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Ein Fall für das Arbeitsgericht

Krankenhauskonzern Ein Fall für das Arbeitsgericht

Um dem Krankenhauskonzern Agaplesion die Übernahme der defizitären Kreiskrankenhäuser und den Neubau des Gesamtklinikums zu versüßen, hat ihm der Landkreis einen Deal vorgeschlagen: Er würde nicht benötigte Mitarbeiter in die Verwaltung übernehmen. Mit einem  Angebot ging der Landkreis auf zahlreiche Mitarbeiter zu, einige Dutzend nahmen es an. Doch zumindest eine Angestellte scheint bei dem Geschäft schlecht ausgestiegen zu sein.

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RINTELN. Heinrich Sasse, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Rinteln, vertritt sie heute vor dem Arbeitsgericht in Hameln.

Denn da in der Entgeltgruppe der Rintelnerin keine Stelle frei war, sollte der Landkreis ihr die Differenz in Form einer „abschmelzenden Zulage“ bezahlen, erklärt Sasse. Der Landkreis bot der Frau außerdem an, ihre Arbeitszeit von 18 auf 25 Stunden zu erhöhen. Darauf ging sie ein. Kurz bevor sie ihre Arbeit beim Landkreis im Juli 2016 antrat, antwortete ihr die Personalabteilung auch, dass hinsichtlich einer eventuell möglichen abschmelzenden Zulage – bezogen auf die 18 Stunden – noch Einzelheiten mit der Personalvertretung abgestimmt werden.

Nach mehrermaligem Nachfragen erhielt die langjährige Mitarbeiterin des Kreiskrankenhauses im Januar 2017 schließlich die überraschende Antwort: Eine abschmelzende Zulage werde es für sie nicht geben. Denn sie verdiene dank der erhöhten Arbeitszeit nun doch sogar mehr als vor der Übernahme durch den Landkreis.

 Aus Sicht der Rintelnerin eine Ungerechtigkeit: Schließlich muss sie sieben Stunden in der Woche mehr arbeiten, um am Ende mit einem „Plus“ auszusteigen. Ihr Stundenlohn dagegen sank durch die Herabstufung von Entgeltgruppe 8 auf Entgeltgruppe 5. Als Arbeitsrecht-Anwalt Sasse in ihrem Fall beim Landkreis vorsprach, erhielt er eine erstaunliche Antwort. „Ja, da könnte es eine Lösung geben, aber dafür müsse meine Mandantin erst klagen“, erinnert sich Sasse. „Na das lasse ich mir nicht zweimal sagen.“

Und tatsächlich: Drei Tage vor dem Verhandlungstermin ging ein Angebot ein: Der Landkreis würde demnach die Differenz in Höhe 244 Euro monatlich ab dem 1. August 2017 bezahlen – nicht aber rückwirkend seit Beginn der Übernahme. Ein Angebot, auf das seine Mandantin laut Sasse wohl eingehen werde.

Der Anwalt fragt sich nun aber: „War meine Mandantin möglicherweise nicht die einzige, die bei diesem Geschäft übervorteilt wurde?“   jak

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