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Das Mittelalter fängt hier jeden ein

Rinteln / Burgfest Das Mittelalter fängt hier jeden ein

Wenn es nicht die kleinen Hinweisschilder sind, die den Besucher schlichtweg auf das „Mittelalter“ hinweisen, dann sind es die wild geparkten Autos auf den Straßen rund um die Schaumburg, die sagen: Es ist das erste Wochenende im September und damit Zeit für das Burgfest an der Schaumburg.

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Zum zwölften Burgfest an der Schaumburg finden vor allem viele Familien ihren Weg. © mld

Schaumburg (mld). Und das ist an diesem Wochenende so gut besucht, dass sich der veranstaltende Verein „Ragnarök“ aus Minden schon am frühen Sonntagnachmittag recht zufrieden gibt. 500 Erwachsene, 250 Kinder und 120 Familien haben den Weg hoch zur Schaumburg gefunden, bilanziert da Martina Rutkowski von „Ragnarök“ anhand der verkauften Eintrittskarten. Und die Besucherzahlen am Sonnabend seien „schon sehr ordentlich“ gewesen – auch wenn der stärkste Tag eigentlich der Sonntag sei.

Dieser präsentierte sich, zur Erleichterung vieler „Gewandeter“ in Lederwams, Kettenhemd oder dickem Wollkleid, nicht mehr so heiß wie der Sonnabend.

Das begrüßte gestern zum Beispiel auch Hans-Günther Rasche, der zum ersten Mal seinen Stand beim Burgfest aufgebaut hat. Er fertigt Kettenhemden – aber auch modernere Dinge, wie zum Beispiel Damenhandtaschen, alles aus Ketten. Würde er hauptberuflich Produkte aus Ketten herstellen, sagt Rasche, der aus Minden stammt, würde sich das nicht lohnen: Zu aufwendig ist die Arbeit, zu lang braucht er für ein Produkt, sein Stundenlohn liegt bei 1,50 Euro.

Doch den Teilnehmern von Mittelalter-Märkten und -Festen wie diesem merkt man an, dass es nicht unbedingt um die Wirtschaftlichkeit, sondern um die Liebe zu der Zeit geht: Es wird gefilzt, geschnitzt, gesägt und geschmiedet, die Handwerkskunst steht im Vordergrund.

So bietet auch ein recht kleines Burgfest wie das an der Schaumburg eine erstaunliche Vielfalt an Produkten: Schmuck, Kristalle, Eisen für die Waffe oder den Garten, Buchdruck, Steindruck, „Feuerkräuter“, Gugeln, also eine Stoffbedeckung für Kopf und Schultern, für heiße Sommer- und kühle Herbsttage, Gummiäxte für Kinder, Doppeläxte für die Erwachsenen.

Gab es in der Vergangenheit zum Beispiel Schaukämpfe zwischen Rittern, wird in diesem Jahr die Sage der Blutlinde nacherzählt. Sie soll gewachsen sein, nachdem eine junge Frau ein Lindenreis vor der Schaumburg gepflanzt hat, kurz bevor sie im Rahmen der Hexenprozesse um 1400 zu Tode verurteilt wurde.

Natürlich gibt es auch Ausbrüche aus dem Mittelalter: Wenn es für figurbewusste Waffenknechte statt der geschmorten Schweinehaxe Eisbergsalat zum Mittagessen gibt oder aufwendig kostümierte Burgfräuleins auf dem Weg hoch zur Schaumburg fragen: „Warum gibt es hier denn keinen Aufzug?“

Doch das Burgfest, erzählt Mitorganisatorin Stefanie Kardinal, hat in den zwölf Jahren, in denen es jetzt stattfindet, zunehmend an Beliebtheit gewonnen. „Seit Jahren gewinnen wir immer mehr Stammgäste.“ Viele kämen, „weil wir unsere Preise noch moderat halten“. Das Burgfest sei „gemütlich“, es herrsche eine „entspannte Grundstimmung“: „Hier kann man mal seine Kinder einfach so laufen lassen.“

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