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Beschwerde von Denkmalschützern zurückgewiesen

Angst um die Altstadt Beschwerde von Denkmalschützern zurückgewiesen

Die Verwaltung weist die Beschwerde des Arbeitskreises Denkmalschutzes, die Stadt Rinteln würde sich in Bezug auf die Altstadt nicht an die Erhaltungssatzung halten, zurück.

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Geschichte: Das Haus in der Krankenhäger Straße 24 aus dem Jahr 1550 ist dem Abrissbagger zum Opfer gefallen.

Quelle: Foto: tol

Rinteln. Die Stadt habe die an der Krankenhäger Straße 24 und 25, der Ritterstraße 2 und der Bäckerstraße 58 vom Arbeitskreis beanstandeten Fälle unter Anwendung der Erhaltungssatzung „gründlich überprüft“. Das Ergebnis: Es habe nicht ein einziger Aspekt gefunden werden können, der für den Erhalt der Häuser gesprochen hätte.

 Der Arbeitskreis Denkmalschutz sieht das naturgemäß anders. Dort glaubt man, dass in zehn bis 20 Jahren von der historischen Altstadt nicht mehr viel übrig sein wird, wenn die Verwaltung wie gehabt Abrissgenehmigungen erteilt.

 Unterdessen fordert Gert Armin Neuhäuser von der Wählergemeinschaft Schaumburg (WGS) für den Bauausschuss einen ständigen Beisitzer aus dem Arbeitskreis. Ferner habe sich die Stadtverwaltung vor jeder Abbruchgenehmigung mit dem Arbeitskreis ins Benehmen zu setzen.

 Bürgermeister Thomas Priemer weist in seiner Antwort auf die Beschwerde der Denkmalschützer darauf hin, dass die Erhaltungssatzung „kein generelles Veränderungsverbot“ beinhalte, sondern „lediglich einen Genehmigungsvorbehalt“ für bauliche Änderungen begründe. Folglich dürfe die Genehmigung für einen Abriss nur dann versagt werden, wenn das entsprechende Gebäude das Ortsbild optisch präge oder sonst von geschichtlicher oder künstlerischer Bedeutung sei.

 Unter Einbeziehung des Landesamtes für Denkmalpflege kam die Verwaltung zu dem Schluss, dass diese Bedingungen bei keinem der vier vom Arbeitskreis genannten Häuser erfüllt gewesen seien. Tatsächlich sei man sogar zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich „in drei Abrissfällen nicht um Baudenkmale“ handele. Und im vierten Fall (Bäckerstraße 58) sei die Denkmaleigenschaft durch „nahezu vollständiger Zerstörung des Gebäudes“ bei einem Feuer erloschen.

 Auf dieser Grundlage hätten die Eigentümer einen rechtlichen Anspruch darauf, die Gebäude abreißen zu dürfen. Die Stadt sei aber bestrebt, „die besondere Atmosphäre der Rintelner Altstadt durch die Erhaltung der historischen Bausubstanz zu bewahren“.

 Matthias Wehrung, der Vorsitzende des Arbeitskreises Denkmalschutz, macht in diesem Punkt einen Widerspruch aus: „Die Stadt sagt, sie will Gebäude erhalten, handelt aber anders.“ Zudem hält er den Ansatz, vom optischen Ist-Zustand auszugehen, für „perfide“. So gesehen gebe es nur wenige Häuser in der Altstadt, die erhaltenswert seien. „Hätte man sich die Altstadt in den achtziger Jahren (als die bis heute gültige Liste unter Denkmalschutz stehender Gebäude erstellt wurde; Anm. d. Red.) unter diesem Aspekt angesehen, gäbe es heute keine historische Altstadt mehr“, so Wehrung.

 Immerhin: Die Liste soll in absehbarer Zeit aktualisiert werden. Schließlich seien sogar einige Adelshöfe bis heute nicht denkmalgeschützt, so etwa das Haus in der Klosterstraße 35. Zumindest befinde sich der Arbeitskreis über eine neu zu erstellende Liste „im Gespräch mit der Stadt“.

 Allerdings sei der Aufwand für so eine Liste heute größer als noch in den Achtzigern, merkt Wehrung an. Insofern müsste für die Erstellung wohl ein externes Büro beauftragt werden, und das kostet Geld.

 Der städtischen Auffassung, dass es sich bei drei der beanstandeten Fälle nicht um Baudenkmale handelt, widerspricht Wehrung deutlich: „Es handelt sich um historische Gebäude, die somit Baudenkmäler sind, auch wenn sie nicht auf der Liste des Denkmalschutzes stehen. Es sind Baudenkmäler ohne Schutz.“

 Der Denkmalschützer hat den Eindruck, bei der Stadt handele man nach der Maxime: kein Denkmalschutz, also Abriss. Diesbezüglich erwarte der Arbeitskreis von der Verwaltung mehr Sensibilität. „Ich habe ehrlich gesagt keine Erinnerung daran, wann eine Abrissgenehmigung mal nicht erteilt wurde“, moniert Wehrung.

 Wenn wie zuletzt jedes Jahr zwei Häuser abgerissen werden, könne man sich ausrechnen, dass in zehn, 20 Jahren von der historischen Altstadt nicht mehr viel übrig sei. „Dabei ist sie unser Kapital, vor allem für den Tourismus“, sagt Wehrung. „Schließlich kommen die Touristen wegen der historischen Altstadt zu uns, nicht wegen der Neubauten.“

 Den Antrag Neuhäusers, zum Bauausschuss künftig einen Beisitzer aus dem Arbeitskreis hinzuzuziehen und dass die Verwaltung sich vor jeder Abrissgenehmigung mit den Denkmalschützern ins Benehmen setzen müsse, begrüßt Wehrung. Aber der Vorsitzende des Arbeitskreises geht noch einen Schritt weiter. „Jeder Abriss muss in öffentlichen Gremien besprochen werden“, fordert er. „Sonst erfährt der Arbeitskreis wie alle anderen auch erst aus der Zeitung davon.“

 Doch das ist Zukunftsmusik. Zunächst werden die Beschwerden der Denkmalschützer im Verwaltungsausschuss und der Vorschlag der WGS-Fraktion im Rat diskutiert.

 Übrigens: Was zwischen den Zeilen aus dem Antwortschreiben Priemers hervorgeht, ist, dass nach dem Gebäude Krankenhäger Straße 24 und dem an der Ritterstraße 2 inzwischen auch für die Häuser an der Krankenhäger Straße 25 sowie an der Bäckerstraße 58 Abrissgenehmigungen erteilt worden sind, schreibt Priemer doch von drei beziehungsweise vier „Abrissfällen“.

 Die Stadtverwaltung hatte sich, wie berichtet, in Bezug auf die Objekte an Krankenhäger Straße 25 und Bäckerstraße 58 zuletzt noch ausgeschwiegen. pk

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