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Brücke deutlich teurer als Schiffslösung

Rinteln / Denkmalschutz Brücke deutlich teurer als Schiffslösung

Der Arbeitskreis Denkmalschutz lässt nicht locker: Er will eine Schiffslösung statt einer Brücke zur Querung des Alten Hafens im Zuge der im Bau befindlichen Weserpromenade.

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Immerhin schon mal wieder kleine Schiffe im Alten Hafen: Unser Leser Horst Kunze fotografierte diese idyllische Szene.

Quelle: pr.

Rinteln. Da die jüngste ablehnende Entscheidung des Verwaltungsausschusses für die Brücke auf falschen Kostenansätzen beruht habe, fordert der Arbeitskreis eine erneute Behandlung und Abstimmung in der öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung am Donnerstag, 8. August. Dazu legt der Arbeitskreis jetzt eine eigene Kostenschätzung vor, die die Schiffslösung preisgünstiger erscheinen lässt.

 Der Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung hatte in seiner Sitzung am 15. Mai 2013 die Verwaltung beauftragt, eine Alternativplanung zur vorgesehenen Brücke über den Alten Hafen zu erstellen, die einen Weserkahn zur Hafenquerung vorsieht. „Diesem Auftrag ist die Verwaltung nicht nachgekommen. Stattdessen wurden lediglich Gespräche mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Minden (WSA) geführt, das jedoch seit dem Kauf des Alten Hafens durch die Stadt Rinteln für diesen nicht mehr zuständig ist. Dennoch wurde auf Grundlage dieser Gespräche vorschnell eine Vorlage für den Verwaltungsausschuss formuliert. Eine alternative Bauplanung einschließlich der Einholung von Kostenangeboten hat dagegen gar nicht stattgefunden“, kritisiert Arbeitskreisvorsitzender Matthias Wehrung das Vorgehen der Verwaltung.

 Der Arbeitskreis Denkmalschutz hat sich inzwischen selbst mit dem WSA in Verbindung gesetzt, um die veröffentlichten Zahlen nachzuvollziehen. „Dabei bestätigte das WSA die grundsätzliche technische Machbarkeit der Überquerung des Alten Hafens mittels eines Schiffes. Anders als von der Stadtverwaltung dargestellt, kann das Amt jedoch keine Auskunft zur Notwendigkeit einer regelmäßigen Entschlammung geben, da die Wassertiefe dem WSA nicht bekannt ist“, teilt Wehrung mit. „Darüber hinaus ist bislang auch noch gar nicht untersucht worden, ob es sich überhaupt um kontaminierten Schlamm handelt, der auf einer Deponie kostenpflichtig entsorgt werden müsste.“

 Dabei würde dem Schiff ein vorübergehendes Aufliegen auf dem Hafengrund bei Niedrigwasser – wie an der Nordseeküste täglich zu sehen – materiell keinen Schaden zufügen, ist sich Vorstandsmitglied Dr. Friederieke Kästing sicher: „Mit dem Aspekt der Entschlammung werden die Kosten seitens der Verwaltung künstlich hochgerechnet.“

 Die Kosten der Befestigung durch Dalben in Höhe von 60000 Euro wurden auch dem Arbeitskreis vom WSA genannt. „Gleichzeitig verwies das Amt jedoch auf zwei Spezialfirmen in Bremen und Papenburg, um eine erste Kostenschätzung einzuholen. Unsere Nachfragen bei der Firma Wortmann in Bremen und der Firma Bunte in Papenburg ergaben Kosten von etwa 20000 Euro für zwei Anlegerdalben (Baustelleneinrichtung, Ramm- und Materialkosten). Somit also nur ein Drittel der von der Stadtverwaltung angegebenen Kosten“, teilt Wehrung mit.

 Die Kosten für eine Stahl- oder Alubrückenkonstruktion über den Alten Hafen werden seitens der Verwaltung mit etwa 90000 Euro angegeben (SZ vom 9. und 18. Januar 2013). Hierzu hat der Arbeitskreis ebenfalls Erkundigungen eingeholt. Nach Auskunft der Firma Stahlbau Urfer GmbH, die auf diverse Referenzobjekte verweist, lägen die Kosten für entsprechende Fußgängerbrücken je nach Konstruktion zwischen 100000 und 200000 Euro (Bruttopreise), je filigraner desto teurer. „Nicht unerhebliche zusätzliche Kosten zu den reinen Brückenkosten entstehen für die Brückengründung (Widerlager und Fundamente), insbesondere wegen der Bodenbeschaffenheit auf der Gouvernementsinsel“, gibt Wehrungs Stellvertreter, Diplom-Ingenieur Alexander Lattermann, zu bedenken.

 Legt man diese Zahlen zugrunde, ergeben sich laut Wehrung für die Brückenlösung Kosten in Höhe von über 100000 Euro zuzüglich Gründungskosten, für die Schiffslösung hingegen nur etwa 75000 Euro (45000 Euro für das Schiff, 20000 Euro für die Dalben und 10000 Euro für die Stege). „Die Aussage der Verwaltung, es handle sich bei der Brücke um die kostengünstigste Alternative, ist damit nicht zutreffend.“, so Wehrungs Fazit. „Der Arbeitskreis Denkmalschutz kann sich folglich des Eindrucks nicht erwehren, dass die von der Verwaltung hochgerechneten Kosten nicht mit der gebührenden Sorgfalt ermittelt wurden, um die Brückenlösung möglichst schnell durchzusetzen.“dil

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