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„Du stammst vom alten Förster Franke ab!“

Rinteln / Ahnensuche „Du stammst vom alten Förster Franke ab!“

„Du stammst von dem alten Förster Franke ab! Und nach ihm ist wohl auch die Frankenburg benannt!“ Das hatte zumindest eine alte Frau gegenüber Brigitta Böwer, geborene Franke, aus Fischbeck behauptet, als diese sich als junge Frau gemeinsam mit der älteren Dame in einem Krankenzimmer des Krankenhauses befand. Brigitta Böwer gab das Gehörte an ihre Cousine Gisela Schönle, ebenfalls geborene Franke, weiter. Deren Neugierde war sofort geweckt. Aber als sie ihre Mutter nach besagtem Ur-Ur-Großvater fragte, schüttelte diese nur mit dem Kopf: „Davon hatte sie noch nie gehört“, berichtet Schönle.

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Rinteln (pk). Aber damit fand sich Schönle nicht ab. Auf einer Internetseite, die sich mit der Region befasst, stieß sie auf einen weiteren Hinweis: Unter Bezugnahme auf den Heimatforscher Eduard Sindermann gehe der Name „Frankenburg“ nicht auf die Franken von Karl dem Großen zurück, sondern „auf einen Waldläufer namens Franke, der in den Wäldern der Langen Wand Naturprodukte zu sammeln pflegte“.

Und als Schönle vor zwei Jahren zur Goldenen Konfirmation mal wieder in ihrer Heimatstadt war – längst lebt sie im süddeutschen Riedlingen –, begann sie erneut, über ihre Vorfahren nachzudenken und Fragen zu stellen.

„Noch von meinem Vater, der damals in Todenmann zur Schule ging, wusste ich, dass mein Ur-Großvater Heinrich Franke Bahnwärter war. Er lebte in einem kleinen Bahnwärterhäuschen neben dem Gut Dankersen. Das Gebäude besteht heute nicht mehr, lediglich ein Brunnenschacht ist noch zu sehen“, erzählt Schönle.

Sie intensivierte ihre Nachforschungen, begann gemeinsam mit der Cousine Doris Edling aus Rinteln, in alten Kirchenbüchern in Eisbergen zu stöbern. Todenmann gehörte damals kirchenrechtlich zu Eisbergen. „Das verstärkte mein Interesse an der Ahnenforschung noch: Zu sehen, wie feinsäuberlich damals alles festgehalten wurde. Das war beeindruckend“, schildert Schönle. Aber so richtig kamen beide nicht weiter.
Über Frau Lange von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Rinteln wurde der Kontakt zu dem Rintelner Jürgen Witte hergestellt. Der Diplom-Ingenieur befasst sich mit Familienforschung. Er fand zwar etwas über entfernte Verwandte heraus, aber nicht über den gesuchten Ur-Ur-Opa.

Unterdessen fragte Doris Edling bei der Stadt nach der Sterbeurkunde ihres Großvaters Friedrich Franke nach. Er verstarb 1957 in Rinteln. Aus der Kopie war dann ersichtlich, dass er nicht in Todenmann, sondern in Möllenbeck zur Welt kam. Seine Mutter, Caroline Charlotte Franke, geborene Böger, stammte von Möllenbeck.

Nun kam Witte schon deutlich weiter, bis zum Ur-Ur-Großvater. „Ich habe viel mehr gefunden, als Sie vielleicht erwartet haben“, teilte Witte Schönle brieflich mit. „Ihre Ur-Ur-Großeltern waren Carl Ludwig Franke und Christine Wilhelmine Höfer. Carl Ludwig Franke war Forstläufer, ist geboren 1786 in Lippoldsburg und starb am 23. Februar 1847 in Todenmann Nr. 32“, schreibt Witte. Und weiter in Klammern: „Seine Beerdigung am 26. Februar war übrigens die zweite auf dem damals neuen, 1847 eingeweihten – heute alten – Friedhof in Todenmann.“

Die Frankes waren laut Sterbeurkunde Zugezogene aus Lippoldsburg. Aber hier mutmaßt Schönle einen Schreibfehler. „Es gibt zwar ein Lippoldsburg, aber dabei handelte sich um eine Burg bei Hannoversch Münden. Dagegen gibt es in Wahlsburg an der Weser ein eingemeindetes Lippoldsberg. Ich kann mir vorstellen, dass mein Ur-Ur-Großvater über den direkten Weg der Weser nach Rinteln gekommen ist“, erläutert Schönle.
Aus dem Schreiben Wittes geht jedenfalls weiter hervor, dass Carl Ludwig Franke in erster Ehe noch mit einer sieben Jahre älteren Frau verheiratet, in zweiter Ehe dagegen mit einer deutlich jüngeren in die Ehe ging. Christine Wilhelmine Höfer war ganze 31 Jahre jünger als Ur-Ur-Opa Franke, und damit sogar jünger als dessen erste Tochter. Aus dieser zweiten Ehe ging Schönles Ur-Großvater Heinrich Friedrich Ernst Franke hervor. Dessen Sohn wiederum, Friedrich Franke (Opa von Gisela Schönle und Doris Edling), gehörte von 1920 bis 1933 dem Schaumburger Kreisausschuss als stellvertretender Landrat und Fraktionsvorsitzender der SPD an.
Seitens Ur-Großvater Franke hat Schönle inzwischen weitere Verwandte ausfindig machen können, die auch noch in der Region wohnen. Deshalb plant sie für das kommende Jahr ein Familientreffen in Todenmann, wo die Frankes einst lebten.

Und vielleicht kommen die „Frankes“ ja dann wieder zusammen, wie einst zum 80. Geburtstag von Friedrich Franke (siehe unser Foto) mit dabei Doris Edling als kleines Mädchen.

Der Rintelner Historiker Stefan Meyer hält die Bezeichnung Frankenburg als Ableitung von dem Familiennamen Franke für „grundsätzlich denkbar“. Ihm zufolge wäre das „nichts Ungewöhnliches. Immer wieder wurden Flur- oder Straßennamen von Familiennamen abgeleitet, in Rinteln etwa die Bünte, die Krankenhäger Straße, die Riemengasse und so weiter“, schildert Meyer.

„In der jüngeren Forschung ist im Kontext der Frankenburg nur von der ,Hünenburg bei Todenmann‘ die Rede“, so Meyer. „Dies ist wohl auch die ältere Bezeichnung.“

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