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„Der saß auf dem Sofa und hat blöd zugeguckt“

Urteil gegen Schläger „Der saß auf dem Sofa und hat blöd zugeguckt“

Im vierten Anlauf ist nun ein Körperverletzungsverfahren um eine nächtliche Auseinandersetzung in einer Rintelner Wohnung endlich vor dem Schöffengericht verhandelt worden. Bereits dreimal war der Prozess in den vergangenen eineinhalb Jahren geplatzt, weil einer von vier Angeklagten aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verhandlung erschien.

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Rinteln. Vor zwei Monaten konnte der 32-Jährige in dieser Sache verhaftet und jetzt vorgeführt werden. Er kassierte zum Abschluss eines zweitägigen Prozesses um ein nacktes und gefesseltes Opfer (20) nun eine Freiheitsstrafe von einem Monat ohne Bewährung wegen Körperverletzung. Allerdings muss der erheblich vorbestrafte Mann diese Sanktion nicht verbüßen: Sie ist durch die abgesessene Untersuchhungshaft erledigt. Zwei weitere Angeklagte (beide 27) erhielten Bewährungsstrafen von sechs und zehn Monaten wegen gefährlicher beziehungsweise einfacher Körperverletzung an dem Opfer. Darüber hinaus wurden die beiden – auch sie stehen wie der 32-Jährige unter Betreuung – für den Einbruch in eine Grillbude in der Südstadt verurteilt.

 Bei einem vierten Angeklagten erkannte das Gericht auf unterlassene Hilfeleistung und verhängte eine Geldstrafe von 300 Euro. Der heute 60-Jährige hatte sich während der Misshandlung des Opfers die ganze Zeit in der Wohnung aufgehalten und zugesehen, anstatt Hilfe zu holen. Mit dem Urteil gegen die vier Männer blieb das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Christian Rost überwiegend unter den Anträgen von Staatsanwältin Karin Dubben. Sie sprach von einer „besonders brutalen“ Tatausführung und forderte für die drei Haupttäter Bewährungsstrafen von 16 und 18 Monaten sowie jeweils 100 Arbeitsstunden. Außerdem wertete sie das Geschehen für die drei jungen Männer, die von den Rechtsanwälten Gunter Mücke, Nils-Günther Pengel und Marco Vogt verteidigt wurden, als gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Für den 32-Jährigen sah die Staatsanwältin zudem eine Freiheitsberaubung als gegeben an.

 Der Fall: Zur Tatzeit im Juni 2012 war das spätere Opfer (20) obdachlos und wohnte etwa eine Woche in der Unterkunft des 32-jährigen Angeklagten. Auch die anderen Männer hielten sich dort häufiger auf. Am Tatabend kam es zu Spannungen zwischen dem stark alkoholisierten 32-Jährigen und dem später Geschädigten, der angeblich ein Fahrrad der Nachbarin gestohlen haben soll. Er musste sich dann nackt ausziehen, wurde an Armen und Beinen mit einem Kabelbinder gefesselt. Anschließend wurde er hinter ein Sofa gelegt, erhielt von zwei der Angeklagten Schläge und von einem Dritten Fußtritte ins Gesicht. Dabei zog sich der 20-Jährige ein Hämatom am Auge zu. Erst nach rund 15 Minuten wurde er wieder befreit. „Der saß auf dem Sofa und hat blöd zugeguckt“, sagte das Opfer über den 60 Jahre alten Angeklagten. Letztlich blieb nach teilweise abweichenden Angaben unklar, wie genau sich das Geschehen abgespielt hatte.

 Als Motiv für den Einbruch nannten die beiden Täter Hunger. Mindestens zweimal begaben sich die 27-Jährigen in jener Nacht zum Tatort, entwendeten 100 Bratwürstchen, 30 Krakauer, 48 Flaschen Limonade und 15 Kilogramm Holzkohle. Nicht genug: Bei der letzten Tour ging das Duo zu einem neben dem Pavillon abgestellten verschlossenen Anhänger und drückte die Verriegelung mit einer Zange auf. Die Einbrecher nahmen eine Registrierkasse mit rund 220 Euro mit. maf

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