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Der vielleicht größte Neujahrsspaziergang von Rinteln

Rinteln Der vielleicht größte Neujahrsspaziergang von Rinteln

Es ist vielleicht der größte Neujahrsspaziergang gewesen, den Rinteln in diesem Jahr gesehen hat. Am Neujahrstag zogen etwa 30 Kinder und 40 Erwachsene mit Albrecht Schäffer vom Kinderschutzbund an der Spitze von der Nordstadt durch die Altstadt an die Klosterstraße.

Rinteln. Im Rahmen des Landesprojekts „Gut ankommen in Niedersachsen“ hatte Schäffer die Flüchtlinge in der Notunterkunft Prince Rupert School zum Neujahrsspaziergang eingeladen. Von der Resonanz war er dann aber doch leicht überrascht. „Mit so vielen Teilnehmern haben wir nicht gerechnet“, sagte Schäffer noch am Neujahrstagg.

 13 Uhr in der Prince Rupert School: Die DRK-Mitarbeiterin Hala Bahrinipour aus Bückeburg informiert die Bewohner des Wohnheims über die Lautsprecheranlage auf Arabisch über die Einladung zum Neujahrsspaziergang. Eine Kollegin kündigt die Aktion auf Kurdisch an. In kurzer Zeit finden sich etwa 40 Erwachsene und 30 Kinder und Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und dem Sudan in der Eingangshalle der Unterkunft ein.

 14.15 Uhr: Die Menschengruppe setzt sich in Bewegung. Albrecht Schäffer, Kornelia Budde von der Stiftung für Rinteln, die ehrenamtlichen Familienpaten Kianfar Kiani, Karin Briebsch, Barbara Schulz und Annelie Dreyer sowie mehrere Rintelner Bürger, die sich im Rahmen des Projekts „Gut ankommen in Niedersachsen“ als Lotsen für Flüchtlinge engagieren möchten, leiten den Flüchtlingen den Weg: an der Johanniskirche vorbei, entlang der Mindener Straße durch die Fußgängerzone bis zum Kinderschutzbund.

 15.15 Uhr: Im Kinderschutzbund sind diverse Tische gedeckt. Es gibt Tee, Saft, Kekse, Süßigkeiten und Obst für die Gäste. An einem Tisch malen Kinder Bilder oder blättern in Bilderbüchern. Die Flüchtlinge nehmen in wechselnden Gruppen an den Tischen Platz, einfach deshalb, weil der Platz für alle zusammen nicht ausreicht. Die ehrenamtlichen Helfer sorgen dafür, dass alle etwas zu essen und zu trinken bekommen, und unterhalten sich auf Englisch, Deutsch oder mit Händen und Füßen mit den Flüchtlingen. Einige lesen den Kindern aus den Bilderbüchern vor.

 Gegen 16.15 Uhr tritt diese große, bunte Truppe wieder den Heimweg an, begleitet von den Familienpaten und Flüchtlingslotsen. Der etwa einstündige Fußmarsch bietet Gelegenheit, sich eingehend mit einigen der Migranten zu unterhalten. So erfahren die Rintelner zum Beispiel, dass es unter den Flüchtlingen einige Studenten gibt, deren Universität in Syrien im Krieg zerstört worden ist. Ein irakischer Kurde sagt, dass er in seiner Heimat als Tischler gearbeitet hat. Ein anderer war beruflich als Satellitenanlagentechniker beschäftigt.

 Sehr gefragt als Gesprächspartner ist der iranische Familienpate Kianfar Kiani. Er kann übersetzen, was die afghanischen Flüchtlinge zu sagen haben, und konnte bereits im Vorfeld erklären, wie das Teetrinken beim Kinderschutzbund organisatorisch ablaufen sollte. Am Ende, so Schäffer, waren alle Teilnehmer sichtlich zufrieden mit diesem Ausflug.

 Ziel des Projektes „Gut ankommen“ sei es, den Flüchtlingen das Ankommen in der neuen Umgebung zu erleichtern, sie mit den Gewohnheiten in Deutschland vertraut zu machen – wie mit der Tradition des Neujahrsspaziergangs –, das Kennenlernen von Deutschen zu ermöglichen und Familien mit besonderen Belastungen Hilfen anzubieten. „Weitere Angebote und Aktivitäten sollen folgen“, so Schäffer.

 Im Februar findet eine Schulung für Interessierte, die Flüchtlinge als Lotsen unterstützen und begleiten möchten, statt. Gesucht werden weitere Muttersprachler, die sowohl Arabisch, Kurdisch oder Dari als auch Deutsch sprechen. pk/pr

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