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Campen am See – im Moment wie das Paradies

Rinteln / Tourismus Campen am See – im Moment wie das Paradies

Für zwei Lausbuben wie Paul und Philipp ist die Campingplatz-Welt rund um den Doktorsee im Moment das Paradies. Sie haben Osterferien, sind vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf dem weitläufigen Gelände unterwegs und ihre Familien sehen sie nur noch, wenn es was zu Essen gibt.

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Müssen zwar für die Schule büffeln – aber das zumindest mit den Füßen im Gras: Chantal und Freundin Eileen kommen mit ihren Eltern gern zum Doktorsee. Auch internationale Bekanntschaften sind hier nicht ausgeschlossen. © cok

Rinteln (cok). Ältere Gäste dagegen wollen es in erster Linie gemütlich haben in der Freundesrunde. Und Erhard Dornig leiht schon längst wieder die Tretboote aus. „Baden kann man ja noch nicht, aber viele wollen unbedingt wenigstens auf dem Wasser sein.“

Der Campingplatz ist so gut ausgebucht, wie schon länger nicht mehr um die Osterzeit. Das Wetter ist so schön, man kann abends noch lange draußen sitzen und Eltern müssen sich keine großen Gedanken darum machen, ob ihre Kinder wohl genug Spaß und Unterhaltung finden.

Überall auf den Wegen zwischen den Wohnwagen kommen einem junge Radfahrer entgegen. Vom See und Ufer her tönen fröhliche Stimmen herüber und Großmütter sitzen mit den Enkeln auf den Spielplätzen. Paul (9) und Philipp (8), dicke Freunde, die immer wieder in den Doktorseeferien aufeinander treffen. Sie haben Frösche entdeckt, die sie mit ihrem Kescher einfangen, begutachten und dann sorgsam wieder freilassen.

Philipps Familie kommt aus Bielefeld schon seit vielen Jahren an ihren angestammten Wohnwagenplatz in der Nähe der Großeltern, die hier ebenfalls ihren Urlaubssitz haben. Mutter Claudia Fricke bereitet gerade das abendliche Grillen vor.

Tochter Chantal hat ihre Freundin mitgebracht, um mit ihr zusammen in entspannter Atmosphäre für das Abitur zu lernen. „Ja, wir haben damals was Schönes gesucht und für ’ne schmale Mark gefunden“, so die Mutter. „Hier lässt es sich leben!“

Die Eltern vom blonden Paul aus Lemgo haben es besonders gut getroffen. Sie erbten einen der hochbegehrten Wasserplätze mit direktem Zugang zum See, wo ein Schlauchboot liegt, und die grünen Frösche im Schilf herumspringen. So sanft und friedlich breitet sich der Doktorsee vor ihnen aus. „Na ja - friedlich“, meint Vater Andreas Helmis. „Die Frösche veranstalten abends schon ganz schön laute Konzerte!“ Er lächelt und blickt sich in dem kleinen Familienreich um. „Doch, doch, wir haben wirklich Glück gehabt. Deshalb sind wir ja auch an so vielen Wochenenden und in den Ferien hier.“

Das Osterfeuer am Sonnabend (23. April) machen sie allerdings nicht mit. Wie es in vielen anderen Familien auch der Fall ist, wollen Großeltern und Verwandte am Ostertag zum Frühstück besucht werden. Dafür aber wird die große Gruppe der englischen Soldatenfamilien, sonst in Paderborn stationiert, dabei sein, wenn das Feuer vorne am See entzündet und dann auch fleißig gegrillt wird. Die Engländer haben neben ihren Wohnwagen große Zelte aufgebaut und fast so etwas wie eine Trutzburg errichtet. Kontakte zu den anderen aber sind schnell geknüpft, man will sich ja nicht die Gelegenheit entgehen lassen, mal wieder auf Englisch zu plaudern.

Auch Karl und Elisabeth Schmidtke schauen immer wieder neugierig zu ihnen hinüber. Das Rentnerpaar ist zum allerersten Mal am Doktorsee. Gute Freunde, mit denen sie sich regelmäßig treffen, hatten diesmal Rinteln als Osteraufenthaltsort ausgewählt. „Ich bin schon sehr neugierig auf die Stadt, wir haben bisher nur gute Sachen gehört und werden uns alles ansehen, Essen gehen und unseren Spaß haben“, so Karl Schmidtke. Seine Frau nutzt den warmen Tag, um gleich mal die frisch gewaschene Wäsche aufzuhängen. „Später komme ich bestimmt nicht mehr dazu, wir haben uns so viel vorgenommen.“

Ja, viele der Doktorseegäste sind richtig aktiv, das weiß Bootsverleiher Erhard Dornig, der nicht nur die bunten Tretboote herausgibt, sondern außerdem jede Menge Fahrräder verleiht – darunter seit Neuestem auch die E-Bikes, deren kleiner aber kräftiger Motor selbst steile Anstiege locker bewältigen lässt. „Man könnte damit gut über den Pass nach Bückeburg radeln“, sagt er. „Die meisten nehmen aber den Weser-Radwanderweg Richtung Hameln. Von der Rattenfängerstadt haben sie alle schon gehört, auch Besucher aus entfernten Bundesländern. Da wollen sie unbedingt hin.“

Die Großmutter des kleinen Oskars, sie will nirgendwo hin, nur ein bisschen gemütlich mit ihrem Enkel zusammen sein, der mit den Eltern aus Lemgo anreiste und sich nun gerade im Laden der Gastwirtschaft „Doktorweide“ ein Eis aussuchen durfte, mit dem er sofort wieder zum Spielplatz strebt. Die Ostereier werden erst am Montag versteckt. Doktorweide-Wirt Stefan Latta putzt gerade die Gartentische für die Abendgäste. „Ich arbeite gern hier, die Gäste sind gut drauf und haben es selten eilig – Ferienzeit. Die Stimmung hier ist ganz anders als in den Wirtschaften der Stadt.“

Trotz des fröhlichen Treibens strahlt das gesamte Campingplatzgelände Gelassenheit aus. Jeder findet seinen Platz zum Spielen, Plaudern, Lesen, das große Sommergedrängel lässt noch auf sich warten. Eine Vorahnung davon wird es wohl heute Abend beim Osterfeuer geben. Dann treffen nicht nur Deutsche, Engländer und vor allem die vielen Holländer aufeinander, es kommen auch Menschen aus Rinteln und Umgebung, um am Wasser die Osternacht zu feiern.

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