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Ein Schritt in Richtung Uni-Stadt

Diploma kommt nach Rinteln Ein Schritt in Richtung Uni-Stadt

Rinteln bekommt eine Hochschule: Noch in diesem Jahr soll die private Hochschule Diploma, die der Blindow-Familie gehört, in Rinteln vier Studiengänge aus dem Fachbereich Gesundheit und Soziales anbieten. Ein Schritt zurück in Richtung Universitätsstadt?

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Arbeitsgruppe in Feierlaune: Bürgermeister Thomas Priemer, Demografiebeauftragte Linda Mundhenke und Stadtjurist Joachim Steinbeck haben die Verhandlungen um einen Hochschulstandort geführt.

Quelle: ssw

Rinteln. Wenn frühmorgens der Bürgermeister zu einer eiligen Pressekonferenz lädt, dann hat er entweder sehr gute oder sehr schlechte Nachrichten Und so durfte sich gestern Vormittag die versammelte Presselandschaft vom Stadtoberhaupt Thomas Priemer bestätigen lassen, was in den vergangenen Tagen schon gemunkelt wurde: Rinteln bekommt eine Hochschule.

 Noch in diesem Jahr soll die private Hochschule Diploma, die der Blindow-Familie gehört, in Rinteln vier Studiengänge aus dem Fachbereich Gesundheit und Soziales anbieten. Alle vier werden berufsbegleitend als Fernstudium, mit verpflichtenden Wochenend-Terminen in Rinteln, absolviert. Das macht die Weserstadt zwar nicht wieder zu einer „richtigen“ Universitätsstadt – aber es könnte ein Schritt in diese Richtung sein.

„Das ist für uns der Einstieg“

Damit rückt die Vision von Bürgermeister Priemer, zum 400. Jahrestag der 1810 geschlossenen Universität Ernestina eine neue Hochschule einweihen zu können, möglicherweise in greifbare Nähe. „Das ist für uns der Einstieg“, betont er. Das Angebot solle, wenn es gut angenommen werde, auf jeden Fall ausgebaut werden. Dabei minimiert die Form als Fernuniversität mit Wochenendpräsenz zunächst das Kostenrisiko für die Stadt und den Kooperationspartner Diploma.

Am Abend vor der Pressekonferenz hatte der Verwaltungsrat der Stadt einstimmig abgesegnet, dass zunächst eine mit 25000 Euro Eigenkapital ausgestattete GmbH gegründet wird. Außerdem soll mit einem Darlehen von weiteren 25000 Euro schnellstmöglich das operative Geschäft gestartet werden. Das bedeutet, dass zunächst eine Geschäftsstelle im neuen Rathaus eingerichtet wird. Diese soll Informationen anbieten, eine Homepage betreiben und mit Honorarkräften Studenten akquirieren.

5000 Studenten bundesweit

Der komplette Lehrbetrieb wird dann von Diploma abgewickelt. Die private Hochschule ist vom Bundesland Hessen staatlich anerkannt und hat ihren Sitz in Bad Sooden-Allendorf. Sie gehört allerdings der Blindow-Familie, die Verwaltung sitzt in Bückeburg. Derzeit studieren bundesweit 5000 Studenten bei der privaten Fachhochschule. „Diploma hat zwar bereits mehr als 20 Bildungsstandorte, bisher allerdings keinen in Schaumburg“, verrät Geschäftsführer Andreas Blindow. Mit dem 1. Oktober dieses Jahres soll sich das nun ändern.

Der Zeitplan ist zwar knapp, das gesteht auch Bürgermeister Priemer ein, aber schon zum Herbstsemester sollen die ersten Studenten berufsbegleitend in Rinteln ihr Studium starten. Die Vorlesungen am Sonnabend sollen unter anderem im neuen Sitzungssaal der Stadt – „Am Wochenende verwalten wir dort ohnehin nur Luft“ – oder anderen öffentlichen Gebäuden stattfinden. Zunächst benötigt Priemer aber noch die Zustimmung des Stadtrates.

Geht alles nach Plan, soll die Hochschule bereits nach sieben Semestern wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Für die Demografiebeauftragte der Stadt, Linda Mundhenke, steht im Vordergrund, dass eine derartige Hochschule die besonders umkämpfte Gruppe der 18- bis 25-Jährigen zum Bleiben bewegen könnte. „In der Altersgruppe verlieren wir jedes Jahr die meisten Menschen an andere Städte.“ Denn bis auf die Finanzhochschule in der Nordstadt gibt es in der Weserstadt kein Bildungsangebot für junge Erwachsene nach dem Abitur. Schon jetzt nutzen viele zwar die Möglichkeit, ein berufsbegleitendes Studium durchzuführen, würden dann aber bis nach Hannover oder Bielefeld zu ihren Vorlesungen fahren – oder verlegen ihren Hauptwohnsitz gleich komplett.

Doch Diploma kann nicht nur Fernstudium: Am Standort Bad Sooden-Allendorf unterhält die Hochschule auch einen Standort, an dem 350 Studenten Vollzeit studieren. Für Rinteln sei das durchaus eine Zukunftsperspektive, meint Priemer.

Auch einen Standort hat er schon vor Augen: die Hildburgschule am Kollegienplatz, also der gleiche Boden, auf dem 1621 die ersten Studenten der Universität Ernestina ihr Studium aufgenommen hatten. Auch diese brauchte übrigens einige Jahre bis zur „vollwertigen“ Uni. Ihren Ursprung hatte sie im elf Jahre zuvor gegründeten „Gymnasium illustre“, das zunächst ebenfalls mit vier Fakultäten gestartet war. Vielleicht schafft die Weserstadt es diesmal schneller zur Unistadt.

Übrigens: Um das Universitätsprivileg 1621 nach Rinteln holen zu können, musste Namenspatron Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg dem Kaiser ein Darlehen über 100000 Gulden gewähren, erhielt zusätzlich aber noch den Fürstentitel. Ob Bürgermeister Priemer ein ähnlicher Deal vorschwebt, ist derzeit nicht bekannt. jak

Das wird die neue Wochenend-Hochschule anbieten

Ab dem 1. Oktober sollen Studenten vier Studiengänge aus dem Bereich Gesundheit und Soziales absolvieren können. Alle Studiengänge sind berufsbegleitend und enden mit einem Bachelor-Abschluss.
Frühpädagogik: Ein Aufbaustudiengang für Erzieher und Heilpädagogen an Kindertagesstätten. Eine entsprechende Berufsausbildung wird vorausgesetzt.
Kindheitspädagogik: Kann direkt nach dem Abitur angefangen werden. KindheitspädagogInnen arbeiten vornehmlich in Krippen, Kindertagesstätten, Horten und Schulen.
Soziale Arbeit : Außer dem Bachelor erlangen die Absolventen auch die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiter/Sozialpädagoge.
Medizinalfachberufe: Ein berufsbegleitendes Fernstudium für jene, die in Gesundheits-, Therapie- und Pflegeberufen tätig sind. Vermittelt werden fundierte Kenntnisse im sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Bereich.
Außer den Vorlesungen in Rinteln müssen die Studenten überwiegend eigenständig neben dem Beruf lernen. Dafür stellt ihnen Diploma umfangreiche Studienmaterialien zur Verfügung und bietet Zugriff auf eine Onlinebibliothek mit 40 000 wissenschaftlichen Büchern und Hunderten Zeitschriften. Außerdem gibt es eine Videodatenbank. Die Studiengebühr beträgt für alle Studiengänge, die je nach Anforderungen in ihrer Länge variieren, 197 Euro im Monat.

Mehr Informationen gibt es auf www.diploma.de.

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