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Britische Spuren verwischen sich

Rinteln Britische Spuren verwischen sich

Vor 25 Jahren sind große Teile der Rintelner Nordstadt fest in britischer Hand gewesen. Das British Military Hospital (BMH), die Prince Rupert School und Wohnhäuser, dazu zwei Sportanlagen – fast eine Stadt in der Stadt. Die meisten Gebäude sind noch da, die Menschen dagegen bis auf wenige Hiergebliebene weg. Zuletzt schloss vor einem Jahr die Schule. Die britischen Spuren verwischen langsam.

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Verwaist: der ehemalige Sportplatz der Briten.

Quelle: Tobias Landmann

Rinteln. Als das BMH 1997 schloss und das medizinische Personal abzog, wurden die Kaserne und erste Häuser frei, die bald neue Nutzer fanden. Die Kaserne wurde von der Lebenshilfe Rinteln 1998 übernommen, die dort nach und nach eine kleine Stadt für Behinderte eingerichtet hat und betreibt – inzwischen dank stetigen Ausbaus mit Angeboten vom Kind bis zu dem ins Rentenalter gekommenen Bewohner. Fast alle Gebäude sind dort heute in Benutzung.

An den Sportflächen östlich der Kasernengebäude zeigte bisher niemand ernsthaftes Interesse. Pläne für ein Wohnbaugebiet scheiterten, weil so nah an der Umgehungsstraße angesichts sinkender Bevölkerungszahlen kein sich rechnender Bedarf erwartet wurde. Aber darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Ebenso schwierig erscheint es, neue Nutzer für die ehemalige Prince Rupert School am Wilhelm-Busch-Weg mit ihrem Internattrakt zu finden. Die Stadt Rinteln hat erst einmal per Ratsbeschluss grundsätzlich Wohnbaufläche vorgesehen, will aber nicht selbst kaufen. Die heimischen Geldinstitute haben bisher auch kein Interesse an Erschließung und Vermarktung gezeigt. Stadt und Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) stimmen sich aber eng darüber ab, was für einen Käufer dort geht und was voraussichtlich nicht.

Die Steuerakademie Niedersachsen als westlicher Nachbar hat trotz steigender Studentenzahlen für die nächsten Jahre bisher kein Interesse. Leiter Karsten Pilz erklärte kürzlich auf Anfrage dieser Zeitung: „Wir bauen in unserem Schulgebäude demnächst für 1,3 Millionen Euro vorhandene Räume wie die Mensa zu drei neuen Hörsälen um. Für die Unterbringung der Studenten verlassen wir uns weiter auf den privaten Rintelner Wohnungsmarkt.“

Als Flüchtlingsunterkunft ist die Schule ebenfalls nicht im Visier, denn sie gehört ja nicht dem Landkreis Schaumburg. Es müsste also gekauft und umgebaut werden. „Aber das widerspräche ja unserem Konzept der dezentralen Unterbringung“, erklärt dazu Kreissprecher Klaus Heimann.

Der Landkreis hat sich mit der Bima stattdessen auf die Übernahme von insgesamt zehn Reihenhäusern geeinigt. Der Landkreis bekommt sie mietfrei für die Unterbringung von Flüchtlingen, muss die Räume aber später wieder renoviert übergeben. Das Doppelhaus Waldkaterallee 20 bis 21 ist schon belegt, die Gebäude Niedersachsenweg 6 bis 12 und Waldkaterallee 16 bis 18 werden jetzt möbliert und ausgestattet, um dann schon bald für Flüchtlinge bereitzustehen.

„Die ehemals von Briten genutzten Wohnhäuser Wilhelm-Busch-Weg 1 bis 7, Droste-Hülshoff-Straße 1 bis 6 und Wilhelm-Busch-Weg 7 will die Bima jetzt auf dem privaten Immobilienmarkt verkaufen“, teilte Baudezernentin Elena Kuhls kürzlich dem Ausschuss Umwelt, Bau und Stadtentwicklung mit.

Diese Häuser sind grundrenoviert, aber energetisch und vom inneren Zuschnitt her nicht unbedingt für moderne Ansprüche gemacht. Dafür gibt es viele kleine Zimmer und eine ruhige Wohnlage im oder am Grünen zum relativ kleinen Preis. Die Heizungsrechnung fällt dafür dann höher aus.

Ein Beispiel von der Homepage der Bima: „Großzügiges Einfamilienhaus mit Garten und Garage, 189 Quadratmeter Wohnfläche, auf 1138 Quadratmeter Grundstück, Baujahr 1955, Energiebedarf ohne Warmwasser 321,5 kw/h pro Quadratmeter, Küche, Bad, Gästetoilette für 122.000 Euro.“ Dafür bekäme man an der Kendalstraße, benannt nach Rintelns englischer Partnerstadt, sicher kein Haus.

Weder von der Prince Rupert School noch vom BMH sind intensive menschliche Kontakte nach Rinteln geblieben. Nur selten kommt alle paar Jahre mal eine Besuchergruppe auf Spurensuche. Auf dem Kollegienplatz immerhin steht Säule in Gedenken an die Schule. Vergessen sind die Zeiten mit den Briten nicht, gepflegt werden heute stattdessen Kontakte nach Kendal.dil

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