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Der Bronze-Mann ist nicht mehr alleine

Rinteln / Nachtwächter Der Bronze-Mann ist nicht mehr alleine

Dieter Ostermeier (44) ist ein Mann von mächtiger Gestalt, mit langem Haar und tiefer Stimme, recht eindrucksvoll für einen Nachtwächter, der durch nächtliche Gassen wandert, um zweifelhafte Gestalten zur Ordnung zu rufen.

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 Dieter Ostermeier lädt am 1. Oktober um 20 Uhr zu seiner ersten Führung als Nachtwächter in Rinteln. 

Quelle: cok

Von Cornelia Kurth

Rinteln. Das tut er zwar nur in der Fantasie, wenn er Bürger und Touristen zu einem Nachtwächter-Rundgang mitnimmt und dabei jede Menge Anekdoten aus dem Alltag eines Hüters der Stadt erzählt. Doch selbst wenn man sich mit ihm am Kaffeehaus-Tisch über seine Arbeit unterhält, kann er plötzlich in seine Rolle verfallen, um zu illustrieren, auf welche Weise er ab dem 1. Oktober die Nachfolge von Alfred Schneider antritt.

 Bereits seit über fünf Jahren ist Dieter Ostermeier ein Nachtwächter, in Bückeburg, wo er einen recht geschickten Kerl spielt. Dieser klagt zwar über seine schlechte Bezahlung und darüber, dass die Nachtwächterei zu den „unehrenhaften“ Berufen gehört, nicht anders als etwa der Beruf Henker, sieht aber zugleich zu, dass er nicht zu kurz kommt. Und so lässt er sich schon mal ein schönes Stück Schinken übergeben, wenn er den betrunkenen Metzgermeister auf nächtlichen Abwegen entdeckt und Stillschweigen verspricht. „Natürlich geht es bei meinen Nachtwächter-Rundgängen auch um historische Zahlen und Fakten“, sagt er. „Im Vordergrund aber steht ein spannendes Erlebnis für die Teilnehmer, die ich mitnehme in das Leben einer mittelalterlichen Stadt und ihrer Bewohner. Im Grunde bin ich ein Schauspieler.“

 Der Spaß daran, andere Menschen zu unterhalten, sie zu amüsieren, zieht sich schon lange durch sein Leben. Auf der einen Seite ist da sein eher nüchterner Beruf als Metallbaumeister in einem kleineren Handwerksbetrieb. Auf der anderen Seite aber bot er sich schon früh als jonglierender Kinderanimateur an und trat ohne Scheu als „Fred Feuerstein“ mit knappem Kostüm im „Erlebnispark Steinzeichen“ in Steinbergen auf. „Wer sowas schafft, der kann auch Nachtwächter sein“, sagte er sich, und so entwickelte er immer mehr die Rolle eines freundlich-derben Typen als Teil der dunklen Seite der Stadt, in die er nicht nur durch Laternenlicht, sondern auch mit Verschmitztheit und einem offenen Blick für die Schwächen der Menschen etwas Licht hineinbringt.

 Dazu absolvierte er im Jahr 2008 die anerkannte Gästeführerausbildung innerhalb der „Ländlichen Erwachsenenbildung“ (LEB), voller Interesses für seine Geburtsstadt Bückeburg, aufgeschlossen aber auch für die Nachtbarstadt Rinteln, wo er seit einigen Jahren mit den Kolleginnen des „Weiberschnacks“ unterhaltsame Stadtrundgänge mitinszeniert. Der nächste wieder am Sonntag, dem 29. September um 19 Uhr zur Themenstadtführung „Heilige – Hexen – Lichtgestalten“.

 Seine Premiere als offizieller Rinteln-Nachtwächter folgt am Dienstag, 1. Oktober. Treffpunkt ist um 20 Uhr an der Nachtwächter-Skulptur auf dem Marktplatz. Von da an wird er jeden ersten Dienstag im Monat als Nachtwächter tätig sein.

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