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Die Maß darf auch „a Hoibe“ sein

Rinteln / RCV-Oktoberfest Die Maß darf auch „a Hoibe“ sein

Der Oktoberfest-Virus hat Rinteln erreicht – über 300 ausgelassen feiernde Gästen im ausverkauften Brückentorsaal. Und das sei keine Vorverlegung der närrischen Session des Rintelner Carnevalsvereins mit anderen Mitteln, beteuert Franz Josef Stöckl in seiner Begrüßung. Und ohne offiziellen Fassanstich geht die Gaudi sofort los.

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Kontrastprogramm zum norddeutschen Danz up de Deel. Beim Rintelner Oktoberfest wird im Brückentoorsaal auf Tischen und Stühlen getanzt.

Quelle: whp

Von Werner Hoppe

Rinteln.   „Schon um 20 Uhr wurde getanzt“, berichtet Karl-Heinz Stahlhut vom RCV-Organisationsteam später. Die Gäste feiern bereits nach kurzer Zeit bei Vollgas: Polonaise zum Weserlied, Tanz auf Tischen und Stühlen und bis dato teils wildfremde Menschen reihen sich ein in die Ketten, die in Abständen singend durch den Saal ziehen.

Die Rio-Band (stilecht in Lederhosen und die Sängerin Graciella Passarotto im Dirndl) muss nur kurze Starthilfe geben mit einem Schunkellied. Im Handumdrehen ist das Eis gebrochen. „In München steht ein Hofbräuhaus“, tönt es aus vielen Kehlen. Und was dieses Kommando bedeutet, „des woas doch a in Rinteln eh scho a jeada und a jeade“. Darum gehen bei „eins, zwei, gsuffa“ automatisch die Henkelkrüge hoch zum kollektiven „Ein Prosit, ein Prosit auf die Gemütlichkeit“. Dabei stemmen überwiegend die jungen Burschen und die alten Hasen die Ein-Liter-Maßkrüge im Wiesn-Format.

Mit Rücksicht auf die mäßigen Trinker haben die Feier-erfahrenen Gastgeber aber eine zweite Zapfstelle für die „Hoibe“ mit 500 Kubikzentimetern Fassungsvermögen eingerichtet, sodass die Kellnerinnen (Dirndl als ihre Dienstkleidung) nicht nur Schwergewichte an die Bierfront tragen.

Das Bayernoutfit ist zwar keinesfalls vorgeschrieben, aber gerne gesehen von den Gastgebern, erklärt Stöckl und schwärmt: „Es sind viel mehr Dirndl im Saal, als wir erwartet haben.“ Er hat es bei einem neuen Lederjanker zur Jeans belassen, in dem sich noch manches Oktoberfest feiern lassen dürfte. Ansonsten geht’s bayrisch zwanglos zu. Das rot-weiß karierte Oberhemd zur Kniebund-Lederhose ist als völlig ausreichend genehmigt, denn der imaginäre Himmel im Brückentorsaal leuchtet sowieso im schönsten Blau-Weiß.

Für die gute Figur bei den Damen sorgt indessen das formende Darunter, das oben herum ahnen lässt, was Frau zu bieten hat. Dekolleté ist zwar kein Muss, aber gerne gesehen beim Rintelner Oktoberfest.
Für Oliver Sperlich vom RCV-Elferrat ist Oktoberfest sozusagen Kulturgut. Er hat seine Ehefrau Sandra in Bayern geheiratet, und er möchte selber dazu beitragen, „das bayrische Lebensgefühl nach Norden zu bringen“. Mit Karneval habe das wirklich gar nichts zu tun. „Unter dem bayrischen Motto kommt man sich aber einfach viel leichter näher“, ist seine persönliche Erfahrung.

Ans Näherkommen habe der RCV auch gedacht, bei der Absicht, schlichte schmale Biergarten-Tische und Bänke ohne Rückenlehne im Saal aufzustellen, ergänzt Stöckl zu diesem Thema. Dazu sei es aber leider nicht gekommen, bedauert er. Denn „zuerst haben wir dafür keine Genehmigung von der Stadt bekommen, dann schließlich doch, aber da war’s zu spät, weil wir die Bestuhlung schon (mit dem Brückentorsaal-Mobiliar) geplant hatten.“

Und am Ende ist das die bessere Lösung, zeigt sich, als die weiß-blaue Bierseligkeit aus dem Stand auf volle Touren kommt. Die Burschen und Madln sind nicht zu halten. Immer wieder stehen ganze Gruppen auf Tischen und Stühlen und feiern mit und auch ohne Musik, was das Zeug hält. Dabei muss es nicht unbedingt Wiesn-Bier sein, das die Stimmung fördert, versichert die Frauenrunde, die sich ausgelassen mit Weißwein zuprostet. Und feiern, das geht auch ohne Männer, erklärt eine der Ladys, die eine zünftige kurze Lederhose anstelle des Dirndls trägt. „Wir haben heute Ausgang und haben die Männer zu Hause gelassen“, lacht sie unter Beifall der Freundinnen.

Audrey Nagel aus Rellingen bei Hamburg feiert Oktoberfest, einfach „weil’s schön ist und Spaß macht“. Wenn sich die Möglichkeit biete, dürften es gerne auch mehrere Feste in der Saison, sein, die sie mit ihrem Ehemann (ein gebürtiger Rintelner, der dieses Mal nur aus Krankeitsgründen zu Hause geblieben ist) besuche. „Wir waren auch schon auf dem richtigen Oktoberfest in München“, erzählt sie. Ihr Original-Dirndl habe sie direkt in der bayrischen Landeshauptstadt gekauft, denn die als Massenware aus China importierten billigen Kleider seien „echt gruselig und meist aus Plastik ...“

Ein teures Outfit allein bringt es nicht. Zum Oktoberfest-Feiern gehört vor allem ein Herz für die bajuwarische Lebensart, können Gabi Braun und Heiner Sasse bestätigen. Die Rintelnerin und der Deckberger werden, als der Abend noch jung ist, von Giovanni Passarotto und seiner Tochter Graciella als Super Bua und Super Madl 2013 ausgerufen. Beide sind eher schlicht aber bodenständig gewandet, dafür aber mit Feuereifer dabei. „Und wir kannten uns bis eben noch gar nicht“, betont Braun, als sie und Sasse ihre Gewinngutscheine auspacken. Beim Frühstück im Stadtkater werden sie demnächst ihre neue Bekanntschaft vertiefen, dann aber auch in Begleitung ihrer Ehepartner.

Mit dem Oktoberfest hat der RCV mehr als nur einen vollwertigen Ersatz für den Bockbieranstich platziert. So zeigt sich Sebastian Westphal vom Elferrat hoch zufrieden, lange bevor die Halbzeit erreicht ist. Ein ausverkaufter Saal und ein gut durchmischtes Publikum mit fröhlichen Buam und Madln, was will man mehr. Ein Großteil der Eintrittskarten sei bereits im Vorfeld übers Internet abgesetzt worden sowie „dank des Vorverkaufs bei der Lottoannahme Nagel im Marktkauf sowie bei Photo-Struck am Marktplatz.

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