Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Brauchen Verkehrsruhe von 22 bis 7 Uhr“

Rinteln / Burghofklinik „Brauchen Verkehrsruhe von 22 bis 7 Uhr“

Sie ist ein beachtlicher Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor, schon aus denkmalpflegerischer Sicht ein Segen für die Altstadt: Wer sonst als die Burghofklinik würde den großen Gebäudekomplex an der Ecke Krankenhäger Straße/Ritterstraße erhalten?

Voriger Artikel
40 Musiker heben mit Klangwolke fast Kirchendach ab
Nächster Artikel
Das Mittelalter fängt hier jeden ein

Gut gehende Gaststätten wie das „Mosquito’s“ bringen Leben in die Altstadt, für die Burghofklinik aber zu viel. Von dort wird eine Sperrzeit von 22 bis 7 Uhr gewünscht. © dil

Rinteln (dil). Mit Förderung durch die Stadt wurde gerade erst die Außenmauer zur Straße hin saniert. Aber es bleiben hohe Kosten, und die sind immer schwerer zu erwirtschaften. Die lukrativen Privatpatienten haben seit 2006 von 11 bis 12 auf heute sechs Prozent abgenommen, ein Kaufkraftverlust für die Stadt Rinteln von etwa einer Million Euro jährlich. Chefarzt Axel Weibezahl fordert von der Stadt Abhilfe.

Wo liegt die Ursache des Rückgangs? „Bei 95 Prozent ist es der Ärger über die Lärmbelastung, erst an zweiter oder dritter Stelle kommt das Fehlen eines Fahrstuhls“, sagt Weibezahl. Der Lärm komme nicht nur von der gut gehenden und auch von Patienten bis zur Kliniksperrstunde um 22 Uhr gut besuchten Gaststätte „Mosquito’s“ an der Ecke zur Bäckerstraße.

Es ist auch der Verkehrslärm, ausgelöst von nächtlichen Parkplatzsuchern, die mit lauter Musik und offenen Fenstern gern auch noch jungen Damen imponieren wollen. „Nicht die Masse, sondern die Intensität von Wenigen“, beschrieb Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz das Problem näher.

Die Lösung liegt aus Sicht der Klinik in einer Einschränkung des nächtlichen Autoverkehrs – Fahrverbot von 22 bis 7 Uhr. Jetzt ist Tempo 20 vorgeschrieben und stellenweise absolutes Halteverbot von 6 bis 12 Uhr. Ein Hinweis „Krankenhaus“ ist da, wird aber sowohl von Privatautos wie auch Taxis häufig und besonders nachts missachtet. Und am Wochenende ist es besonders schlimm.

„Bei einigen Zimmern wackeln nachts die Betten, denn das Haus steht ja auf Sand. Und den Krach können wir auch nur teilweise durch Lärmschutzfenster mindern, denn die wiegen so viel mehr, dass das laut Architektenaussage gar nicht bis unters Dach als Lösung möglich wäre“, erklärt Weibezahl. Manche Patienten verlangen per Anwalt Schadensersatz für die Lärmbelästigung, auf die der Hausprospekt sie nicht hingewiesen habe.

Mit Interesse hat der Chefarzt vernommen, dass beim Wahlpodium unserer Zeitung Grüne, WGS, SPD und FDP sich für die letzte Stufe des Rintelner Verkehrsberuhigungskonzepts ausgesprochen haben – Verkehr raus aus der Altstadt außer für Anlieger mit Chipkarte. Dass Teile der CDU und einige Altstadtbewohner wieder für Verkehr in beiden Richtungen auf der Krankenhäger Straße und Ritterstraße sind, kann der Chefarzt sich kaum erklären. Aber auch bei diesen geht es meist um konkreten Eigennutz.

Die Burghofklinik behauptet sich als Mittelständler mit starkem regionalen Bezug gegen Großunternehmen im Kliniksektor, bekommt aber erheblich niedrigere Pflegesätze als diese. Hohe Motivation und Flexibilität der Mitarbeiter haben diesen Nachteil laut Weibezahl bisher wettgemacht. Aber: „Die Pflegesätze bei Kassenpatienten sind nicht auskömmlich, wir brauchen deshalb auch viele Privatpatienten.“

Der Markt für psychiatrische und psychosomatische Betreuung wächst zwar, aber der Druck großer Anbieter auch. Beim gestrigen Besuch der SPD-Stadtratsfraktion in der Klinik erklärte Dieter Horn aus seiner Kenntnis als Betriebsratsvorsitzender bei Stüken, dass auch im Arbeiterbereich Burn-out-Syndrome zunehmen, weil diese heute erheblich mehr Verantwortung trügen als früher.

Die Auslastung der Klinik liegt bei 100 Prozent, die Warteliste ist lang. „Oft hören wir vom Suizid von wartenden Patienten, bevor sie zu uns kommen konnten“, beklagte Weibezahl. „Wenn der Lärm weg wäre, hätten wir in zwei Jahren wieder zwei bis drei Prozent mehr Privatpatienten.“ Er bat die Politik um eine Kompromisslösung.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

Die „Schlossklause“, die ehemalige Gaststätte an der Arensburg, fiel vermutlich Brandstiftung zum Opfer... mehr