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Die Stimme ist ihr liebstes Instrument

Rinteln / Kreiskantorin Die Stimme ist ihr liebstes Instrument

Als sich in diesem Frühjahr die drei besten Bewerber um die frei gewordene Stelle des Kreiskantors bewarben und einen Tag lang in der Rintelner Nikolaikirche vor großem Publikum Orgel spielten, mit der Gemeinde sangen und Chorproben abhielten, da war es Daniela Brinkmann (34) aus dem hessischen Nidda, die durch ihr herausragendes Können und ihre freundliche, selbstbewusste Ausstrahlung das Wahlgremium für sich gewann.

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 Die neue Kreiskantorin Daniela Brinkmann.

Quelle: cok

Rinteln. Jetzt ist sie umgezogen, nach Todenmann, und beginnt nun mit ihrem Kirchenmusikerdienst in der Nachfolge von Kreiskantor Wolfgang Westphal.

 Nicht nur die Rintelner waren überzeugt davon, genau die richtige Person für dieses auch überregional wirksame Amt gefunden zu haben. Auch Brinkmann selbst ist beeindruckt von den Möglichkeiten, die sie in der Nikolaikirche vorfindet. Angefangen bei der historischen Orgel mit ihren 39 Registern und dem Zimbelstern, bis hin zu den Jugend- und Erwachsenenchören, von denen sie am Bewerbungstag einen sehr positiven Eindruck mitnehmen konnte. „Außerdem habe ich ja auch schon mit der Gemeinde ein Lied eingeübt. Wirklich, hier scheint es insgesamt ziemlich gute Sänger zu geben.“

 Natürlich ist sie gespannt auf das traditionelle öffentliche Adventssingen im Dezember, das sie in diesem Jahr zum ersten Mal leiten wird und von dem sie bereits so viel Gutes hörte. „Überhaupt ist es so, dass eigentlich die Stimme mein allerliebstes Instrument ist“, sagt sie. „Die Stimme kann man überall mit hinnehmen, an jedem Ort einsetzen. Stimmen können sich zusammentun, und es hat ja auch jeder Mensch seine eigene Stimme, die er zum Klingen bringen kann, ohne dafür ein Instrument gelernt haben zu müssen.“ Deshalb liebe sie auch ganz besonders die Chorarbeit, sowohl mit geübten Sängern als auch mit solchen, die erst noch aus sich herauskommen wollen.

 In Lübbecke, wo sie geboren und aufgewachsen ist, leitete sie schon als Jugendliche einen Singkreis, an den Unis in Heidelberg und Frankfurt waren es Studentenchöre. Als sie während des Studiums bereits nebenamtlich als Kantorin an einer Frankfurter Kirche arbeitete, sammelte sie weitere Erfahrungen darin, mit einem Chor Konzerte vorzubereiten und aufzuführen. „Ich erinnere mich noch gut daran, wie mir die ersten Male fast die Knie weich wurden, als ich, statt unsichtbar auf der Orgelempore zu sitzen, vor allen Leuten dirigierte.“ Aber inzwischen ist das längst eine Selbstverständlichkeit. An ihrer Stelle in Nidda war sie für die auch überregional beachtete langjährige Konzertreihe „Nidda in Concert“ zuständig, und zahllos sind die Chorleiter und auch Organisten, die sie selbst ausgebildet hat.

 In ihrer eigenen musikalischen Karriere, die mit sieben Jahren am Klavier begann, war es eine Grundschullehrerin, die ihr den Weg zum Beruf der Kirchenmusikerin wies. „Dich hol ich mal an die Orgel!“, hatte sie dem begabten Mädchen schon früh gesagt. „Und ich war auch wirklich sehr fasziniert von diesem großen Instrument“, erzählt Brinkmann. „Dass es in der Kirche stand und man sich extra auf den Weg dorthin machen musste, um es zu spielen. Dann die besondere Atmosphäre im Kirchenraum, wenn er sich ganz mit der Musik füllt. Und die vielen stimmlichen Möglichkeiten einer Orgel. Ich hatte nicht nur mit meiner Lehrerin Glück, sondern auch mit dem Kantor in Lübbecke, der mich auf die Prüfung zur Kirchenmusik vorbereitete.“

 Wer Daniela Brinkmann am Tag der Bewerbung auf die Kreiskantor-Stelle bereits an der Orgel hören konnte, wie sie ein Choralvorspiel erklingen ließ, dass alle Zuhörer in ihren Bann zog und bewunderndes Murmeln auslöste, der weiß, dass eine Meisterin ihres Faches nach Rinteln kam. „Ich hänge sehr an den vertrauten Komponisten, allen voran die Barockmusiker – ach, und die Romantiker natürlich auch“, sagt sie. „Doch mir liegt auch daran, dass sich Chor und Zuhörer auf Jazz und neue Musik einlassen können. Das wird zu meinen Aufgaben gehören, Zugänge zu vielleicht noch ungewohnten Hörerlebnissen zu schaffen.“ Auf jeden Fall werde sie im nächsten Jahr ein großes Stück für Chor und Orchester vorbereiten. „Ich bin so gespannt, ich freue mich sehr auf die Arbeit mit den Chören der Gemeinde.“

 Eine Woche erst wohnt Daniela Brinkmann zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Landesposaunenwart der Lippischen Landeskirche, Christian Kornmaul, in Todenmann. Gern hätte sie eine geeignete Wohnung in der Stadt gefunden. „Aber mir gefällt es auch, so nah an der Natur, dem Wald mit seinen Wanderwegen zu leben“, sagt sie. „Wenn man einen Beruf hat, bei dem man automatisch eine Rolle in der Öffentlichkeit übernimmt, dann tut es gut, Möglichkeiten zum Abtauchen zu haben und immer wieder den Kopf ganz frei zu machen für neue Ideen. Für mich geht das am besten draußen in der Natur.“ Am kommenden Sonntag wird sie erstmalig den Gottesdienst in der Nikolaikirche an der Orgel begleiten. cok

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