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Der Boom ist vorbei

Altkleider-Container Der Boom ist vorbei

Mit Altkleidern lässt sich Geld verdienen. Und die Stadt Rinteln kassiert mit. Anfang dieses Jahres hat die Verwaltung die 17 Stellplätze für Kleidercontainer im Stadtgebiet neu ausgeschrieben, Angebote eingeholt und an Unternehmen vergeben, bestätigte Bauamtsleiter Andreas Wendt.

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Altkleider in einen entsprechenden Container werfen – damit beginnt ein Kreislauf, der wie bei der Firma „SP Textilverwertung“ in großen Sortierungen endet.

Quelle: wm

RINTELN. Hat man zwischen kommerziellen Aufstellern und sozialen wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) unterschieden? „Nein“, sagt Wendt, „jeder konnte ein Angebot abgeben.“ Auf den Stellplätzen stehen zwischen einem und maximal drei Containern. Das bringt im Jahr rund 30000 Euro in die Stadtkasse. Es ist ein Kreislauf der besonderen Art: Weil Hosen, Blusen, Pullover und Jacken verhältnismäßig billig sind, wird häufig gewechselt. Jeder neue Modetrend trägt seinen Anteil daran. Entsprechend oft wird zu Hause der Kleiderschrank aufgeräumt. Man könnte also annehmen, dass der Altkleiderberg bei den kommerziellen Verwertern weiter ansteigt.

Dem ist nicht so, sagt Benjamin Sausmikat, Geschäftsführer bei „SP Textilverwertung“ in Peine, ein Unternehmen, das auch in Rinteln Kleidercontainer aufgestellt hat: „Vor etwa fünf Jahren war der Höhepunkt der Kleiderflut. Jetzt gehen die Einwurfzahlen zurück.“

Wachsende Konkurrenz

Als Gründe nennt Sausmikat nicht nur die wachsende Konkurrenz, sondern auch, dass Leute inzwischen vermehrt privat Altkleider über die Online-Versteigerungsplattform E-Bay, Altkleiderbörsen im Internet, auf Basaren oder auf Flohmärkten zu Geld machen. Was bei der Firma „SP“ ankommt, wird sortiert und weitergereicht an ein Partnerunternehmen, das die Kleidung verwertet. Gute Kleidungsstücke kommen in Secondhand-Shops, etwa in Polen.

Andere Textilien werden in Putzlappen, Dämmstoffe und andere Produkte umgearbeitet. Weil es inzwischen entsprechende Technologien gebe, sagt Sausmikat, könne man aus Textilien sogar Zäune herstellen. Inzwischen werde so gut wie nichts mehr verbrannt.

„SP“ zahle als Unternehmen Standortgebühren an die Stadt. „Rinteln“, sagt Sausmikat, „ist attraktiv, weil hier die Einwurfzahlen noch stimmen und die Kommune nur Miete für den Standort, nicht aber pro Container erhebt.“ Außerdem reagiere die Stadtverwaltung, wenn illegale, „wilde“ Container von unseriöser Konkurrenz aufgestellt würden. Diese würde man zeitnah entfernen lassen, wie jüngst an der Dauestraße.

Beim DRK sieht man in den kommerziellen Sammlern nicht unbedingt unliebsame Konkurrenz, denn das DRK sammelt Kleidung inzwischen vor allem über die eigenen Shops wie im alten Rintelner Bahnhof. Die DLRG-Ortsgruppe zum Beispiel organisiert einmal im Jahr eine Straßensammlung.

Vom Boom in den Keller

Wie in anderen Landkreisen habe man auch bei der Schaumburger Kreisverwaltung schon einmal überlegt, ob die Abfallwirtschaft Schaumburg, kurz AWS, nicht selbst Altkleidercontainer aufstellen sollte. Doch diesen Plan habe man wieder aufgegeben, denn zu unsicher sei das Geschäft, so AWS-Sprecherin Susanne Rintelen. Auch beim Altpapier habe es Boom-Jahre gegeben, private Firmen hätten auf den Markt gedrängt. Dann waren die Preise wieder im Keller. „Geld“, erläutert Rintelen, „bringt zurzeit nur Metall, das in Sachsenhagen gesammelt und weitergegeben wird.“ Das komme übrigens dem Gebührenzahler zugute, denn Einnahmen würden bei der Gebührenfestsetzung berücksichtigt.

An den Stellplätzen der Kleidercontainer findet man meist auch die „Iglus“ für Altglas. Zusammen sind das sogenannte „Wertstoffinseln“. Kriterien bei der Standortwahl: Sie sollten einsehbar sein und Anwohner nicht vom Lärm belästigt werden. Für die Altglascontainer sind die Firma „Tönsmeier“ in Porta Westfalica (für die Leerung) und „Sauthoff“ zuständig. Beim Altglas gehen die Einwurfzahlen deutlich zurück. 180 Standorte für Altglascontainer habe es kreisweit vor zehn Jahren gegeben, inzwischen seien es 30 weniger, sagt Carsten Wiepking von der AWS, weil mehr Getränke in PET-Flaschen oder Tetra Paks gekauft würden.

Ein ungelöstes Problem seien die Gedankenlosigkeit und das manchmal bußgeldwürdige Tun von Mitbürgern, die an den „Wertstoffinseln“ ihren Restmüll entsorgen. Aufräumen müssten dort die Unternehmen, betont Bauamtsleiter Wendt. „Da ist nicht die Stadt in der Pflicht.“

Doch Vermüllung ist wohl auch eine Frage des Engagements aller Bürger. Wie das geht, hat Wilfried Schnüll in Deckbergen gezeigt: Immer, wenn der ehemalige Polizist eine Adresse im Müll findet, gibt er diese an seine Ex-Kollegen weiter – oder räumt den Müll schon mal selbst weg. „Seitdem ist es am Containerplatz erheblich besser geworden.“ wm

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