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Defizit beim Thema Sicherheit

Verdi-Senioren in Rinteln Defizit beim Thema Sicherheit

Kaum eine Aussage wird jüngst so im kollektiven Gedächtnis hängenbleiben sein wie Angela Merkels „Wir schaffen das“  zur Flüchtlingswelle. Das sei zwar ein „schöner Spruch“ gewesen, der aber nicht einfach umzusetzen sei, so Heiner Bartling nun bei einem Treffen der Verdi-Senioren in Rinteln.

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Heiner Bartling

Quelle: mld

Rinteln. Dass sich die Union für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen ausspricht, befürworte er. Bartling ist seit 1972 Mitglied der SPD. Für seine Partei fand er beim Gewerkschaftertreffen deutliche Worte: Er finde es „schade“, dass die Sozialdemokraten derart auf den Familiennachzug pochten.

„Es gibt nun mal Menschen, die sich in ihrer Heimat nicht mehr wohl fühlen.“

Dass sogar in traditionell „roten“ Gebieten wie dem Ruhrgebiet viele Menschen AfD gewählt hätten, wundere ihn nicht: „Es gibt nun mal Menschen, die sich in ihrer Heimat nicht mehr wohl fühlen.“ Auch wenn er persönlich dies nicht nachvollziehen könne. Doch die CSU habe genau das begriffen, sagte Bartling mit Blick auf das zum „Heimatministerium“ umgebaute Innenministerium von CSU-Politiker Horst Seehofer.

Er unterstütze derweil die Aussagen von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, nach denen die SPD „Kompetenzdefizite“ beim Thema Sicherheit habe. Die Menschen wollten sich nun einmal sicher fühlen. Das berühre jeden Menschen und werde in jeder Gesprächsrunde diskutiert – bei den Sozialdemokraten jedoch nicht. Das „wundere“ ihn. „Ich habe die Angst, dass die SPD das nicht richtig würdigt.“

„Sprint Dual“-Klassen

Bartling setzte mit seinem Vortrag das Thema Integration aus dem vergangenen Jahr fort. Der Steinberger Ortsbürgermeister und ehemalige Innenminister Niedersachsens unterstützt mit anderen ehemaligen Lehrern derzeit eine Klasse von Migranten im Sprachunterricht. Dabei handelt es sich um eine sogenannte „Sprint Dual“-Klasse, bei der Zuwanderer ihren Unterricht teilweise in der Schule sowie im Rahmen eines Praktikums in einem heimischen Betrieb absolvieren.

Diese Geflüchteten seien seit gut eineinhalb Jahren in Deutschland, erzählte Bartling. Die Klasse, die er mit vier Stunden pro Woche unterrichtet, umfasse 18 Schüler unter 18 Jahren, die vor allem aus Syrien und dem Irak kämen.

Motivation ist groß

Die Motivation, beim Schulabschluss einen Ausbildungsvertrag in der Tasche zu haben, sei bei allen Schülern groß, so Bartling. Doch die Fähigkeiten, die Vorbildung und die Mentalitäten seien unterschiedlich.

In Rinteln hätten Handwerksbetriebe wie Dachdecker oder Maler, aber auch die Altenpflegebranche großes Interesse an der Übernahme von Migranten. Doch eine Übernahme hänge immer auch von der Einstellung des Geflüchteten ab, von Werten wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Lernbereitschaft.

Integration ist von Anzahl der Menschen abhängig

Ob Integration erfolgreich sei, sei auch von der Zahl der Menschen abhängig, die integriert werden müssten, so Bartling: „Zahlen wie die im Jahr 2015 sind einfach nicht möglich.“ Die Integration von einer solchen Anzahl an Menschen binde zu große Ressourcen – es würden schließlich Lehrer und Betreuer gebraucht. „Würden wir uneingeschränkt Menschen aufnehmen, würde die Gesellschaft zusammenbrechen.“

Auch wenn die Situation im Landkreis und in Rinteln positiv aussehe – seiner Meinung nach sollte es mehr Lehrkräfte geben, die sich hauptamtlich und in Vollzeit um Integrationsleistungen wie die in den „Sprint“-Klassen kümmern sollten. „Aber das kostet nun einmal Geld“, so Bartling.

Keine Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen

Des Weiteren sprach er sich gegen die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen aus: Sinnvoller sei es, dass Deutschland unter dem Dach der Europäischen Union Geld zahle, damit Bürgerkriegsflüchtlinge in Sicherheit in der Nähe ihres Heimatlandes blieben. „Durch ihre Aufnahme in Deutschland erwecken wir bei ihnen einen falschen Eindruck“, so Bartling.

Er befürworte ein „vernünftiges Einwanderungsgesetz“. Dies solle ermöglichen, dass diejenigen bleiben können, die qualifiziert genug sind, und dass Deutschland Arbeitskräfte anwerben könne. mld

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