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Diesel wird es noch lange geben

Vortrag Diesel wird es noch lange geben

Im „Goldenen Buch“ der Stadt Rinteln hat sich gestern (nach einem US-Honorarkonsul und zuletzt Ministerpräsident Stephan Weil) eine weitere „Persönlichkeit des öffentlichen Lebens“ eingetragen, wie es Bürgermeister Thomas Priemer formulierte. 

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Carl Horst Hahn unterschreibt im "Goldenen Buch".

Quelle: wm

RINTELN. Carl Horst Hahn, Ikone des Wirtschaftswunders, der als Volkswagen-Chef deutsche Wirtschaftsgeschichte geschrieben hat.

Hahn besuchte auf Einladung der Seniorenunion die Weserstadt, wo er im Hotel „Stadt Kassel“ vor rund 60 Gästen aus Rinteln, Stadthagen, Nienburg und Hameln einen Vortrag hielt. Der 91-jährige verblüffte am Mittag zunächst im Rathaus mit einer Bemerkung, die man selten von Senioren hört, die eher dazu neigen, ihre Biografie zu schreiben: Er beschäftige sich nicht mit der Vergangenheit, sondern mit der Zukunft. Hahn erläuterte, was er darunter versteht: frühkindliche Bildung, Gentechnik und medizinische Forschung. Und er engagiere sich über Stiftungen in allen drei Bereichen.

Was ihm besonders am Herzen liegt: Die „Early-Birds-Group“-Modell-Kindergärten, in denen „englisches Personal, das kein Wort Deutsch spricht“, die Kinder betreut. Die Folge, sagt Hahn: Alle Kinder sprechen nach einem Jahr außer ihrer Muttersprache auch Englisch. Danach gehe es mit Chinesisch weiter. Er habe dieses Modell bereits mehreren Kultusministern vorgestellt. Die seien auch begeistert gewesen – und danach „machen alle mit dem Schulsystem von gestern für die Welt von morgen weiter“. In der Wissenschaft, sagt Hahn, sei man sich einig: Kinder lernen nicht, sie „saugen das Wissen auf“. Das Sprachfenster schließe sich mit zehn Jahren: „Danach muss man Vokabeln pauken.“

Verfechter der freien Marktwirtschaft

Hahn outete sich als nach wie vor absolut überzeugter Verfechter der freien Marktwirtschaft. Die gemeinsame deutsche Nachkriegsgeschichte, das sei „wie in einem Labor“ gewesen. „Hier der Kapitalismus, drüben haben kluge Köpfe die Planwirtschaft versucht.“ Das Ergebnis sei bekannt. „Auch in der DDR waren die Menschen tüchtig, fleißig, haben Überstunden gemacht, sich eingesetzt, sind aber ohne jeden Erfolg geblieben.“

Hahn klagte, nach wie vor würden Helmut Kohls Worte von den „blühenden Landschaften“ als Witz gewertet. Doch er fahre heute oft durch Ostdeutschland und sehe die blühenden Landschaften, die vielerorts Realität geworden seien. „Darüber sollten wir sprechen, diese Leistung deutlich machen, dann würden nicht weiter zehn Prozent der Ostdeutschen die Nachfolgepartei wählen, die ihr Land heruntergewirtschaftet hat.“

Die naheliegende Frage, ob er Kontakt zu VW halte, dort noch als Berater tätig sei, beantwortete Hahn kurz und trocken: „Wenn man nicht mehr voll im Geschäft ist, sollte man lieber die Klappe halten.“

Erzählungen über Zeit bei VW

Ein paar mehr Sätze über seine Zeit bei VW wurden es dann doch. Hahn erinnerte an sein Meisterstück, nämlich die autoverrückten Amerikaner, bei denen nichts galt, was weniger als sieben Liter Hubraum hatte, für den schmucklosen VW-Käfer zu begeistern. „Stellen sie sich vor, zwei Türen, kein Kofferraum, der Motor an der falschen Stelle.“ Hahn berichtete, es sei die gebildete Elite gewesen, die dem Käfer in den USA letztlich zum Durchbruch verholfen habe.

Mit ihm war Volkswagen als erster deutscher Autobauer in China, er hat den Airbag noch vor der Konkurrenz eingeführt. Letzte Frage, bevor der Professor zum Vortrag muss: „Wie lange wird es noch den Diesel geben?“ „Noch lange“, so Hahn, „schauen Sie nach Afrika, Asien, Südamerika. Da gibt es Gebiete, wo man auch künftig froh sein wird, einen zuverlässigen Diesel zu fahren.“ wm

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