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Drei Jahre Haft für Vater, der Sohn zum „Pornomann“ geschickt hat

Abscheuliche Praktiken Drei Jahre Haft für Vater, der Sohn zum „Pornomann“ geschickt hat

Ein 55-jähriger Vater aus Rinteln musste sich vor dem Bückeburger Landgereicht wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch verantworten. Er gestand, seinen Sohn (9) mehrmals zu einem Bekannten geschickt zu haben, der sich dann an dem Jungen verging.

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Rinteln/Bückeburg (ly). In seinem Schlusswort erklärt der Angeklagte, als Vater „kläglich versagt“ zu haben. Mehr noch: „Er hat das Urvertrauen eines Kindes zerstört“, wie Oberstaatsanwalt Klaus Jochen Schmidt meint. So sieht es auch die 1. Große Jugendkammer am Bückeburger Landgericht, die den Rintelner gestern wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt hat.

 In nachweislich sechs Fällen hatte der heute 55-Jährige seinen Sohn (9) zu einem Mann geschickt, obwohl er wusste, dass dieser das Kind vergewaltigte. Der Rintelner fühlte sich mit der Erziehung überfordert und wollte seine Ruhe haben. Er war froh, dass sich jemand mit dem Kind beschäftigte. „Das kann nichts rechtfertigen“, betont Schmidt.

 Außerdem war der Kinderschänder der einzige Freund des 55-Jährigen. „Er wollte dessen Zuneigung nicht verlieren“, glaubt Richter Norbert Kütemeyer. Wenn der Junge sich weigerte, freiwillig in die fremde Wohnung zu gehen, setzte es vom Vater Prügel. Nicht nachweisen ließ sich, dass der Rintelner Geld und Kleidung bekommen hat, wie es in der Anklageschrift heißt.

 „Der macht Sachen mit mir wie Mann und Frau“, hatte der Junge zu Hause erzählt. „Das machen Erwachsene mit Kindern so“, soll der Vater geantwortet haben. Oberstaatsanwalt Schmidt kann es kaum fassen. „Was für ein Satz“, sagt er nur. Der Junge habe keinen Ausweg gehabt und sei „abscheulichen Sexualpraktiken ausgeliefert“ gewesen. In seinem Plädoyer hatte Schmidt vier Jahre und drei Monate Haft gefordert. Zugunsten des Angeklagten wirkte sich vor allem dessen Geständnis aus.

 Nur einer der sechs Fälle war Gegenstand eines Prozesses gegen den eigentlichen Kinderschänder, einen früheren Feuerwehrmann und Jugendbetreuer aus Rinteln, der als „Pornomann“ bekannt geworden war, weil er seine Taten filmte. Nun droht dem 34-Jährigen eine neue Anklage. In einem ersten Prozess war der „Pornomann“ 2010 zu elf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

 Fünf Jungen im Alter zwischen neun und 15 Jahren hatte der Pädophile missbraucht, 13 einzelne Fälle konnten ihm nachgewiesen werden. An 24 Tagen hatte das Gericht damals verhandelt, 53 Zeugen vernommen, zwei Gutachter befragt und über 18 Beweisanträge entschieden. Vielleicht war das noch nicht das Ende.

 Jahrelang konnte der Junge, um den es jetzt ging, nicht über seine Erlebnisse sprechen. Heute weiß er, dass man ihm glaubt, wenn er es tut.

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Rinteln / Prozess

„Pornomann“ hat ihn einer der Jungen genannt: Zu elf Jahren Haft soll ein mutmaßlicher Kinderschänder aus Rinteln verurteilt werden. Dies hat zumindest Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber vor dem Bückeburger Landgericht gefordert.

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