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David gegen Goliath

Bilanz des Rintelner Kinocenters David gegen Goliath

Es wirkt ein bisschen wie David gegen Goliath, wenn Jörg Ruhs, Inhaber des Kino-Centers Rinteln, sagt: „Wir boykottieren Walt Disneys Film ,The Avengers 2‘.“ Ruhs ist nicht allein. Mit ihm ziehen bundesweit mehrere Hundert kleine Kinos an einem Strang. Der Grund: Der Filmverleih Walt Disney hat kurzfristig und ohne Vorwarnung seine Preise für den Verleih erhöht.

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Michael Ruhs vom Kino-Center Rinteln macht deutlich: „Nicht mit uns“ – die neuen Filmmieten sind zu hoch.

Quelle: tol

Rinteln. Für viele Kinos in den Kleinstädten und auf dem Land bedeutet das höhere Kosten, also Abgaben an Walt Disney. Die Interessengemeinschaft (IG) Nord – ein Zusammenschluss von 160 Kinos in Norddeutschland, dem auch das Familienunternehmen Ruhs angehört – wehrt sich gegen diese Maßnahme, indem sie den Film, der morgen in Deutschland anläuft, nicht in ihr Programm aufnimmt.

 Konkret werden die Abgaben mit den neuen Verleihkonditionen von Walt Disney von bislang 47,7 Prozent auf nunmehr 53 Prozent vom Preis der Kinoeintrittskarte erhöht. „Wenn Walt Disney damit durchkommt, dann ziehen die anderen Verleiher nach“, befürchtet Ruhs. So ähnlich ist es auch als Kundeninfo auf der Internetseite des Kino-Centers zu lesen.

 Dass dem Kino damit dennoch ein gutes Geschäft entgeht, ist dem Kinobetreiber klar. „Der erste Teil von ,The Avengers‘ lief gut. In den ersten vier Tagen hatten wir über 1000 Besucher“, erinnert er sich. Aber jetzt sei es wichtig, ein Zeichen gegen den großen Filmverleiher zu setzen.

 Ein Filmmietensatz von maximal 50 Prozent hält Ruhs noch für vertretbar. „Entweder Walt Disney lässt sich darauf ein, oder wir zeigen keine Disney-Filme mehr“, kündigt er an. Dieses Jahr würde sich diese Maßnahme noch nicht „so krass“ auf das Filmangebot auswirken, „weil sehr viele Filme von anderen Verleihern zu normalen Konditionen erscheinen“. Umgekehrt, wenn sich Ruhs auf die Bedingungen von Walt Disney einlassen würde, dann zöge das eine Erhöhung der Kinopreise nach sich. Aber eben das wolle man nicht, als Kino, das sich als „Familienkino“ begreife, so Ruhs.

 Das Argument des Verleihers, gestiegene Kosten kompensieren zu müssen, hält der Inhaber des Kino-Centers für an den Haaren herbeigezogen. „Die steigenden Kosten haben wir“, sagt er. Für die Verleiher seien digitale Filmkopien doch viel günstiger als früher, als diese noch analog waren. Aber die Kosten der damit einhergehenden Digitalisierung der Projektionstechnik hätten die Kinos zu tragen.

 Sprecher der IG Nord ist Karl-Heinz Meier, Kinobetreiber in Quernheim, der wie Ruhs befürchtet, dass die anderen Verleiher nachziehen. „Dann wären ganze Existenzen von Kinobetreibern bedroht“, sagt Meier. Doch selbst wenn Walt Disney an den neuen Verleihkonditionen festhielte, wolle die IG Nord nicht klein beigeben und auch in Kürze erscheinende Walt-Disney-Filme, wie „Star Wars – Episode VII“, nicht zeigen. Noch hege er jedoch die Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.

 Immerhin beteiligten sich auch in Süddeutschland zahlreiche Kinos an der Protestaktion. Bundesweit spricht Meier von mehreren Hundert Kinos, die „The Avengers 2“ nicht zeigen wollen. Parallel dazu fänden bereits Gespräche auf unterschiedlichen Ebenen statt. Ein Kompromiss, mit dem die IG Nord leben könne, wäre ein Filmmietensatz in Höhe von 50 Prozent, betont Meier. Aber alles, was darüber liegt, komme für die IG Nord aber nicht in Frage.

 Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF), dem auch das Kino-Center Rinteln angehört, sagt: Disney habe gegen ein lange bestehendes ungeschriebenes Gesetz verstoßen. Bislang habe es in Bezug auf die Ortsgröße von den Verleihern stets einen flexiblen Rahmen bei der Filmmiete gegeben. „Und dieser Rahmen wird nun nach oben hin ausgereizt, ohne dass die Kinos informiert worden oder darauf vorbereitet worden sind.“ Die Kinos in den größeren Städten müssen bereits die 53-prozentige Filmmiete zahlen.

 Das „Kino Schaumburg“ mit Kinosälen in Bückeburg, Stadthagen und Steinbergen beteiligt sich indes nicht an dem Boykott. „Wir haben uns mit dem Verleiher geeinigt“, sagt Inhaber Fritz Rubba, allerdings ohne nähere Details nennen zu wollen.

 „Wir spielen den Film, weil wir ein gutes Geschäft erwarten“, teilt sein Bruder und Mitbetreiber Frank Rubba auf Anfrage mit. Schließlich hätten sie bereits „Hunderte Karten verkauft“, das Double Feature am Sonnabend, in dem sowohl der erste als auch der zweite Teil von „The Avengers“ gezeigt wird, sei sogar schon ausverkauft. Die mit den neuen Verleihkonditionen einhergehenden höheren Kosten nähmen die Rubbas schlichtweg in Kauf, anstatt sie an der Kinokasse auf ihre Besucher abzuwälzen.

 Gleichwohl räumt Frank Rubba ein, dass „die Art“ der Vermittlung der Neuregelung von Walt Disney „nicht ganz okay“ war, zu kurzfristig, erst kurz nach Ostern, habe man die Kinobetreiber informiert. „Aber jetzt könnten wir die Leute, die schon Karten gekauft haben, ja auch nicht einfach vor der Tür stehen lassen“, sagt Frank Rubba.  pk

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