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„Die Leute haben Angst“

Reisebüros spüren Auswirkungen „Die Leute haben Angst“

Der Terroranschlag vom vergangenen Freitag auf ein Hotel in der tunesischen Stadt Sousse wirkt sich auch auf die deutschen Reisebüros aus.

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Die Reiseland-Mitarbeiterinnen Ellen Brauns (links) und Birgit Nehrmann haben seit dem Terroranschlag am Freitag in Tunesien mehr als sonst mit Umbuchungen zu tun.tol

Quelle: Tobias Landmann

Rinteln. Deutsche, die ihren Urlaub in Tunesien, verbringen wollten, sind verunsichert, nehmen Umbuchungen oder gar Stornierungen vor. Dies bekommen auch die Rintelner Reisebüros zu spüren.

„Bei mir haben schon 14 Kunden umgebucht“, klagt Katharina Damjanow, die Geschäftsführerin von „Reiseland“ an der Weserstraße. Die meisten Reiseveranstalter nehmen Stornierungen bereits gebuchter Reisen nach Tunesien anstandslos vor, holen die Urlauber aus dem nordafrikanischen Land zurück, berichtet Damjanow. Kosten entstünden für sie dadurch nicht, aber mehr Arbeit. „Außerdem fällt die Provision weg“, sagt sie.

Eine Kundin habe zum Zeitpunkt des Anschlags im Flugzeug in Richtung Tunesien gesessen. Ihr Reiseziel liege nur vier Kilometer vom Ort des Anschlags, dem Imperial Marhaba Hotel, entfernt. „Sie scheint dort geblieben zu sein, jedenfalls habe ich noch nichts von ihr gehört“, erzählt die Reisekauffrau.

Das Problem bestehe nun darin, Umbuchungen vorzunehmen, die den Kundenwünschen entsprechen. Und da komme nicht mehr viel infrage. „Die Kunden wollen nicht mehr nach Tunesien, aber auch nicht mehr in die Türkei oder nach Ägypten oder Marokko“, schildert Damjanow. „Die Leute haben Angst, in islamische Länder zu reisen.“ Dabei könne man die Muslime ja nicht einfach über einen Kamm scheren. „Aber sie wollen noch nicht mal nach Bulgarien, was ja an der türkischen Grenze liegt.“

Zwei Zimmer am Meer mit Sandstrand und all inclusive sei dann kaum noch zu haben. „Spanien ist so gut wie ausgebucht, Kroatien hat kaum Sandstrand, und in Italien gibt es kaum Flughäfen nahe den Urlaubsorten“, führt Damjanow aus. Auch Griechenland sei für viele Kunden jetzt keine Alternative mehr. Dort ist es nicht der Terror, sondern die drohende Staatspleite, die abschreckt. „Die Kunden fürchten, im Hotel nicht mehr versorgt werden zu können oder am Geldautomaten kein Geld mehr zu bekommen.“ Deshalb vermutet sie, dass die meisten der Kunden, die sich bislang gemeldet haben, um umzubuchen, ihren Urlaub am Ende zu Hause verbringen werden.

Damjanow selbst ist da weniger ängstlich. Nach Tunesien würde sie jetzt zwar wohl auch nicht reisen, aber die Buchung für den Urlaub mit den Kindern im Herbst in Ägypten bleibe bestehen.

Weniger stark zu spüren sind die Auswirkungen des Terrors bislang im Reisebüro Weserbergland am Marktplatz. „Die Kunden waren in Bezug auf Buchungen für Tunesien sowieso schon sehr verhalten“, sagt Inhaberin Monika Distelmeier mit Blick auf den tödlichen Terroranschlag vom März in der tunesischen Hauptstadt Tunis auf ein Museum. Von daher könne sie keine Zurückhaltung auf Kundenseite erkennen.

Möglich aber, dass bei den bereits gebuchten Reisen nach Tunesien nun Stornierungen oder Umbuchungen folgen. „Wir werden alle entsprechenden Kunden anrufen und sie über die Lage informieren“, sagt Distelmeier. So habe ein Paar direkt im Nachbarhotel des Unglücksorts gebucht. „Ihnen Bescheid zu geben, das gehört sich einfach“, sagt sie. Zum Zeitpunkt des Terroranschlags hätte sich aber keiner ihre Kunden in Tunesien aufgehalten.

Auch bei den Griechenlandbuchungen zeichne sich bislang keine Zurückhaltung bei ihren Kunden ab. „Das Auswärtige Amt rät zwar, ausreichend Bargeld mitzunehmen. Aber mit Kreditkarte kann man weiterhin auch bezahlen“, sagt Distelmeier. pk

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