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Bis dass der Bolzenschneider uns scheidet

Rinteln Bis dass der Bolzenschneider uns scheidet

Liebeskummer, Zerstörungswut oder Geldnot? Über die Motive, Liebesschlösser von der Weserbrücke zu schneiden, kann an dieser Stelle nur gerätselt werden. Man darf aber davon ausgehen, dass sie niederer Natur gewesen sind.

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Rinteln. Denn Inge Brandt ist kein Einzelfall gewesen. Die 80-jährige Rintelnerin musste mit Schrecken feststellen, dass jemand ihr Liebesschloss, eine Erinnerung an ihren verstorbenen Mann, von der Weserbrücke geschnitten hat. Nach unserem Bericht vergangene Woche meldeten sich weitere Menschen bei uns und auf Facebook, die das gleiche Schicksal ereilt hat.

Auf abermalige Nachfrage bei der Straßenbaubehörde in Hameln betont die stellvertretende Leiterin: „Wir waren es nicht.“ Und auch sonst sei niemand befugt, hier Liebesschlösser zu entfernen. Bleibt also nur eine Straftat. Oder?

Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Die Polizei in Rinteln kann darauf derzeit keine abschließende Antwort geben. Denn noch ist keine Diebstahlsanzeige bezüglich eines Liebesschlosses eingegangen. Und erst dann würde die Staatsanwaltschaft in Bückeburg prüfen, ob es sich dabei wirklich um Diebstahl oder Sachbeschädigung handle. Polizei-Chef Korte gibt ein Beispiel: „Wenn jemand sein altes Fahrrad am Straßenrand entsorgt, ist es kein Diebstahl, es mitzunehmen.“ Es stelle sich die Frage, ob man das Eigentum aufgegeben habe oder nicht. Bei den Liebesschlössern ließe sich argumentieren, dass diese der Erinnerung dienen, und auch wenn man nicht plane, sie wieder mitzunehmen, sie doch dort hängen bleiben sollten. Aber diese Entscheidung treffe nicht die Polizei, sondern die Staatsanwaltschaft. Die Kollegen würden es aber auf jeden Fall als Sachverhalt aufnehmen.

Im Internet lässt sich dazu ein Urteil finden: Das Amtsgericht Köln verurteilte zwei Männer, die mehrere Streben der Hohenzollernbrücke mit einem Bolzenschneider aufgeschnitten hatte und 53 Liebesschlösser entwendeten. Die 15 Kilogramm Metall wollten sie zu einem Preis von je 3,20 Euro pro Kilogramm an einen Schrotthändler verkaufen.

Stefan Ballhorn von der gleichnamigen Altmetallhandelsgesellschaft in Hessisch Oldendorf hält Liebesschlösser allerdings für ein wenig lohnenswertes Ziel von Diebstählen. „Der Messingpreis liegt derzeit bei drei Euro pro Kilogramm“, sagt er, „aber dann müssen es schon wirklich die Messingschlösser sein. Eisen und Edelstahl sind derzeit quasi wertfrei.“ jak

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