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Deutschkurse und Begleitungen gefragt

Flüchtlingshilfe in Rinteln Deutschkurse und Begleitungen gefragt

Ein „runder Tisch“ hätte nicht gereicht, um allen Platz zu bieten, die sich in der ehrenamtlichen Betreuung von Flüchtlingen in Rinteln engagieren wollen.

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Die Demografiebeauftragte Linda Ruppel (von links) und die Sozialarbeiter Norbert Rose und Veronika Matamu.

Rinteln. Selbst das Viereck aus Tischen und Stühlen musste vergrößert werden: 27 Vertreter von Vereinen und Institutionen in Rinteln und Umgebung wollten wissen, was gebraucht wird, und sagen, was sie bieten können. Der „runde Tisch“ wurde eine runde Sache, die Veranstalter waren begeistert von der Resonanz.

 Eingeladen hatten die städtische Demografiebeauftragte Linda Ruppel sowie die beiden für Flüchtlinge in Rinteln zuständigen Sozialarbeiter, Norbert Rose (Stadt) und Veronika Matamu (Awo). Ziel war es, herauszufinden, was in Rinteln an vorhandenen Angeboten genutzt werden kann, wo Flüchtlinge willkommen sind und welche Ansprechpartner es dafür gibt. Ergebnis der zweistündigen Runde ist ein Netzwerk von Adressen und Namen, die die Sozialarbeiter ebenso nutzen können wie die Anbieter. Einzelpersonen bekamen Anregungen, bei welchen Hilfsanbietern sie sich einbringen können und wo Bedarf besteht.

 Matamu und Rose klärten auf, was die Flüchtlinge am ehesten wünschen: Deutsch lernen, Begleitung bei Behördengängen und beim Zurechtfinden am neuen Aufenthaltsort sowie Arbeit, am liebsten für Geld oder wenigstens zum Vertreiben von Langeweile, vor allem bei den Männern.

 Problem: Auf Sprach- und Integrationskurse des Staats haben die Flüchtlinge keinen Anspruch, solange sie nur geduldet sind, also kein Asyl zugesprochen bekommen haben. Und das gilt zunächst für fast alle. Arbeiten für Geld dürfen sie auch nicht, und ihre Residenzpflicht ist nur insoweit aufgehoben, dass sie vorübergehend den Aufenthaltsort verlassen dürfen. Geld für die dringendsten Bedürfnisse bekommen sie vom Landkreis, für zusätzliche Wünsche zum Beispiel auch bei der Diakonie, die aber schon an Grenzen stößt, sagte deren Rintelner Mitarbeiter Martin Barwich.

 „Manchmal reicht es ja schon, bei der Sportplatzpflege zu helfen oder Tische bei Veranstaltungen mit zu decken“, sagte Matamu. „Viele von ihnen möchten etwas zurückgeben dafür, dass sie hier Hilfe und Schutz bekommen.“

 Gegen Langeweile helfen viele Angebote von Sport über Nähen, Ausflüge und mehr. Aber sie müssen koordiniert und verlässlich sein. Die Transportfrage zu lösen, ist wichtig, selbst wenn es nur zum Training beim Fußballverein (sieben Flüchtlinge machen beim SC Rinteln mit) oder den Besuch einer Freizeiteinrichtung geht. Karl-Heinz Frühmark (AG Sport) wies darauf hin, dass die Versicherungsfrage für das Mitmachen im Sportverein leicht über Vereine zu lösen sei.

 Sprachkurse gibt es zwar bei Anbietern wie dem DGB-Bildungswerk Arbeit und Leben, der Volkshochschule und anderen professionellen Anbietern, aber die kosten Geld. Kostenlos bieten zum Beispiel schon pensionierte Lehrer und deren Unterstützer solche Kurse. Dabei gibt es noch viel Potenzial.

 Die Kirchengemeinden wiesen auf Jugendkreise und spezielle Gottesdienste hin, bei denen Flüchtlinge willkommen sind. Das DRK bat um Spenden von brauchbaren Kleidungstücken an seine Kleidershops, zu denen Matamu die Flüchtlinge auch lieber schicken würde, als selbst in der Unterkunft ein größeres Kleiderlager vorzuhalten.

 Der Kinderschutzbund wies auf seine Familienpatenschaften hin, mit denen zum Beispiel schon eine Familie aus dem Kosovo unterstützt wird. Stadtjugendpflege Rinteln, Sozialamt des Landkreises, Arbeiterwohlfahrt, Diakonie, VdK und Kirchengemeinden steuerten ebenfalls Angebote bei. Alles wurde auf Zetteln gesammelt. Die Teilnehmer gaben ihre Adressen und E-Mail-Kontaktdaten, damit die Infos künftig schneller fließen.

 900 Flüchtlinge gibt es derzeit im Landkreis, 600 kommen in diesem Jahr voraussichtlich hinzu. Sechs Sozialarbeiter kümmern sich um diese Menschen, zwei davon derzeit in Rinteln, wo 35 Flüchtlinge am Bahnhofsweg und fast 50 in der ehemaligen Pestalozzischule untergebracht sind. Privatunterkünfte gibt es schon in Steinbergen.

 Ein Austausch unter den Anbietern über Fortbildungsangebote für Helfer kam schon in Gang, ein zweites Treffen im September ist bereits geplant.

 Wer Kontakt zu Flüchtlingen aufnehmen will, ist am Montag, 15. Juni, 16 Uhr, zu einem Grillfest an der früheren Pestalozzischule, Kerschensteiner Weg 1, willkommen. Grillgut und Salate sind mitzubringen. Zur Koordinierung ist ein Anruf bei Matamu, Telefon (05751) 8908870 und (0151) 74103705, sinnvoll.dil

 Ein Beispiel für benötigte Hilfe: Flüchtlingkinder werden zu einem Spielplatz nahe der Unterkunft begleitet.dil

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