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„Blindflug“ mit Handy

Unfallstatistik der Polizei „Blindflug“ mit Handy

Richtig klassische Unfallschwerpunkte gibt es in Rinteln nicht, sagen Polizeichef Wilfried Korte und Kripo-Leiterin Daniela Kempa. Gefährlich seien die L443 („Auetal-Highway“) sowie die Umgehungsstraße (B238) nach Steinbergen, weil auf beiden Straßen hohe Geschwindigkeiten gefahren werden.

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Der einzige tödliche Unfall des vergangenen Jahres: Auf der Kreisstraße 77 vor Friedrichswald kollidierten zwei Motorradfahrer.

Quelle: Archiv

Rinteln/Auetal. Wenn es da kracht, gibt es meist auch Verletzte, oft Schwerverletzte. Dass es 2016 bei 847 Verkehrsunfällen „nur“ 19 Schwerverletzte gab (2011 waren es 35), rechnet man bei der Polizei auch dem guten Sicherheitsstandard moderner Fahrzeuge an. Niemand hat mehr Zweifel daran, dass die Kombination von Gurt und Airbag lebensrettend ist.

Bei den 847 Unfällen gab es 159 „Personenschäden“, wie das die Polizei in der Statistik nennt. Der einzige Unfalltote war tragischerweise ein Motorradfahrer auf der Kreisstraße 77, deren Anlieger sich in diesem Jahr zu einer Bürgerinitiative zusammengefunden haben, um dort die Raserei zu stoppen. Es ist an einem September-Sonntag zwischen Wennenkamp und Friedrichswald passiert, als ein Motorradfahrer aus einer engen Kurve getragen wurde und in einen entgegenkommenden Motorradfahrer gerutscht ist.

Die Zahl der Unfälle von 2011 bis 2016 hat sich in etwa auf einem Niveau eingependelt – zwischen 757 (2012) und 847 im Vorjahr, ebenso die Zahl der Verletzten zwischen 143 (2013) und 159 (2016).

Zu hohes Tempo häufigste Unfallursache

Unfallursache Nummer eins sei nach wie vor unangepasste Geschwindigkeit, sagt Korte, danach folgen Alkohol und das Handy. „Wer bei Tempo 50 fünf Sekunden lang auf das Handy schaut, legt 70 Meter im Blindflug zurück.“ Dieses Vergehen wird mit 60 Euro Bußgeld und einem Punkt in Flensburg geahndet. Wer beim Tippen mehrfach erwischt wird, dem droht ein Fahrverbot. Bei einem Unfall kann – verschuldet oder unverschuldet – auch grobe Fahrlässigkeit angenommen werden, mit Kürzungen beim Schadenausgleich.

Für Heiner Bartling aus Steinbergen, Präsident der Landesverkehrswacht war das Anlass genug, die Aktion „Tippen tötet“ ins Leben zu rufen. Dabei könnten Whatsapp, SMS, und Surfen am Steuer als Unfallursache Alkohol schon überholt haben. „Beweisen lässt sich das allerdings schwer“, sagt Kempa. Doch inzwischen gehöre es zur Routine bei schweren Unfällen, im Unfallfahrzeug nachzuschauen, ob ein Handy im Fußraum liegt. Das werde sichergestellt, und die Staatsanwaltschaft entscheidet, ob der Handyspeicher ausgelesen werden soll.

Im Vorjahr registrierte die Polizei 190 Unfallfluchten. 79 Fälle wurden aufgeklärt. Bei der überwiegenden Zahl dieser Unfälle, sagen Kempa und Korte, gehe es um Beulen, Kratzer im Lack, demolierte Stoßstangen, beschädigte Türen und abgefahrene Spiegel. Eine Ursache für die hohe Zahl sieht man bei der Polizei auch darin, dass die Parkbuchten in der Stadt und vor den Supermärkten klein geblieben, die Autos aber immer größer geworden sind. Der ADAC hat ausgerechnet: Seit den siebziger Jahren sind Autos durchschnittlich etwa 15 Zentimeter in die Breite gegangen. Zwei Drittel der Neuwagen hätten das Zwei-Meter-Limit überschritten.

Auch Flucht nach Parkplatzunfall ist strafbar

Jeder kennt das: Man hat auf einem Supermarkt-Parkplatz oft nicht genug Platz zum Aussteigen, da ist ein Rempler schnell passiert. Und weil Fahrzeuge heute technisch höherwertig sind, summieren sich kleine Schäden. Ein abgefahrener Seitenspiegel – elektrisch verstellbar, mit Blinker und beheizt – kostet einschließlich Einbau um die 500 Euro und mehr. Kempa betont explizit: „Auch der, der nach einen Parkplatzunfall einfach verschwindet, macht sich einer Straftat schuldig.“ Und weil das immer häufiger vorkomme, habe die Polizei in Hannover schon mit einer Kampagne auf das Problem aufmerksam gemacht und Flyer verteilt.

Ein besonderes Kapitel in Rinteln sind Radfahrer, die im Sommer – bedingt durch den Weserradweg – in der Innenstadt in Scharen auftreten. Der Behindertenrat der Weserstadt hatte das schon mehrmals als mögliches Konfliktfeld in der Fußgängerzone angemahnt. Die Polizei kann das nicht bestätigen: Das Unfallaufkommen zwischen Fußgängern und Radfahrern sei weder auffällig noch ungewöhnlich.

Ein gravierendes Problem sind dagegen Radfahrer, die sich nicht an das Rechtsfahrgebot halten. Denn nicht alle Radwege dürfen in beide Richtungen genutzt werden. Bei der Frage ob Radfahrer innerorts auf Radwegen oder auf der Fahrbahn sicherer sind, ist die Expertenmeinung geteilt. Das Problem bei Radwegen innerorts: Oft werden Radfahrer die aus Ausfahrten kommen übersehen. wm

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