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Bronzespange verzögert Millionenprojekt

Rinteln / Archäologie Bronzespange verzögert Millionenprojekt

Wenn das Wörtchen „Wenn“ nicht wär: Dann hätten der von der Stadt Rinteln ehrenamtlich Beauftragte für Archäologie, Vassili Efstratiadis, und der Arbeitskreis Archäologie am vergangenen Sonntag im Industriegebiet Süd vielleicht noch mehr Fundstücke zutage fördern können.

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 Dieser Bügel einer Bronzespange stammt vermutlich aus der römischen Kaiserzeit.

Quelle: pk

Rinteln. Außerdem hätten die Bauherren von der Firma S&W Rohrsysteme jetzt keine Bauverzögerung in Kauf nehmen müssen. Und die Stadt geriete nicht in Erklärungsnot.

 In der vergangenen Woche hatten die Bauherren an der Dieselstraße mit den Erdarbeiten für eine Betriebserweiterung begonnen. Der ehrenamtlich für Archäologie beauftragte Ronald Reimann von der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Rinteln wurde jedoch erst am Donnerstag über den Baubeginn informiert. Da blieb nicht viel Zeit. Zumal Bagger den Boden bereits aufgerissen hatten. Dennoch fanden die Hobbyarchäologen am Wochenende immerhin den Bügel einer Bronzespange aus der römischen Kaiserzeit sowie die für Rintelner Gebiet nahezu obligatorischen Urnenreste aus der Eisenzeit.

 „Der Abschnitt zwischen dem Knickbrink in Krankenhagen und dem Weserufer ist geradezu übersäht von Urnengräbern“, weiß Stefan Meyer vom Arbeitskreis Archäologie in Rinteln. „Damit muss man hier immer rechnen.“ Dagegen ist der mit dem zweieinhalb Millionen Euro teuren Bauprojekt beauftragte Architekt Ralf Blase auf einem anderen Stand der Dinge: „Meines Wissens ist von allen Beteiligten der Ernst der Lage nicht erkannt worden. Es hat niemand mit Funden in dieser Größenordnung gerechnet.“

 Die Radlader wurden daraufhin wieder abgezogen und durch Bagger mit „schonenden Schaufeln“ ersetzt, sagt der Erste Stadtrat Jörg Schröder. Eine archäologische Grabungsfirma aus dem Raum Hannover hat sich der Untersuchung des Geländes angenommen. Dadurch verlangsamt sich der Bauprozess.

 Wo also hat es gehapert? Die Stadt Rinteln, so Schröder, stehe in der Pflicht, sich bei geplanten Baumaßnahmen mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalschutz in Hannover abzustimmen. Tatsächlich ist die Stadt sogar auf das Landesamt angewiesen, da sie – im Gegensatz zu allen anderen Kommunen im Landkreis – über keinen Kommunalarchäologen verfügt.

 Beim Landesamt wollte man sich nicht zu dem Fall äußern. Die Firma S&W lehnte eine Stellungnahme ebenfalls ab. Auch Schröder äußerte sich nicht dazu, wie es zu der Bauverzögerung kommen konnte.

 Es kann also nur spekuliert werden. Entweder ist das Landesamt von der Stadt nicht rechtzeitig über den Baubeginn in Rinteln informiert worden, das Landesamt hat nicht rechtzeitig reagiert oder die Rintelner ehrenamtlich Beauftragten für Archäologie wurden nicht rechtzeitig von der Stadt in Kenntnis gesetzt.

 Derweil bemüht sich die Stadt um Schadensbegrenzung. In Abstimmung mit dem Landesamt, den Bauherren und einer archäologischen Grabungsfirma wolle man nun „möglichst schnell“, eine einvernehmliche Lösung finden, so Schröder. „Das sollen jetzt keine wochenlang andauernden Grabungen werden, denn natürlich hat die Firma ein Interesse an einer zeitnahen Lösung.“ Umgekehrt dürfte die Stadt ein Interesse daran haben, nicht den Eindruck zu erwecken, im Industriegebiet Süd würden Bauvorhaben durch Archäologen gefährdet.

 Braucht Rinteln einen Kommunalarchäologen, um Bauverzögerungen wie dieser vorzubeugen? Der kostet die Stadt freilich Geld. Fakt ist: Die jetzige Handhabung der Archäologie weist offensichtlich Defizite auf, die Investoren teuer zu stehen kommen können. Das kann nicht im Interesse der Stadt sein. Ein Kommunalarchäologe könnte eine gewisse Planungssicherheit bei Bauvorhaben gewährleisten. pk

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