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Der Robin-Hood-Effekt

Alter verschreckt nicht Der Robin-Hood-Effekt

Was zieht beim Wähler in Rinteln? Ganz klar der bodenständige, handfeste Typ, nah am Volk. Kommunalpolitiker, die gewissermaßen das Leitbild ihrer Partei verkörpern. Leute wie der Fleischermeister und Unternehmer Veit Rauch (CDU) oder Betriebsratsvorsitzende wie Dieter Horn (SPD).

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Quelle: pr.

Rinteln. Alter muss da kein Hindernis sein, wie „Nordstadtfürst“ Karl Lange (SPD), ehemaliger Stadtwerke-Mitarbeiter, der die 70 bereits überschritten hat, seinen zweifelnden Genossen bewies. Seine Wähler hat 70 plus nicht verschreckt.

Dann gab es bei dieser Wahl wohl erstmals so etwas wie einen „Robin-Hood-Bonus“: Ich gegen den Rest des politischen Establishments: Heinrich Sasse hat sein Engagement gegen nachlässige Aufsichtsratsmitglieder, Windräder und die Güterbahntrasse in Rinteln 1451 Stimmen eingebracht.

Noch im Wahlkampf hatte Sasse mit seinem juristischen Duell gegen Landrat Jörg Farr um die Erlebniswelt Renaissance Schlagzeilen gemacht. Man darf annehmen, dass Farr sich inzwischen im stillen Kämmerlein eingesteht: Es war ein taktischer Fehler, Sasse diese Plattform zu bieten.

Institution im Ortsrat

Klar zieht Sasse wieder in den Kreistag ein, auch im Stadtrat mischt er weiter mit. Im Ortsrat Deckbergen, Schaumburg, Westendorf ist er ohnehin eine Institution, dort könnte er auch Ortsbürgermeister werden. Doch dass der WGS-Erfolg ein Rintelner Solo war, zeigt der Blick auf die eher ernüchternden Kreiswahlergebnisse der WGS. Mit zusammengezählt 22 Kandidaten angetreten, hat sie keinen Sitz dazu gewonnen.

Auch der politische Amtsbonus funktioniert, besonders, wenn sich der Wähler erinnert, diesen Mann beim jüngsten Bürgermeisterwahlkampf schon einmal auf den Plakaten gesehen zu haben. Denn übertroffen hat Sasse in Rinteln nur Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch (CDU), der 1526 Stimmen einheimste.

Ob der Wahlkampf eine entscheidende Rolle bei den Wahlergebnissen gespielt hat? Schwer zu beweisen. Die CDU hat da plakattechnisch eine wahre Materialschlacht geliefert. Die WGS hämmerte an jeder Straßenecke ihre Parole „Macht braucht Kontrolle“ ins Wählerhirn. Und die SPD? Die traute sich nicht aus ihrer plüschigen Wohlfühlecke und vermiet peinlichst jede Konfrontation. Motto: Alles wird gut. Wurde es aber nicht.

Titel ziehen nur bedingt

Was zieht beim Wähler nur bedingt? Ganz klar Titel. Die Zeiten, in denen ein Doktor oder ein Oberstudienrat Garant für einen Wahlerfolg waren, sind vorbei. Auch ein bekannter Name ist keine Garantie, wie der IT-Fachmann und Verkehrsexperte Norbert Handke und der bekannte Orthopäde Hermann Moschner erleben mussten. Moschner hat es immerhin in den Ortsrat Rinteln geschafft.

Auch ein ehemaliger Landtagsabgeordneter ist nicht mehr zwingend ein Stimmenstaubsauger: 453 Stimmen für Heiner Bartling. Das waren schon mal deutlich mehr. Diese Zeitung hat Söhne und Töchter von Kommunalpolitikern und Kommunalpolitikerinnen, die in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollten, vor der Wahl besonders vorgestellt: Jetzt ist es Realität geworden. Die Wähler haben dem Nachwuchs tatsächlich eine Chance gegeben – und oft dem Elternteil dazu.

So sitzen Mutter Astrid und Tochter Anna Lena Tegtmeier für die SPD im Rintelner Rat, Vater Heinrich und Sohn Heinrich Sasse für die WGS. Malte Frost hat es als Newcomer für die CDU in den Ortsrat Hohenrode geschafft, David Kuhr für die SPD in den Ortsrat Deckbergen, Schaumburg, Westendorf. Stefanie Lecker sitzt für die CDU im Ortsrat Rinteln.

Ganz oben in der Wählergunst neben Sasse rangiert auch Veit Rauch, der CDU-Fraktionschef, der 941 Stimmen verbuchte. Ebenfalls gewählt wurde das Brüderpaar Frühmark, Thorsten und Stefan, beide Rechtsanwälte. Zählt man Sasse und Gert Armin Neuhäuser hinzu, ist im Rat viermal juristischer Sachverstand vertreten.

Ewiger Wahlkämpfer ist angekommen

Eine Überraschung bei den Grünen als Neue ist Uta Fahrenkamp, Buchhändlerin aus Hohenrode, die sogar mehr Stimmen holte als Christoph Ochs, der Grünensprecher. Dafür ist Ralf Kirstan, ewiger Wahlkämpfer, der für die FDP schon auf Bundes- sowie Landtagsebene angetreten ist, endlich mal in einem „Parlament“ angekommen, im Stadtrat. Ein Anfang, denn der Gymnasiallehrer ist ja noch jung. Die FDP hat wieder Chancen.

Klaus Wißmann, lange SPD-Fraktionssprecher, ist nicht mehr im Rintelner Rat. Dafür hat er es wieder in den Kreistag geschafft, für ihn vermutlich mehr als ein Trostpflaster. Dort hat er sich, hatte man ohnehin zuletzt den Eindruck, wohler gefühlt als im Rat der Weserstadt. Außerdem gehen für Rintelner Interessen nach Stadthagen: für die SPD Helma Hartmann-Grolm und Dieter Horn; für die CDU Rauch und Marion Steding; für die WGS Sasse. Aus Rinteln kommt für die AfD Jens Wilharm. Christoph Ochs und Hartmut Bauer (WGS) sind draußen.

Ein Sitz weniger für die CDU

Was in den Dörfern auffiel: In Deckbergen, Schaumburgund Westendorf fehlte der SPD der ehemalige Ortsbürgermeister Eckhard Hülm. Die SPD-Mehrheit ist dahin. In Exten war es Ortsbürgermeister Thorsten Kretzer, der früher die Stimmen geholt hat. Ergebnis: ein Sitz weniger für die CDU. In Möllenbeck gewann Ortsbürgermeister Reinhold Kölling (SPD) zwar die meisten Stimmen, genutzt hat es aber nichts. Thorsten Frühmark könnte dort sein Nachfolger werden.

In Hohenrode haben sich die beiden Dorfgemeinschaften behauptet. Johann Stephan als Vorsitzender der Dorfgemeinschaft ist in den Ortsrat gewählt worden. Ortsbürgermeister Achim Heger von der Dorfgemeinschaft Strücken dürfte wieder gewählt werden. In Taubenberg setzte der Wähler auf ultimative Sicherheit und wählte an die Spitze den SDS-Chef Bodo Budde und Burkhard Sprick von der Feuerwehr. wm

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