Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Bootsbau unterm Pfarrhausdach

„Weserpiraten“ der Jakobi-Kirche Bootsbau unterm Pfarrhausdach

Wenn es nach Nicolaus Heutger ginge, dann würde hier ein ganzes Boot gebaut. „Das hätte was, wenn die jungen ‚Weserpiraten‘ von der Jakobi-Kirche mal mit einem eigenen Holzschiff die Weser herunterfahren würden“, sagt der Sozialpädagoge und gelernte Bootsbauer. Die jahrzehntelange Tradition aber verlange eine Weserfahrt mit Schlauchbooten. „Na ja, und wir bauen die nötigen Paddel dafür“, meint Heutger. Arbeit genug.

Voriger Artikel
Immer öfter günstig und anonym
Nächster Artikel
Kind am Steuer – Mutter als Beifahrer

Nicolaus Heutger zeigt ein Holzpaddel. Unter seiner Anleitung bauen die Jugendlichen im Pfarrhaus ihre eigenen Exemplare.

Quelle: cok

Rinteln. Die kleine Paddelbauer-Truppe arbeitet an einem eigenartigen Ort: oben auf dem Dachboden des riesigen, verwinkelten Pfarrhauses der evangelisch-reformierten Gemeinde. Dort wurden schon seit ewigen Zeiten die Paddel hergestellt, mit denen die „Weserpiraten“ die zunächst noch aus dem Koreakrieg stammenden Schlauchboote antrieben, die einst der energiegeladene Pastor Herlyn organisierte, um der Rintelner Jugend ein kostengünstiges Sommerabenteuer zu ermöglichen. In einer nahen Abstellkammer lagern unzählige Paddel – alle mit Namen versehen, allesamt selbst gebaut.

 Auch Pastor Heiko Buitkamp hat sein eigenes Paddel angefertigt. Das Blatt ist ziemlich schief und krumm. Das alte Paddel vom ehemaligen Pastor Martin Hausmann sieht noch komischer aus – so schmal, als hätte er es zum Staksen statt zum Paddeln genutzt; ganz zu schweigen von Schlauchbootfahrt-Koch Michael Wethmüllers Paddel, das sich bestimmt gut zum Fischstechen eignen würde. Es ist ja auch noch nicht lange her, dass man einen echten Bootsbauer ehrenamtlich engagieren konnte.

 Bei Heutger entstehen die Paddel nicht mehr aus einem zurechtgesägten Stück Holz, sie werden vielmehr aus mehreren Lagen Sperrholz zusammengefügt. Das macht sie viel leichter, und die Paddelblätter bekommen unter seiner Anleitung die ideale Form zum schnellen Vorwärtskommen.

 Oft schon ging es sehr gedrängt zu in der Dachboden-Werkstatt, und es waren auch Mädchen dabei, die sägten und leimten, abschliffen und lackierten. Diesmal machen bisher nur vier Paddelbauer mit, darunter der 13-jährige Maik Paulus, der schon weit vorangekommen ist und sich alles genau erklären lässt: „Es ist mein eigenes Paddel, das ich im Sommer selbst benutzen will“, sagt er. „Da darf ich keinen Fehler machen.“

 Ihm gegenüber am Werktisch arbeitet der 16-jährige Jakob, gerade zum „Offizier“ der „Weserpiraten“ ernannt, Sohn des Bootsbauers und Bruder des kleinen Simon. Simon hilft sehr fleißig mit, obwohl er selbst noch nicht bei der Schlauchbootfahrt dabei sein darf.

 Alles in allem sollen die Paddel schon eine einheitliche Form bekommen. Sie müssen lang sein, weil man einen relativ hoch gelegenen Platz in den Schlauchbooten einnimmt. Sie werden oberhalb des Paddelblattes verstärkt, damit nichts abbrechen kann. Und eine gewisse Breite müssen die Blätter auch aufweisen, anders als zum Beispiel die ganz schmalen Paddel der Indianer, die sie während einer Jagd nicht aus dem Wasser nahmen, um kein Geräusch zu verursachen.

 Und wo können die jungen Paddelbauer eigene Ideen umsetzen? In der Art, wie sie den Griff gestalten. Der muss zwar gut in der Hand liegen, darf aber individuell geformt werden, wie eine Faust zum Beispiel, oder ein Herz.

 Heutgers Traum, ein Boot aus Holz zu bauen, könnte vielleicht doch irgendwann wahr werden. Gegen ein kleines Begleitboot aus der Dachboden-Werkstatt hätte Pastor Buitkamp, der den Fleißigen einen kurzen Besuch abstattet, nichts einzuwenden.

 Heutger hat im vorigen Sommer so ein Boot gebaut. Er gibt auch Seminare, in denen er unter anderem dafür wirbt, das Bootsbauen als pädagogisches Konzept umzusetzen – als Einstieg in den „großen Aufbruch“, wie er meint. Wer so etwas gern mit einem Paddel beginnen will, könne noch mitmachen. Jeden Donnerstag um 19 Uhr treffen sich die Paddelbauer vorm Pfarrhaus am Kollegienplatz.cok

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Unternehmen quer durch alle Branchen haben sich auch in diesem Jahr wieder an der Aktion der Lions Clubs beteiligt, deren Erlös auch der „Weihnachtshilfe“ der Schaumburger Nachrichten zugute kommt. Hier finden Sie ab dem 1. Dezember die täglich aktuellen Gewinnnummern. mehr

In Ruhe einkaufen, erholsam Urlaub machen, in die Stadtgeschichte eintauchen oder einfach mal in einem der vielen Restaurants und Kneipen die Seele baumeln lassen. Lernen Sie Stadthagen von einer ganz anderen Seite und auf ganz besondere Weise kennen. mehr

Schaumburg