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Den Stromdieben auf der Spur

Schwindel fliegt auf Den Stromdieben auf der Spur

Die Versuchung ist manchmal groß: Warum im Waschkeller eines Mietshauses nicht einfach die eigene Waschmaschine an den Stromanschluss des freundlichen Nachbarn oder gleich an das Kellerlicht anschließen? Für technisch versierte Heimwerker ist das keine ernsthafte Hürde.

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 Stromzähler werden mit solchen Plomben gesichert. Früher waren sie aus Blei, heute sind sie aus Plastik.

Quelle: wm

Rinteln (wm). Und es rechnet sich aufs Jahr bezogen, denn Waschmaschinen sind Stromfresser. Meist fällt das im Januar des folgenden Jahres auf, wenn sich ein Mieter oder der Hausbesitzer über die hohe Stromrechnung wundert.

 „Es gibt Häuser“, schildert Thomas Sewald, technischer Leiter der Stadtwerke, „da schauen unsere Monteure routinemäßig einmal im Jahr nach dem Rechten. Man macht so seine Erfahrungen.“

 Jedes Jahr decken die Stadtwerke zwischen zehn und 15 Stromdiebstähle auf. Viele davon im Januar, wenn die Verbrauchsabrechnungen erstellt werden. Denn damit ist immer eine Plausibilitätsprüfung verbunden, wie Sewald erläutert. Hat nämlich ein Kunde in einem Jahr erheblich mehr Strom als sonst verbraucht, oder viel zu wenig, dann machen sich Stadtwerkemitarbeiter auf Ursachensuche. Meist gibt es dafür eine schlüssige Erklärung: Eine Mietwohnung stand über Monate leer, dadurch sank, logisch, auch der Stromverbrauch. Umgekehrt kann ein kalter Winter die Kosten für die Nachtspeicherheizung in die Höhe treiben.

 Bei den Stadtwerken wird in solchen Fällen zunächst hausintern geprüft, ob es sich möglicherweise um einen Ablesefehler handelt. Dafür muss niemand mehr zum zweiten Mal zu dem betreffenden Kunden fahren und den Zähler erneut ablesen. Heute notiert jeder Ableser den Zählerstand und fotografiert ihn zusätzlich mit seinem Handy. Ein Foto, das man im Zweifelsfall auch dem Kunden zeigen kann.

 Doch Stromdiebstahl fällt nicht nur durch veränderte Verbrauchszahlen auf. Stadtwerkemonteure entdecken manipulierte Zähler auch, wenn an der elektrischen technischen Anlage im Haus etwas verändert oder der Zähler ausgewechselt wird. Hat der Monteur den Zähler abgeklemmt, müsste alles stromlos sein. Deshalb schaltet er die Taschenlampe ein. Dumm, wenn dann im Keller trotzdem das Licht weiterbrennt.

 Manchmal sind es auch Nachbarn oder Mitmieter, die einen Stromdieb verpfeifen, schildert Sewald: „Wir bekommen dann einen anonymen Brief.“

 Zähler werden von den Stadtwerken stets mit einer Plombe gesichert. Strom kann man nur oberhalb des Zählers abzapfen. Eine Form der Manipulation ist auch, einen starken Magneten am Stromzähler anzubringen, um die Drehscheibe abzubremsen.

 Ein „Erfinder“ aus Rinteln, der sich für besonders schlau hielt, kam 2009 sogar bundesweit in die Schlagzeilen. Er hatte in einer Sat1-Sendung ein Vorschaltgerät vorgestellt, das den Stromzähler rückwärts laufen ließ. Dumm, dass die Sendung auch Stadtwerkemitarbeiter gesehen hatten.

 Es gibt auch absurde Fälle. So schoss bei einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb in einem Ortsteil der Stromverbrauch plötzlich in beachtliche Höhen. Für die Stadtwerke zunächst kein Problem, denn den Mehrverbrauch hatte der Kunde angekündigt und auch bezahlt. Dann stand doch die Polizei vor der Tür des Mannes. Denn dieser hatte den vielen Strom für den Betrieb seiner üppigen Marihuana-Plantage gebraucht.

 Stromdiebstahl ist kein Kavalierdelikt, betont Sewald. Entdeckt das nämlich ein Monteur, ruft er über Handy sofort die Polizei: „Wir bringen jeden Stromdiebstahl zu Anzeige.“ Dann ist es für den Stromdieb schon Strafe, wenn der Polizeiwagen vor der Tür steht und Stadtwerkemonteure mehrmals anrücken müssen. Und kommt der Fall vor Gericht, wird es teuer.

 Doch nicht nur Strom wird in Rinteln geklaut. Auch Wasser. So wunderte man sich vor Jahren bei den Stadtwerken, als in einem Ortsteil plötzlich der Wasserverbrauch deutlich anstieg. Die Techniker vermuteten einen Rohrbruch. Weit gefehlt: Da füllte ein Hausherr seinen Pool im Garten illegal über ein Standrohr aus einem Hydranten.

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