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"Designerdrogen" - Erste Verdachtsfälle in der Region

„Wir rechnen jeden Tag damit“ "Designerdrogen" - Erste Verdachtsfälle in der Region

Der Konsum von Badesalz“ oder „Crystal Meth“ kann zu Wahnvorstellungen führen und macht schnell abhängig. Ihr Verbreitungsgebiet wird immer größer.

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Quelle: Symbolfoto

Rinteln/Landkreis. „Gottseidank hat es für diese Fälle bislang noch keine Evidenz gegeben“, sagt Sozialarbeiter Cord Koller von der Drogenberatung der Diakonie Schaumburg-Lippe im Gespräch mit unserer Zeitung. Er wolle deshalb aber auch nicht von einer „Insel der Glückseligen“ sprechen und fügt deshalb hinzu: „Wir rechnen jeden Tag damit.“ Zumindest mit Crystal Meth, von Kollegen wisse er von konkreten Fällen in Hannover.

Die Droge, die zunächst nahe der ostdeutschen Grenze vermehrt aufgetreten ist, komme immer näher. Sowohl bei „Badesalz“ – eigentlich Methylendioxypyrovaleron (MDPV) –  als auch Crystal Meth handele es sich um aufbereitetes Amphetamin.

Koller führt aus, dass es sich bei den Konsumenten von derartigen Amphetaminen um ein ganz anderes Klientel handele, als er es von anderen illegalen Drogen, wie etwa Heroin, kenne. „Das sind oft gesetzte Leute, die ein bürgerliches Leben führen und sehr diszipliniert und leistungsorientiert sind“, sagt Koller.

„Dahinter steckt eine ganz andere Psychodynamik als bei Heroin-Junkies.“ Als prominentes Beispiel nennt er den SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann, der zuletzt im Zusammenhang mit der Edathy-Affäre in die Schlagzeilen geraten war. Hartmann hatte 2014 eingeräumt, eine Zeit lang Crystal Meth konsumiert zu haben, um „leistungsfähiger“ zu sein.

Für Koller eine typische Argumentaion. Amphetamin wird eine leistungssteigernde Wirkung nachgesagt. In einer leistungsorientierten Gesellschaft, die immer mehr Leistung fordere, empfänden manche Menschen einen derart hohen Druck, vor ihrem Chef oder dem neu angestellten jungen Kollegen bestehen zu müssen, dass sie auf entsprechende Drogen zurückgriffen.

Nicht selten hätten diese Konsumenten bereits Erfahrung mit Amphetamin, aus dem auch sogenannte Partydrogen, wie Speed, hergestellt wird. „Früher nahmen sie Speed, um die ganze Nacht durchtanzen zu können, heute nehmen sie Crystal Meth, um auf der Arbeit durchzuhalten“, veranschaulicht Koller. Ein wesentlicher Unterschied bestehe darin, dass Crystal Meth ungleich schneller abhängig mache.

Jörg Stuchlik, der Chef des Kriminalermittlungsdienstes in Rinteln, teilt auf Anfrage mit, dass in der Weserstadt bislang noch keinerlei Fälle von Crystal Meth oder MDPV polizeilich aufgetreten seien. „Zumindest ist uns noch nichts zu Ohren gekommen“, so Stuchlik. „Aber das bedeutet nicht, dass es nicht ein Dunkelfeld gibt.“ Klar: Käufer und Verkäufer haben kein Interesse daran, dass ihre illegalen Geschäfte bekannt werden.

Insgesamt schätzt der Kripo-Chef die Drogenlage in Rinteln als „ruhig“ ein. Das heißt, es gebe keine Szene für harte Drogen. Die meisten Fälle von illegalen Drogen hingen mit Cannabis zusammen, allerdings nicht in beunruhigendem Maße. „Es gibt keine komplett drogenfreie Stadt“, sagt er. Und in Kleinstädten wie Rinteln oder auf dem Land sei die Verbreitung von harten

Drogen nicht so ausgeprägt wie in Großstädten. „Aber wir halten die Ohren offen und bleiben am Ball“, so Stuchlik.

Cord Koller macht in der Drogenberatung ebenfalls die Erfahrung, dass im Raum Schaumburg unter den illegalen Drogen Cannabis die größte Rolle spielt. „Das ist ein ganz großes Thema, gerade unter Jugendlichen, die oft nur geringes Verständnis dafür haben, dass diese Droge illegal ist“, schildert Koller. „Cannabis wird von ihnen als ungefährlich eingestuft. Aber das ist es nicht.“

Andere Klienten kommen auch wegen harter Drogen zu ihm, wegen Kokain, wegen Heroin. „Nicht umsonst bieten wir Substitutionsprogramme für Heroinabhängige an“, sagt Koller. Insgesamt sei Heroin jedoch ein „Auslaufmodell“, die Droge sei nicht mehr „in“, die Fälle würden immer weniger. Dafür nehmen neue Süchte zu: Medien-, Internet- und Spielsucht, so der Sozialarbeiter. pk

Hinweis: Cord Koller steht bei der Diakonie in Rinteln, Bäckerstraße 8, an jedem ersten Mittwoch im Monat von 10 bis 12 Uhr in einer offenen Sprechstunde zum Thema Drogenberatung zur Verfügung. Termine nach Vereinbarung, Telefon: (0 57 21) 99 30 30.

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