Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Ein Schäferhund im Tresor

Stadtarchiv Ein Schäferhund im Tresor

Mit dem „Tagebuch ihrer Stadt“, dem Stadtarchiv im Bürgerhaus am Marktplatz, hatten die Rintelner wirklich Glück. Seit dem 14. Jahrhundert sind dort Dokumente erhalten.

Voriger Artikel
Noch eine Baustelle?
Nächster Artikel
Alles andere als einfach

Museumsleiter Dr. Stefan Meyer steht vor dem Tresorraum, in dem sich das eine oder andere „Schätzchen“ befindet.

Rinteln. Anderswo verbrannten oft die gesammelten alten Dokumente, oder sie gingen in Wasserfluten unter, wenn sie nicht zuvor bereits von durchziehenden Soldaten vernichtet worden waren. Das historische Stadtarchiv von Rinteln aber besitzt einen prächtigen Altbestand und leidet höchstens darunter, dass die Räume bis in die letzten Ecken gefüllt und so manches „Strandgut“ noch immer nicht richtig eingeordnet werden konnte.

Was bei einer Führung durch die Räume des Stadtarchivs sofort deutlich wird, ist die enorme, zu einem guten Teil ehrenamtliche Fleißarbeit, die dort über Jahrzehnte geleistet wurde. Da ist eine Bürgerkartei, die – so gut es ging – alle Einwohner Rintelns seit der Stadtgründung zu erfassen versuchte. Etwa 50000 handschriftlich mit allen verfügbaren Informationen bestückte Kärtchen erfassen, vom Bürgermeister bis zum früh verstorbenen Mädchen, alles, was sich bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Kirchenbüchern, Urkunden und Aufzeichnungen auffinden ließ. Die ordentliche Handschrift von Walter Borchers füllt zudem zahllose „Begleitbücher“, die Archivnutzern mit zusätzlichen Infos zur Verfügung stehen.

Notizen über 200 Jahre alten Todesfall

Auch die sogenannten „Findebücher“ bezeugen die große Arbeit, die nötig ist, damit ein Stadtarchiv auch von den Bürgern genutzt werden kann. Namen, Orte und Ereignisse sind darin stichwortartig verzeichnet, mit Hinweisen darauf, wo sich weitere Neugier befriedigen lässt. Stefan Meyer, der neben seiner Museumsleitung auch als Stadtarchivar tätig ist, nennt ein Beispiel dessen, was man beim Stöbern entdecken kann. Er zeigt die Stichworte über eine Frau namens Elisabeth Büntel, die vor etwa 200 Jahren in der Weser ertrank. War es Mord oder Suizid? Ein schlichter Fehltritt? Oder hatte sie jemanden retten wollen? Wer mehr wissen will, weiß mithilfe der Findebücher, wo er suchen muss.

Außer auf all die historischen Dokumente, die sich seit dem 14. Jahrhundert, dem Beginn des „Zeitalters der Schrift“, ansammelten, stößt man auch auf Kuriositäten anderer Art. An den Wänden hängen einige faszinierende Landschaftsbilder des Rintelner Malers Willy Thom. Auch das Porträt eines Deutschen Schäferhundes findet sich – in einer Ecke des Tresors.

Überhaupt der Tresorraum, der sich im Erdgeschoss hinter dem Touristik-Büro befindet. Seine mächtige Tür, die mit einem fast steuerradgroßen Kupferrad ausgestattet und sicher 20 Zentimeter dick ist, lässt sich nur mit einem überlangen Schlüssel öffnen. Die Schätze, die sich in diesem fensterlosen Raum befinden, würden allerdings kaum einen Räuber interessieren. Es sind zum größten Teil mittelalterliche Urkunden, darunter immerhin die Rintelner Stadtrechts-Urkunde.

Insgesamt neun Räume gehören zum Stadtarchiv, das jeden Montag von 10 bis zwölf Uhr für die Bürger geöffnet hat. cok

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben

O’zapft is heißt es in der Stadthäger Festhalle wieder am Freitag und Sonnabend, 23. und 24. September. Dann dominieren die Farben Blau und Weiß in der Halle und fesche Frauen in farbenfrohen Dirndln tanzen auf den Tischen... mehr