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„Das kriegen wir nur gemeinsam hin“

Rinteln „Das kriegen wir nur gemeinsam hin“

Die Aula der Steuerakademie in Rinteln platzte aus allen Nähten. Wütendes Raunen ging durch den Saal, als der Vertreter des niedersächsischen Innenministeriums von zunächst 600 Flüchtlingen sprach, die in den kommenden Wochen in der ehemaligen Prince Rupert School einziehen sollen.

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Rinteln. „Zunächst“, das verheißt eine Steigerung, verlangten auch gleich im Anschluss die ersten Bürger bei der Fragestunde nach einer Erklärung.

Ja, betonte Alexander Götz, Garantien seien zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Die Entscheidung, wie viele Menschen man in der ehemaligen Schule unterbringen könne, die treffe das DRK. „Sie sind quasi der Torwächter.“ Ab nächster Woche sollen zunächst die Flüchtlinge der Jägerkaserne in Bückeburg nach Rinteln kommen. Die dortigen Quartiere seien nicht winterfest.

Über die folgenden Tage und Wochen soll dann die – wohl vorläufige – Höchstzahl von 600 Menschen erreicht werden. Landrat Jörg Farr betonte, dass man angesichts der Notunterkunft in Rinteln seitens des Landkreises nicht vorhabe, weitere Gemeinschaftsunterkünfte in der Stadt zu gründen oder die Zahl der Betten in der Pestalozzischule zu erhöhen. „Wir verstehen die Situation“, betont Farr. Vonseiten der direkten Anwohner – viele Besucher der Veranstaltung kamen aber auch aus der ganzen Stadt oder den Ortsteilen – wurde insbesondere die Forderung, angesichts der neuen Situation nun unbedingt die Lichter in der Nordstadt wieder einzuschalten, nachdrücklich beklatscht. „Ich kann ihnen versichern, dass der Stadtrat sich noch dieses Jahr damit befasst“, versprach Bürgermeister Thomas Priemer.

Bernd Koller, Vorsitzender des DRK-Kreisverbandes, betonte, dass allein ehrenamtliche Kräfte die Situation in der Schule nicht stemmen könnten. Daher plane man, 25 bis 30 hauptamtliche Mitarbeiter einzustellen.

Aus der Bevölkerung kam auch der Wunsch, die Polizei möge angesichts der Situation ihre Kräfte aufstocken. Eine nur mit vier Ordnungshütern besetzte Wache sei nachts zu wenig, wurde moniert. Dagegen hielt Polizei-Chef Wilfried Korte, dass man zwar am Belastungslimit arbeite, aber auf alle Eventualitäten vorbereitet sei. In der Anlage selbst, sei zunächst ohnehin ein Rintelner Sicherheitsunternehmen zuständig, das rund um die Uhr mit 16 Personen im Einsatz sei. Und sollte tatsächlich ein größerer Polizeieinsatz notwendig werden, schicke die Einsatzleitstelle aus Hameln unverzüglich weitere Streifenwagen.

Um die Flüchtlinge sollen sich sechs bis sieben Sozialarbeiter kümmern, erklärte Koller, der darauf verwies, dass man bereits mehr als 100 Bewerbungen bekommen habe.

Gegen Ende der Veranstaltung appellierte Superintendent Andreas Kühne-Glaser an die Hilfsbereitschaft der Anwohner. „Das kriegen wir nur gemeinsam hin.“ Es werde sich viel verändern in Deutschland, und auch in der Rintelner Nordstadt. „Sie werden mehr Menschen sehen, die ihnen fremd sind.“ Aber dann stelle sich die Frage: „Gehen sie auf die andere Straßenseite, weichen sie aus, oder versuchen sie es mit einem Lächeln?“

Eine Anwohnerin betonte ihre anfänglichen und bis heute bestehenden Ängste. Aber auch sie forderte auf, sich den Menschen zu stellen, den Kindern, den Männern und den Frauen, ins Gesicht zu sehen. „Dann sind sie plötzlich nicht mehr anonym.“ Und damit gehe auch die Angst zurück. jak

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