu Gast – allerdings sehr zahlreich. Nicht, dass dadurch das Vergnügen irgendwie gemindert gewesen wäre, keinesfalls. Es tut einem nur geradezu leid, zu ahnen, dass junge Leute so einen Abend vielleicht gar nicht richtig genießen könnten.

 Peter Reimers, ein wunderbar rezitierender Gentleman, und seine Kollegin Julia Weber, coole und erfahrene Musikerin und Sängerin, brachten Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch, Joachim Ringelnatz und noch den einen oder anderen Kabarettisten zu Gehör, und dazu Balladen von Theodor Fontane.

 Fast alles an Texten, die Reimers nonchalant und oft auswendig aus dem Ärmel schüttelte, und die Seemannslieder, die Weber so unprätentiös anstimmte, dass das Mitsingen ganz leicht fiel, war den meisten Zuhörern nicht unbekannt. Das Lied „Seemann, lass das Träumen“ war dabei, und fast alle konnten Wort für Wort einstimmen; Buschs gemeines Gedicht vom unentbehrlichen Bürger ebenso, dem Eifrigen, ohne den keine Veranstaltung über die Bühne geht und das so endet: „Ohne ihn war nichts zu machen, keine Stunde hatt’ er frei. Gestern, als sie ihn begruben, war er richtig auch dabei“, es erfreute umso mehr, als man daran erinnert wurde, wie treffend dieses Gedicht aus der „Kritik des Herzens“ doch ist.

 Als Reimers auf seine zurückhaltende und damit um so eindrucksvollere Art Fontanes Ballade über „John Maynard“ vortrug, diesen tapferen Steuermann, der ein brennendes Schiff unter Einsatz seines Lebens, am umqualmten Steuerrad verharrend, auf den rettenden Strand zusteuert, da fieberten die Zuhörer mit und wussten doch, dass Maynard aufopfernd stirbt: „Noch da, John Maynard?“/„Ja, Herr. Ich bin.“ / „Auf den Strand! In die Brandung!“ / „Ich halte drauf hin.“ / Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“ / Und noch zehn Minuten bis Buffalo. Der Hälfte des Publikums standen die Tränen in den Augen.

 Zum Schluss sang Weber mit tiefer, gelassener Stimme: „Guten Abend, gute Nacht, mit Rosen bedacht.“ Manche Oma oder ältere Mutter dachte da an Situationen, wo sie ihrem Kind dieses Liedchen selbst vorsangen. Ob Teenager wohl dabei hätten mitsingen können? Schön wär’s. cok 

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