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„Die meisten Kunden sind Deutsche“

Rinteln „Die meisten Kunden sind Deutsche“

Etwas ist in diesem Supermarkt anders. Die Verpackungen der Waren sind bunter, die Musik, die aus dem Lautsprecher dringt, klingt orientalisch, und der Radiomoderator spricht Türkisch.

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„Bei uns sind alle Nationalitäten willkommen“, sagt „Bizim Market“-Inhaber Gökhan Sayki (links), hier mit seinem angestellten Schwager Ismail Murat Koc.

Quelle: pk

Rinteln. Auch das Sortiment ist ein wenig anders gewichtet als in einem herkömmlichen deutschen Supermarkt, die Kundschaft ist entsprechend multikulturell. Es geht familiär zu. „Hallo Elisabeth“, begrüßt Gökhan Sayki (42) eine polnische Kundin. Sayki trägt einen weißen Kittel mit rotem Kragen, auf der Brusttasche steht in roten Großbuchstaben „Bizim Market“. Das ist Türkisch und bedeutet „Unser Markt“. Sayki ist der Inhaber und Betreiber des etwas abseits im Industriegebiet Süd gelegenen Supermarktes. Zwar ist Sayki Türke, und sein Geschäft trägt einen türkischen Namen. „Aber unser Markt ist für jedermann, wie der Name schon sagt.“

 Seit 2007 gibt’s den „Bizim Market“. Der Fachabiturient und gelernte Elektriker Sayki hatte sich bereits in Löhne mit einem Haushaltswarengeschäft selbstständig gemacht, nachdem er kurzzeitig arbeitslos gewesen war. Vom Handwerk in den Handel zu wechseln, war für ihn kein großer Schritt. „Mein Vater hatte nebenberuflich auf dem Wochenmarkt einen Stand, da habe ich immer mal ausgeholfen“, erklärt der gebürtige Vlothoer.

 Nach drei Jahren lief sein Mietvertrag aus, eine Verlängerung wäre ihm teuer zu stehen gekommen, also suchte er eine neue Bleibe für sein Geschäft. Im Internet wurde er fündig, seitdem besteht der „Bizim Market“ an der Braasstraße 2a in Rinteln, das Sayki bis dahin nur flüchtig kannte. „Nur einmal im Jahr, an den Feiertagen in NRW, kam ich zum Einkaufen hierher“, erzählt der 42-Jährige, der nach wie vor in Vlotho wohnt.

 Der Anfang war für den Einzelhändler nicht leicht in Rinteln: fernab von der Kernstadt, damals noch versteckt hinter einem leer stehenden Geschäft gelegen, ohne Kontakte und Bekanntschaften vor Ort. „Dass es uns gibt und dass wir vertrauenswürdig sind und natürlich ein gutes Angebot haben, das musste sich erst mal rumsprechen“, erzählt der Familienvater lächelnd. Aber die ersten zwei Jahre waren schon schwer. Umso größer ist heute seine Freude über seine Stammkunden. „Erst gestern war einer hier, der schon am ersten Tag zu mir kam“, erzählt Sayki. „Das macht mich schon ein bisschen stolz.“

 Seine Kundschaft war von Anfang an bunt gemischt, Menschen aller möglichen Nationalitäten kaufen bei ihm ein: Polen, Russen, Bosnier, Serben, Araber, Chinesen, kurzum: Viele Menschen, die vielleicht noch in einem anderen Land Wurzeln haben, finden im „Bizim Market“ die Lebensmittel und Gewürze, die sie aus ihrer ersten Heimat kennen. Und natürlich Türken, bezieht Sayki doch einen Großteil seiner Waren von einem türkischen Großhändler. „Die meisten Kunden sind aber Deutsche, die zum Beispiel mit einem Nichtdeutschen verheiratet sind, gerne kochen oder neugierig sind“, sagt der Einzelhändler.

 Wäre er allerdings auf Kunden nur aus Rinteln angewiesen, würde es schwierig werden, sagt er. Zu groß sei die Konkurrenz der großen Discountermärkte. Aber inzwischen kommen Saykis Kunden auch aus Stadthagen, Bückeburg, Porta Westfalica, Hessisch Oldendorf und Hameln. „Unser Vorteil ist, dass wir Waren anbieten, die man woanders kaum bekommt. Und wir bieten gute Qualität zu günstigen Preisen“, erläutert Sayki.

 Im „Bizim Market“ gibt es alle Grundnahrungsmittel, die es auch im Discounter gibt: Obst und Gemüse, frisches Fleisch und Fisch, Oliven, Käse, Joghurts, Milchprodukte jeder Art. Dazu kommen die Spezialitäten, wie Fladenbrot, Sonnenblumenkerne, Baklava und die türkische Knoblauchwurst Suçuk, um nur einige zu nennen, sowie nach wie vor auch einige Haushaltswaren und Geschenkartikel.

 Das Geschäft läuft gut. Erst in diesem Jahr hat Sayki zwei zusätzliche Aushilfskräfte angestellt, eine Deutsche und einen Türken. Bis dahin hatte er das Geschäft nur mit Unterstützung vonseiten seines Schwagers Ismail Murat Koc geführt.

 „Bei uns sind alle Nationalitäten willkommen“, sagt Sayki, der sich zumindest in Deutschland noch als Türke fühlt, obwohl er dort geboren wurde. „Als Deutscher fühle ich mich vor allem in der Türkei – dort sind wir für die Türken die ,Almanci‘ (türkisch: Deutschländer).“ pk

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