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Den Film des Täters unterbrechen

Selbstverteidigungstraining Den Film des Täters unterbrechen

Die Schreie der Hildburg-Schülerinnen gellen so scharf in den Ohren, dass es wehtut. Das soll es auch. Laut und schrill aufzuschreien, ist der erste Schritt zu einer Selbstverteidigung, die nicht auf Kampf und Sieg ausgerichtet ist, sondern auf Abwehr und erfolgreiche Flucht. Die Mädchen aus der neunten Klasse haben ein Selbstverteidigungstraining absolviert, das zugleich ein Selbstsicherheitstraining ist.

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Sich wehren, und zwar deutlich, das haben die Hildburg-Schülerinnen bei ihrem Selbstverteidigungstraining gelernt.

Quelle: cok

RINTELN. „Täter haben fast immer einen Film von ihrer Tat im Kopf“, erklärt Trainerin Karin Schneider. „Worauf es ankommt: diesen Film zu unterbrechen.“ Mädchen tun sich damit oft schwerer als Jungs, meint sie: „Schon mit aller Kraft zu schreien und also wirklich richtig laut zu werden, muss meistens erst geübt werden.“ Noch schwerer falle es den meisten Mädchen, sich körperlich zu wehren, vor allem, wenn sie sich von vornherein als die Schwächeren sehen. Deshalb gehörte zum Trainingsprogramm eine ganze Palette von wehrhaften Handlungen wie etwa Kniestöße oder Handkantenschläge.

Bevor die Praxis trainiert wurde, stand etwas beinahe noch Schwierigeres bevor, nämlich zu verinnerlichen, dass man das Recht hat, sich zu wehren. Häufiger als gewalttätige körperliche Angriffe seien Angriffe gegen die Seele. „Sexistische Sprüche, Angrabschen, sich an der Supermarkt-Kasse von hinten anzudrängen, auch solche Grenzüberschreitungen sollen die Mädchen nicht hinnehmen, nicht denken, so ist die Welt eben“, sagt Schneider. Also widmete sich das Training auch Übungen zur Zurückweisung von Belästigern, sei es durch Gesten, durch ein lautes „Stopp“ oder eine energische Armbewegung.

Die Abwehr verinnerlicht

Angreifer müssten geschockt und aus dem Konzept gebracht werden. Das sei dann der Moment, wo man eine gute Chance habe, dass die Flucht vor einem Gewalttäter gelingt. „Nach und nach kam der Schrei schon wie von selbst beim Trainieren“, sagt eine der Schülerinnen. Und andere bestätigen: Schreien, ein kräftiger Stoß oder Tritt und dann nichts wie weg – diese Handlungsfolge habe sich ihnen tief eingeprägt. Alle bestätigten, dass sie sich eindeutig selbstsicherer fühlten. „Man weiß, dass man sich wehren kann und wie man es macht. Dann tritt man gleich ganz anders auf“, so eine andere der Schülerinnen.

Trainerin Schneider, die in ihrer Beratungspraxis „Stups“ unter anderem seelische Traumata behandelt, machte ihren Trainerschein in Nordrhein-Westfalen. „Dort ist es schon lange Standard, dass möglichst alle Schulen so ein Training anbieten“, sagt sie. Die entsprechenden Kurse finden nicht zufällig immer in der neunten Klasse statt. „Dann kommen die ersten Praktika und Erfahrung in Firmen, wo man sich später mal bewerben will“, so Schneider. Auch in solchen Situationen, wo junge Mädchen oftmals von Erwachsenen belästigt werden, sollen sie selbstbewusst ihre Grenzen aufzeigen und dafür die angemessenen Mittel wählen können.

Das Training wurde von der Stadtjugendpflege und dem Rintelner Präventionsrat finanziert, zu dessen Mitgliedern der Leiter des Polizei-Kommissariats, Wilfried Korte, gehört. Der bestätigte, dass es auch zukünftig in der Weserstadt so ein Sicherheitstraining speziell für Mädchen geben soll – dann mit einer Drittelbeteiligung der jeweiligen Schulen. cok

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