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Beifall eines verwirrten Publikums

Rinteln Beifall eines verwirrten Publikums

Den Roman eines so wortgewandten, stilsicheren Dichters wie Oscar Wilde in ein gelungenes Theaterstück zu verwandeln, ist hohe Kunst. Ob das dem Autor John von Düffel wirklich gelungen ist, lässt sich nach der Aufführung vom „Bildnis des Dorian Gray“ der Burghofbühne Dinslaken am Mittwoch im Brückentorsaal allerdings nicht ohne Weiteres sagen.

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Auf der Bühne des Brückentorsaals wird „Das Bildnis des Dorian Gray“ geboten.

Quelle: tol

Rinteln. Es war, als hätte man die Inszenierung zweier verschiedener Regisseure gesehen: der Erste ganz auf der Seite von Wilde, so wie man ihn kennt, mit Witz und brillanten Aphorismen; der Zweite dagegen mit Neigung zum „Schmierentheater“. Es gab aber nur einen Regisseur, Joachim von Burchard, der sich bis zur Pause für die Hervorhebung der ironischen, fast sarkastischen Seiten des Stückes entschied, um dann die Schauspieler unvermutet und unnachvollziehbar sentimental agieren zu lassen.

Zur Geschichte: Der junge, schöne Gray erblickt das Porträt, das sein Malerfreund von ihm anfertigte, und verliebt sich, darin bestärkt vom zynischen Dandy Sir Henry, wie Narziss in sein Ebenbild. So stark wird sein Wunsch, für immer jung und schön zu bleiben, dass jetzt dieses Gemälde an seiner statt altert. Egal, in welchen Liebesverrat, in welche Ausschweifungen, ja mörderische Untaten sich Gray verstrickt, er bleibt nach Außen hin der unschuldige Jüngling von einst, während das Gemälde sich allmählich zur Fratze wandelt.

Jede Menge ironischer Bonmots aus Sir Henrys Mund lassen dieses Geschehen zunächst reizvoll erscheinen: „Die Tragödie des Alterns besteht nicht darin, dass man alt wird, sondern dass man viel zu jung dafür ist.“ Damit überzeugt er Gray vom großen Gewinn ewiger Schönheit, mit der er allen klügeren, begabteren Menschen überlegen sein muss. Markus Kloster spielt den verführerischen Dandy so eloquent, dass man auch als Zuschauer an seinen Lippen hängt.

Gray (Carlo Sohn) ist Sir Henrys Weltsicht verfallen und kostet ein Lasterleben aus, dem die unschuldige Schauspielerin Sibyl Vane (Lara Christine Schmidt), ihr Bruder Jim Vane (Daniele Nese) und der Maler Basil (Christoph Bahr) zum Opfer fallen. Dass dabei seine Seele ebenso unberührbar bleibt wie sein Aussehen, bezahlt er mit innerer Leere. Gray vernichtet das Bildnis, das die hässliche Wahrheit seines Innenlebens zeigt. Danach findet man es genau so, wie es einst gemalt wurde, doch davor liegt tot ein schrecklich aussehender alter Mann.

Diese Geschichte ist traurig, zugleich aber auch eine geistreiche Parabel über die Vergänglichkeit der Schönheit und die Sinnlosigkeit, dagegen aufzubegehren. Bis zur Pause unterstreicht der Regisseur diesen Parabel-Charakter: Teils kommentieren die Schauspieler das Geschehen an Mikrofon und Kamera, teils begleiten sie ihr Spiel mit Musik und Gesang. Dazu passt so gar nicht das verzweifelte Weinen und Klagegeschrei im zweiten Teil des Stücks. Kein Wunder, dass das Publikum nur etwas verwirrt den doch in mancher Beziehung verdienten Abschluss-Beifall klatschte. ck

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