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Ein 18-Millionen-Euro-Brikett?

IGS-Neubau Rinteln Ein 18-Millionen-Euro-Brikett?

Dass der IGS-Neubau an der Burgfeldsweide fast zur Gänze aus Holz bestehen soll (wir berichteten) hat für Fragezeichen gesorgt. Kann das denn funktionieren? Und was ist, wenn es brennt? Der Landkreis versicherte: Man werde natürlich alle Brandschutzvorschriften einhalten. Und in Stein gemeißelt sei die Holzbauweise auch nicht. „Noch sind wir in den Vertragsverhandlungen“, so Baudezernent Fritz Klebe.

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Fast zur Gänze aus Holz: Mit dieser Konzeptzeichnung bewarb sich das Architekturbüro bei der Ausschreibung. Foto: Bez + Kock Architekten

RINTELN. Mit großer Sorge blickt die WGS-Fraktion im Kreistag auf den Holzbau. Der heimische Abgeordnete Heinrich Sasse formulierte es etwas polemisch: „Ich befürchte, wir bauen da ein großes Brikett.“ Er findet, der Landkreis gehe sehr oberflächlich und leichtfertig mit den Besonderheiten um, die so ein Holzbau mit sich bringe. Das sieht Baudezernent Klebe naturgemäß anders.

Da die WGS am Ende nicht mitverantwortlich sein wolle für einen „Bau, der uns mit seinen zahllosen Mängeln nur Sorgen macht“, hat die Fraktion einen externen Gutachter zurate gezogen. Für Sasse stehen dabei zwei Punkte im Raum: die vom Landkreis behauptete Nachhaltigkeit der Holzbauweise und die Brandsicherheit.

"Das können nur Betriebe aus Süddeutschland“

Nachhaltig, meint Sasse, sei ein Holzbau nämlich nur, wenn der Bau auch mit Holz aus der Region gefertigt werde und „wenn ich auch die Transportwege beachte“. Er befürchtet, dass das geplante Lärchenholz aus tausenden Kilometern Entfernung bis nach Deutschland geliefert werden müsse.

Außerdem seien bei Holzbauweise laut Sasse entgegen der Aussage des Landkreises heimische Handwerker außen vor. „Bei den vielen Besonderheiten eines Holzbaus dieser Größe – das können nur Betriebe aus Süddeutschland“, so Sasse. Dort sei die Holzbau-Form auch bei öffentlichen Gebäuden wesentlich gebräuchlicher. „Dabei haben wir hier doch kurze Wege in Rinteln. Wir könnten mit heimischen Handwerkern und einer konventionellen Bauweise ein Gebäude errichten, das dann nachgewiesenerweise ein viel geringeres Grundrisiko hat als ein Gebäude in Holzbauweise.“

Größe bringt Zweifel auf

Die Entscheidung für eine Holzschule, so behauptet Sasse, sei in erster Linie gefallen, da sich auch der Landkreis das Mäntelchen der „Nachhaltigkeit“ umhängen wollte. Und zwar ohne den Sachverhalt mit der notwendigen Ernsthaftigkeit zu prüfen, moniert Sasse. „Wir bauen in Rinteln nicht nur aus Holz und damit hoch brandgefährdet, sondern setzen zudem auch noch das Teuerste, was wir haben – unsere Kinder – da rein.“ Wenn das schief gehe, „haben wir als Politiker auch Menschenleben auf dem Gewissen“. Das müsse wohl abgewogen sein. Bei den Verantwortlichen in Politik und Landkreis sieht Sasse „mehr ideologische Begeisterung als Vernunft und Sachverstand“.

Klebe kontert: Eben diese Prüfung finde gerade statt. Man habe bisher eine einstimmige Entscheidung des Preisgerichtes, aber keinen Vertrag mit einem Architekten über eine bestimmte Bauweise. Zur Holzbauweise sagt Klebe: „Ich muss mich davon erst mal überzeugen lassen. Ich habe so einen großen Holzbau auch noch nicht gebaut.“ Kleinere Gebäude aus Holz zwar schon, „aber ich will nicht ausschließen, dass es bei dieser Größe noch ganz andere Probleme gibt“.

„Wir wollen eine Schaumburger Lösung"

Bei den Verhandlungen mit dem Architektenbüro gehe es auch um die Frage der Holzbauweise. „Aber sie steht derzeit nicht im Vordergrund. Wir sind ja noch im formellen Vergabeverfahren.“ Man habe sich auch angesehen, ob es vergleichbare Objekte gibt. „Für den norddeutschen Raum ist das schon innovativ“, sagt Klebe. Deswegen wolle man sich auf jeden Fall noch einen modernen Holzbau ansehen.

Im Einvernehmen mit dem Architekten könnte die IGS theoretisch auch aus einem anderen Material gebaut werden. Denn, so Klebe: „Wir wollen eine Schaumburger Lösung, wir wollen nicht zwingend ein Pilotprojekt werden.“ Als Baustoff habe Holz natürlich nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile. „Wir müssen viele Kriterien berücksichtigen, neben den Kosten und der Wirtschaftlichkeit auch die Umsetzbarkeit und die Dauerhaftigkeit.“

Bei der Vorprüfung der Konzepte sei auch der Brandschutzprüfer vor Ort gewesen. Und dieser habe keine grundsätzlichen Probleme in einer Holzbauweise gesehen. jak

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