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Cybermobbing: „Opfer“ wird zum Schimpfwort

Rinteln / Internet Cybermobbing: „Opfer“ wird zum Schimpfwort

"Captain Net Sorglos“ bringt die 360 Schüler im Brückentorsaal zum Jubeln: Internet ist sicher – keine Gefahren in sozialen Netzwerken.

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Silvio und Billa sind genervt von „Captain Net sorglos“ (Mitte).

Quelle: dil

Rinteln. Rinteln (dil). So hätten es die meisten gern, Warnungen von Eltern und Lehrern nerven doch nur. Doch warnen kann man gar nicht genug – und in Form eines kleinen Theaterstücks mit anschließender Fragerunde und Diskussion ist dies gestern offenbar gelungen. Eineinhalb Stunden machten die Jugendlichen munter mit – und die Akteure hoffen, dass einiges hängen bleibt sowie zum Nachdenken und Vorbeugen beiträgt.

 Präventionsrat, Stadtjugendpflege und Familienbüro hatten den Kölner Verein „Zartbitter“ eingeladen, das seit Sommer 2011 aufgeführte Stück „Click it“ gegen Cybermobbing in Rinteln aufzuführen. Die Schauspieler Eva Korte, Jonas Schweitzer-Faust und Carsten Keller brachten die Thematik so gut rüber, dass den Jugendlichen nicht langweilig wurde. Da gab es schon eher spontane Zwischenrufe. Die 8. Klassen von Hauptschule, Realschule und Gymnasium waren ausgewählt worden, weil man offiziell erst ab 14 Jahre bei Facebook mitmischen darf. Aber da hält sich kaum jemand dran.

 Das Theaterstück: Der Schüler Silvio ist von Mitschülern beim Pinkeln gefilmt worden, diese stellten die Bilder ins Internet ein. Nun zieht Silvio wegen seines kleinen Penis den Spott der Schüler auf sich. Aber „Opfer“ ernten kein Mitleid, nein, Opfer ist in diesen Kreisen ein Schimpfwort, schraubt das Mobbing noch eine Stufe höher. Die Mitschülerin Billa, erst misstrauisch beäugt, wird zu seiner Freundin. Silvio weiß sich zu wehren, droht dem mobbenden Schüler, alles dessen Mutter zu sagen. Und dieser nimmt daraufhin die Bilder wieder aus dem Netz. Der Mobber und seine Clique bekommen zur Strafe Torten ins Gesicht geknallt. Glück gehabt. Und am Ende gibt es sogar den von den Schülern schon lange geforderten schüchternen Kuss – verdeckt hinter einer Topfblume.

 „War das ein richtiger Kuss mit Zunge und so hinter der Blume?“, will ein Jugendlicher zu Beginn der folgenden Fragerunde wissen. Die Antwort ist pädagogisch wertvoll: „Wenn das nicht jeder weiß, schadet das auch niemandem.“ Überhaupt geht es ja darum, welche persönlichen Daten und Bilder gebe ich im Internet preis, und wie schütze ich sie gegen Missbrauch?

 „Der Oliver Pocher ist aber lustiger“, spottet nun ein Schüler, der keinen Bock auf ernste Gespräche über Facebook zu haben scheint. „Na, der Pocher bekommt ja auch mehr Geld dafür“, kontert der Silvio-Darsteller.

 Wer ist schon bei einem sozialen Netzwerk? Fast alle Arme fliegen noch. Aber was muss man beachten? Nicht den ganzen Tagesablauf reinstellen, aufpassen, was man sich da für Freunde sucht und Vorsicht vor Hackern. Immerhin, einiges ist bekannt. Und keine echten Telefonnummern, Adressen und Lebensdaten hineinstellen. Wenn man das aber selbst nicht tut, kann man ja auch anderen nichts glauben.

 Genau da warnte auch Rintelns Polizeichef Wilfried Korte: „Im Internet sind viele Kriminelle unterwegs, und leicht kann man an Pädophile geraten, die vor allem auf kleine Mädchen stehen.“

 So etwas hatten die Jugendlichen schon gehört. Überhaupt fanden viele, dass das Theaterstück einen zu harmlosen Fall geschildert habe. Und ob denn Internet-Kriminalität überhaupt aufgeklärt werde? Die „Zartbitter“-Mitglieder sagten ja, da seien dank Hinweisen von Opfern schon Täter bestraft worden. Und Psychologen hätten die Opfer im Prozess unterstützt. Korte bat ebenfalls um Hinweise an die Polizei.

 Und was bleibt sonst als Empfehlung: Bei Problemen mit Cybermobbing Freunde aus dem echten Leben einschalten – Gemeinsam traut man sich eher, sich zu wehren. Silvio: „Vergesst nicht, dass ihr als Opfer keine Schuld habt. Habt Mut und holt euch Hilfe.“

 Jonas Schweitzer-Faust zum Prinzip der Aktion: „Wir erzählen eine Geschichte, wie sie die Jugendlichen kennen. Dann können sie darüber reden, anstatt sich selbst zu offenbaren. Und davon bleibt hoffentlich etwas hängen.“

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