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Die innere Ruhe spüren

Feiern zu 777 Jahren Nikolai-Kirche in Rinteln Die innere Ruhe spüren

Ob es bei den Nonnen im ehemaligen Jakobi-Kloster damals auch manchmal so sinnenfroh zuging wie beim großen Fest am vergangenen Sonntag in und vor der evangelisch-reformierten Jakobikirche in Rinteln? Gefeiert wurde, dass die vor genau 777 Jahren gegründete Nikolaikirche im Jahr 1238 durch eine Urkunde dem Jakobi-Kloster unterstellt wurde.

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 Fast schon meditativ: Mit der spitzen Feder versucht sich Katharina Hils an der Kalligrafie.

Quelle: pr.

Rinteln. Mehr als 100 Gäste kamen, um ein bisschen nachzuempfinden, was es mit einem Leben im Kloster auf sich hatte.

 Nun werden die Nonnen wohl kaum regelmäßig so genüsslich ein Wildschwein am Spieß verzehrt haben, wie es sich auf dem Kirchhof über dem Holzkohlegrill drehte. Aber handfestes, selbst gebackenes Brot und Aufstriche, in denen Kräuter wie sogar der bei Gartenfreunden nicht gerade beliebte Girsch für besondere Geschmacksnoten sorgten, das stand unbedingt auf ihrem Speisezettel. Man konnte den „Klostergeist“ probieren, einen Himbeer-Likör, den Renate Vogt angesetzt hatte, auch das Klosterbier wurde gern getrunken, und in der Gemeindehausküche wirbelten die vielen Helferinnen selbstlos und fleißig herum.

 Diese Sinnesfreuden waren nur der eine Teil des Festes, das mit einem musikalischen Gottesdienst begann, an dem auch die Nikolaigemeinde mit dem Madrigalchor teilnahm. Dabei stand das Singen von Liedern mit biblischen Psalmtexten im Mittelpunkt. Diese Lieder spielen von jeher in den evangelisch-reformierten Gottesdiensten eine große Rolle, und so stellte sich in den nachfolgenden „Stundengebeten“ heraus, dass Pastor Heiko Buitkamp einen wunderbaren Vorsänger abgeben konnte – fast so wie ein Solist bei gregorianischen Gesängen.

 Dass sich die Festgäste alle Stunde in der Kirche versammelten und dabei andere Tätigkeiten stehen und liegen ließen, auch das sollte an das frühere Klosterleben erinnern, wo es die Nonnen ebenso hielten. „Im ersten Moment will man vielleicht eigentlich nicht“, sagte Theologin Karin Gerhardt. „Aber nach und nach stellt sich gerade durch diese unaufhebbare Regelmäßigkeit eine tiefe, innere Ruhe sein.“ Die Tätigkeiten, die für den Moment zurückgestellt wurden, drehten sich ebenfalls um Dinge des Alltags, die die Nonnen zu erledigen hatten, darunter das Ziehen von Wachskerzen, dem sich vor allem die Kinder unter den Gästen mit Geduld und Begeisterung widmeten, oder das Kämmen und Verspinnen von Schafswolle.

 Vieles von dem, was die Nonnen taten, hatte allerdings einen eher meditativen Charakter. In einzelnen Workshops konnte man erproben, wie man mit Gänsekiel oder Metallfeder und Tinte die wunderschöne kalligrafische Schrift aufs Papier bringt, in der man zu Zeiten, als der Buchdruck noch nicht erfunden war, die religiösen Schriften kopierte. Auch die ausgeschmückten Versalien, die großen Buchstaben zu Beginn von Kapiteln, standen als Vorbild bereit, um dann in den sanft-bunten Farben ausgemalt zu werden.

 Zudem wurden alle Teilnehmer gebeten, einen Satz aus den Psalmen in ein vorbereitetes Buch abzuschreiben. Bis zum Ende des Jahres soll daraus ein „Rintelner Psalmenbuch“ entstehen, mit allen 150 Psalmtexten und eigens gemalten Bildern und Stickereien. Das Buch liegt in der Jakobi-Kirche aus und wartet darauf, dass es vollendet wird. Jeder, der die Kirche betritt, ist eingeladen, sich daran zu beteiligen. cok

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